Baden
Hier sind 300 Teddybären zu Hause

Das Teddybär-Museum von Maria Magdalena Kaufmann feiert sein 10-Jahr-Jubiläum.

Rosmarie Mehlin
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Maria Magdalena Kaufmann in ihrem Teddybär-Museum.

Maria Magdalena Kaufmann in ihrem Teddybär-Museum.

Alex Spichale

Dr. Bär hört mit seinem Stethoskop die Brust eines Patienten ab. Neben ihm beugt sich eine Krankenschwester fürsorglich über ein Kinderbettlein. Darin liegt ein ganz kleiner Bär. Auch die Patienten im Wartezimmer sind Bären, genauso wie der Doktor, die Schwester und die Abc-Schützen in der benachbarten Vitrine. Gegenüber lassen sich – hinter Glas – Bärenbraut und -bräutigam von einer eleganten Gesellschaft hochleben und von zwei Fotografen ablichten. In einer weiteren Vitrine stehen Reisende mit Koffern und Hutschachteln um eine gelbe Postkutsche, die von zwei Plüsch-Pferdchen gezogen wird. Die beiden fallen auf zwischen all den grossen und kleinen, gelben, braunen und beigen Teddybären.

«Seit ich Kind war, habe ich eine innige Beziehung zu Teddybären. Ganz besonders hat es mir ihr warmer, treuer, beseelter und verständnisvoller Blick angetan. Er lädt dazu ein, dass man dem Bär Kummer und Sorgen anvertraut. Das geht nicht nur mir, sondern vielen, auch erwachsenen Menschen so», sinniert Maria Magdalena Kaufmann.

Über 1000 Teddys

In Wettingen aufgewachsen, ist sie dort seit 30 Jahren hauptberuflich als Kindergärtnerin tätig. Nebenberuflich ist sie leidenschaftliche Märchenerzählerin – «für Kinder und für Erwachsene» –, begeisterte Fasnächtlerin, Mitglied der Cabaret-Truppe «Boschettlis» und Initiantin des gleichnamigen Mini-Theaters mit 30 Sitzplätzen an der Unteren Halde. Last but not least ist Kaufmann Gründerin und Besitzerin des Teddybär-Museums.

«Als ich 20 war, hatte ich angefangen, Teddybären zu sammeln, und wie es so geht – es wurden immer mehr. Inzwischen besitze ich über 1000 Bären. Rund 300 sind im Museum ausgestellt, der Rest in einem Lagerraum untergebracht, den mir die Gemeinde Wettingen zur Verfügung stellt.»

Der Weg zum Museum in Baden hatte Kaufmann über Frauenfeld geführt. «Vor etwa 20 Jahren war ich vom dortigen Historischen Museum angefragt worden, ob ich eine Teddy-Sonderausstellung machen würde. Sie war ein grosser Erfolg und ich konnte sie später auch noch im Historischen Museum Zug zeigen.» Danach begann Kaufmann, nach Räumlichkeiten für ein eigenes Museum Umschau zu halten. «Durch einen glücklichen Zufall konnte ich das Haus an der Oberen Halde zu einem moderaten Preis kaufen.» Die beiden Wohnungen in den Obergeschossen hat Kaufmann vermietet, im Erd- und den beiden Untergeschossen hat sie ihren Traum vom eigenen Museum verwirklicht. Am 1. Adventssonntag 2005 war es so weit: Das Teddybär-Museum Baden öffnete seine Pforten.

Finanzielle Unterstützung seitens der öffentlichen Hand hat das Museum nie bekommen. «Das Tourismusbüro Baden ist mir aber sehr wohl gesonnen. So darf ich erstaunlich viele Touristen, auch aus dem Ausland, durchs Museum führen. Und beim Einrichten hatten mich viele gute Geister tatkräftig unterstützt. Die allergrösste Hilfe aber war Sepp Schmid, der sofort Feuer und Flamme war. Ohne seinen riesigen Einsatz wäre das Museum nie das geworden, was es heute ist.»

In Pyjama und Spitzenrobe

Ein Schatzkästchen ist es geworden, eine Fundgrube für Gross und Klein, in der es ebenso zerzauste wie mustergültig gestriegelte, von Kinderhänden liebevoll abgegriffene wie unversehrt pelzige Teddybären zu entdecken gibt. Sie tragen Schürzen und Hosenträger, Pyjama und Spitzenrobe. Sie veranstalten Kissenschlachten, dass die Bettfedern nur so fliegen, bereiten sich für die Morgentoilette vor, büffeln Vokabeln, fahren Riesenrad und Kettenkarussell, backen Gugelhopf, schrubben auf Waschbrettern mit Teddy-Pulver weisse Nachthemden und hängen lange Unterhosen an alten Holzklammern an die Leine. Sie sind ausstaffiert mit Kleidern und Accessoires aus Omas Zeiten, leben inmitten von Möbeln und Gerätschaften von anno dazumal.

Es ist unverkennbar, dass auf Flohmärkten zu stöbern eine weitere Leidenschaft von Kaufmann ist. «Ich bekomme das alles nur unter einen Hut, weil mein inzwischen 86-jähriger Vater Adolf Christen jeweils während der Öffnungszeiten das Museum hütet und die Besucher in Empfang nimmt, wofür ich ihm enorm dankbar bin.»

Tag der offenen Tür Sonntag, 29.11., 14–16 Uhr, Eintritt gratis, Obere Halde 24.