Wettingen
Hier trifft Improvisation auf Strukturen

Klassik und Jazz vereinen? Das Projekt von Gregor Loepfe «Art On The Ridge» macht es möglich.

Barbara Scherer
Drucken
Teilen
Katja Baumann und Gregor Loepfe am Konzert in der Stanzerei Baden.

Katja Baumann und Gregor Loepfe am Konzert in der Stanzerei Baden.

Alex Spichale

Geschickt bringen die Finger die dicken Saiten des Basses zum Schwingen, während das Schlagzeug den Rhythmus angibt. Dann erklingt das Piano. Über die jazzige Melodie legt sich eine klare Klassikstimme: Beim Projekt «Art On The Ridge» treffen Klassik und Jazz aufeinander. Für viele Ohren mag diese Zusammenführung eher ungewohnt klingen. «Es ist verjazzte Klassik», sagt der Wettinger Pianist Gregor Loepfe.

Zusammen mit dem Bassisten Richard Pechota, dem Schlagzeuger Peter Preibisch und der Sängerin Katja Baumann hat der Musiker das Projekt auf die Beine gestellt. «Wir streben ein gemeinsames Musizieren an, bei dem die Grenzen zwischen Improvisation und Thema fliessend sind», sagt Loepfe. 2015 nahmen die vier Musiker ihr Projekt schliesslich auf. Jetzt touren sie mit ihrer CD seit November 2016 durch die Schweiz. Noch bis Ende Januar wird das musikalische Experiment live aufgeführt.

Loepfe arrangierte Musikstücke

Inspiriert wurde Loepfe auf einer Studienreise der Kantonsschule Baden, wo er als Lehrer tätig ist: In Amsterdam besuchte er ein Konzert, an dem Klassik und Jazz vereint wurden. «Erst dachte ich, das geht nicht. Doch entgegen meiner Erwartung funktionierte es total gut.» Begeistert von dieser Erfahrung begann er 2014 mit dem Projekt. Dabei arrangierte er die Musikstücke selbst. Zwar studierte Loepfe ursprünglich Klassik, doch Jazz habe ihn schon immer fasziniert. «Man kann seine persönliche Note im Jazz sehr gut einbringen, das ist in der Klassik weit weniger möglich, da ist das Meiste fixiert», erklärt der leidenschaftliche Pianist. Deshalb ist Loepfe vor Jahren immer mehr zum Jazzmusiker geworden. Zusammen mit Pechota und Preibisch bildete er das Gregor Loepfe Trio.

Live improvisiert die Sängerin

Eine konsequente Kombination aus Klassik und Jazz, das hat Loepfe gereizt. So kam das Trio mit der Sopranistin Katja Baumann in Verbindung. «Der Jazz bildet mit seiner typischen Harmonik und Rhythmik bei den Stücken stets die Basis, entlehnt aber aus der klassischen Vorlage die melodischen Themen», erklärt Loepfe. So sind fast alle Lieder auf einem klassischen Stück aufgebaut – eben verjazzte Klassik. Baumann singt dabei die klassischen Vorlagen originalgetreu mit einigen Seitensprüngen, wie es Loepfe nennt.

Denn entgegen ihrer angestammten Ausrichtung improvisiert die Sängerin bei den Liveauftritten auch. «Dafür haben wir für jedes Stück eine individuelle Lösung gefunden, damit der Gesang jedes Mal möglichst stimmig und vielfältig das Geschehen auf den Instrumenten ergänzt», erklärt Loepfe. So werden Stücke wie der Zauberlehrling oder die Arie Habanera aus Carmen in den Jazz eingebettet. Es sei für alle Musiker eine völlig neue Erfahrung. Dasselbe gelte aber auch für die Zuhörer. «Es entstehen im Vergleich mit dem Original oft querliegende Rhythmen und Harmonien.» Das gefalle nicht jedem: Bedenken und Kritik habe er auch schon erhalten. Loepfe: «Es ist eben ein ungewohntes musikalisches Experiment, man muss sich darauf einlassen.»

Aktuelle Nachrichten