Im Dachstock des Bahnhofs in Baden werden alle Busse der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW) überwacht. Im Büro der Leitstelle verfolgten die Mitarbeitenden vor zehn Tagen gespannt den Start des neuen Verkehrsregimes, das dann wegen des Schulhausplatz-Umbaus in Kraft getreten war.

Über ein Jahr lang hatten sie geplant, Szenarien entwickelt und Berechnungen angestellt. «Wir hatten leider keine Kristallkugel», sagt Betriebsleiter Alfred Arndt. Er meint damit, dass niemand genau wusste, wie sich die Grossbaustelle auf den Verkehr in der Region auswirkt und noch auswirken wird.

«Wir hatten viele schlaflose Nächte. Der Aufwand für uns war wesentlich grösser als bei einem Fahrplanwechsel», sagt er. «Wir haben alles darangesetzt, dass für die Fahrgäste so wenige Einschränkungen wie möglich entstehen.»

Busse verkehren nach Fahrplan

Das erste Fazit nach fast zwei Wochen ist positiv: «Es ist sehr gut angelaufen», sagt Arndt. Die meisten Fahrgäste hätten sich bereits an das neue Verkehrsregime gewöhnt. Zudem machen die Mitarbeitenden des Verkehrsdienstes, die auf dem Schulhausplatz den Verkehr regeln, einen guten Job, sodass die Busse, bis auf wenige Ausnahmen, fahrplanmässig verkehren. «Wir haben einen Ansprechpartner, über den wir den Verkehrsdienst erreichen können», sagt Arndt.

Steht ein Bus übermässig im Stau, könne sich der Mitarbeiter der Leitstelle beim Verkehrsdienst melden, und auf der entsprechenden Spur werden mehr Autos durchgelassen. «Das ist auch schon vorgekommen», sagt der Betriebsleiter. 

Hier laufen die Fäden zusammen: Michael Baumann im «Cockpit» der RVBW-Leitstelle in Baden.

Hier laufen die Fäden zusammen: Michael Baumann im «Cockpit» der RVBW-Leitstelle in Baden.

Im Büro der Leitstelle beobachtet Betriebsleitstellenassistent Michael Baumann die vier Bildschirme vor sich. Es ist Feierabendverkehr. Baumann zeigt auf die beiden Bildschirme in der Mitte: «Hier sehe ich alle Linien und die Positionen der Busse.

Idealerweise sind sie im 15-Minuten-Takt auf der Strecke verteilt.» Jeder Bus sendet etwa alle 15 Sekunden via GPS seine Position: «So können wir die Abweichung zum Fahrplan beobachten und allenfalls eingreifen», erklärt Baumann.

An der Seminarstrasse hat ein Bus fünf Minuten Verspätung. «Wahrscheinlich staut sich dort der Verkehr», sagt Baumann. Er klickt auf den Bus und sieht dessen exakte Position nun auf der Strassenkarte auf dem Bildschirm ganz rechts.

Baumann verzichtet darauf, einzugreifen und ein Ersatzfahrzeug aufzubieten, das ab Baden Bahnhof auf der Linie pünktlich weiter verkehrt. «Es ist gut möglich, dass der Bus bis zur Haltestelle am Bahnhof noch einige Minuten aufholen kann», begründet er seinen Entscheid. Er bekommt recht: Kurz darauf ist der Bus am Bahnhof West — drei Minuten zu spät.

Weil auch die nachfolgenden Busse auf der Seminarstrasse im Stau stehen entscheidet sich Baumann für eine Durchsage am Bahnhof West. Über das Mikrofon vor sich, kann er die Fahrgäste an der Haltestelle über die Verspätung informieren.

Dann funkt er einen Buschauffeur auf der Seminarstrasse an. «Wie ist die Verkehrssituation?» – «Ich bin jetzt fast durch. Aber es beginnt etwa beim Schwimmbad.» – «Verstanden. Danke. Gute Fahrt.»

Was ist nach den Ferien?

Trotz Planung müssen die Mitarbeitenden der RVBW flexibel bleiben. Vieles werde sich erst am 10. August zeigen, wenn mit dem Ende der Schulferien wieder mehr Leute unterwegs sind.

Läuft alles nach Plan, wird der Verkehr auf dem Schulhausplatz ab Ende Juli wieder über eine Ampel gesteuert. Eine Flexibilität, wie sie der Verkehrsdienst bietet, ist dann nicht mehr gewährleistet. Und staut sich der Verkehr auf den umliegenden Strassen übermässig, nützen auch Zusatzbusse nichts. 

Die RVBW Leitstelle kurz vorgestellt.

Die RVBW Leitstelle kurz vorgestellt.

Die Mitarbeitenden auf der Leitstelle führen deshalb bereits jetzt Verspätungsauswertungen durch. Jeden Tag wird von den Linien, die über den Schulhausplatz verkehren, im Morgen- und Abendverkehr eine Auswertung erstellt, welche die durchschnittliche Verspätung aufzeigt. Die vergangenen Tage hätten gezeigt, dass es im Feierabendverkehr auf der Seminarstrasse immer wieder zu Verspätungen kommt.

Busse der Linien 3 und 4, die von Wettingen her über die Hochbrücke nach Baden fuhren, hatten teilweise bis zu 15 Minuten Verspätung. «Es ist wichtig, die Situation zu beobachten, sodass man bereits präventiv Massnahmen erarbeiten kann und auf allfällige Schwierigkeiten vorbereitet ist», sagt Betriebsleiter Arndt.