Seit der Gründung 1998 hat sich «Hier und Jetzt» zu den führenden Verlagen für Sachbücher zur Schweizer Geschichte gemausert. Seinen Sitz hatte das Unternehmen stets in Baden, zuerst in Dättwil, seit bald vier Jahren an der Kronengasse in der Altstadt. Übernächsten Sommer jedoch wird der Verlag, der unter anderem die «Badener Neujahrsblätter» herausgibt, die Stadt in Richtung Zürich verlassen. Entsprechende Gerüchte machten die vergangenen Tage die Runde, Mitinhaber und Geschäftsführer Bruno Meier bestätigt auf Anfrage: «Es stimmt, wir werden im Juni 2020 nach Zürich gehen.»

Lücke in Zürich füllen

Für den Wegzug gebe es mehrere Gründe. «Wir haben unser Team verschlankt, teilweise outgesourct, und sind nun in zu grossen Büros», erklärt Historiker Meier. Ein kleineres Büro liesse sich zwar gewiss auch in Baden finden. «Jedoch bieten sich für uns in Zürich gleich in mehrfacher Hinsicht Gelegenheiten, die wir nutzen möchten.» Der Schritt mache aus rein betriebsorganisatorischen Gründen Sinn – die neuen Büros beim Bahnhof Enge sind kleiner, dafür ist die Miete tiefer als momentan. Hinzu komme, dass der Verlag bezüglich Eigentümerschaft und Mitarbeitern stets einen starken, zwischendurch auch mehrheitlichen Zürcher Anteil gehabt habe. «Die Mehrheit unserer sechs Angestellten wird einen kürzeren Arbeitsweg haben. Und Mitinhaberin Denise Schmid stammt ebenfalls aus Zürich.» Eine Rolle für den Standort-Entscheid spielte auch der Wegzug des Hauptkonkurrenten, des Verlages NZZ Libro, aus Zürich in Richtung Basel zu Schwabe. Zürich sei darum bezüglich historischer Sachbuchverlage quasi verwaist – diese Lücke möchte «Hier und Jetzt» mehr als bisher füllen.

Zu den Standardwerken und Longsellern des Verlags gehören unter anderem Thomas Maissens Geschichte der Schweiz oder Thomas Buombergers «Die Schweiz im Kalten Krieg». Darüber hinaus zählten auch immer wieder Werke mit lokalem Bezug zu den Publikationen, zuletzt beispielsweise «Company Town», «Das vergessene Grand Hotel» oder die Neuauflage von David Hess’ «Die Badenfahrt». Von einem Bruch beziehungsweise dem Ende einer Ära will Bruno Meier jedoch trotz dem Wegzug nach Zürich nichts wissen. «Wir werden auch in Zukunft Werke zu Aargauer Themen publizieren, so auch die Badener Neujahrsblätter. Vor allem aber haben wir uns immer als Schweizer Verlag verstanden, mit einem starken Standbein im Aargau zwar, aber auch in Bern, im Wallis, in Graubünden, in der Zentralschweiz.»

Bruno Meier, zuvor Leiter des Historischen Museums Baden, ist der letzte Verbliebene des Gründertrios. Vor 21 Jahren hob er den Verlag zusammen mit Urs Bernet und Andreas Steigmeier aus der Taufe. Es geschah quasi aus der Not, denn die Herausgabe der Badener Neujahrsblätter stand auf der Kippe, der Titel wurde frei und damit der Weg für eine erfolgreiche Verlagsgeschichte. 2017 erhielt der Verlag den mit 10'000 Franken dotierten Aargauer Heimatschutzpreis für das vorbildliche Publizieren von Sachbüchern zur Geschichte und Kultur im Kanton.

Schwacher Stiftungskanton

Wiederholt erhielt «Hier und Jetzt» öffentliche Unterstützungsbeiträge, etwa vom Aargauer Swisslos-Fonds. «Die Vergabe dieser Gelder hängt nicht primär vom Ort des Verlagssitzes ab, sondern wird für konkrete Projekte mit Aargauer Bezug vergeben.» Somit ist der Wegzug aus dem Aargau nicht automatisch mit einem Verlust an Unterstützungsgeldern verbunden – im Gegenteil: «Verlage werden projektbezogen vor allem von Stiftungen unterstützt, wobei die Stiftungslandschaft im Aargau im Vergleich mit anderen Kantonen leider schwach ist.»

Meier wird weiterhin auch in Baden anzutreffen sein. Neben seiner Tätigkeit als Verleger arbeitet er als selbstständiger Historiker und Ausstellungsmacher. «Ich selbst werde natürlich meine eigene Tätigkeit in Baden behalten.»