Wettingen

Hier wird der Computer zum Lehrer: Diese Aargauer erstellen PC-Lernprogramme

Noch können sich David Hess (l.) und Simon Knoth keine Putzfrau leisten, ihr altes Firmenlogo müssen sie bislang selber abstauben. Chris Iseli

Noch können sich David Hess (l.) und Simon Knoth keine Putzfrau leisten, ihr altes Firmenlogo müssen sie bislang selber abstauben. Chris Iseli

Simon Knoth und David Hess führen zusammen die HK Learning AG und erstellen PC-Lernprogramme

Zum Lernen in die Bibliothek gehen: Das ist Schnee von gestern. Heute wird am Computer gelernt. Dabei setzen nicht nur Schulen auf elektronische Lernplattformen, auch Unternehmen schulen ihre Mitarbeiter am PC.

Simon Knoth (27) und David Hess (26) entwickeln mit ihrer Firma HK Learning AG genau solche Lernprogramme.

Dazu brauchen die Jungunternehmer nur zwei Schreibtische, viele Monitore und eine Kaffeemaschine in ihrem weiss gestrichene Büro oberhalb der Center-Passage in Wettingen. «Wir arbeiten fast nur digital, das ist effizienter», sagt Knoth, der aus Turgi stammt.

David Hess und Simon Knoth von HK Learning verraten was es heisst eine eigene Firma zu haben

David Hess und Simon Knoth von HK Learning verraten was es heisst eine eigene Firma zu haben

Simon Knoth und David Hess führen zusammen die HK Learning AG und erstellen PC-Lernprogramme

Wie aber kam es dazu? Nach der Kantonsschule machte Knoth ein Praktikum bei der Migros und kam dort zum ersten Mal in Kontakt mit elektronischen Lernplattformen. «Ich musste nach dem Praktikum eine eigene Firma gründen um weiterhin als Freelancer arbeiten zu können.»

Während des Publizistikstudiums habe er schliesslich so viele Aufträge bekommen, dass er sich Hilfe suchte und seinen Mitstudenten und Schulfreund David Hess einspannte. «Unser erstes grosses Projekt – das war vor mehr als fünf Jahren ein Lernprogramm zur Nachhaltigkeit bei Lebensmitteln», sagt Hess. Den gebürtigen Wettinger faszinierte die Arbeit sofort.

Als «Digital Natives» im Vorteil

Bald arbeiteten die beiden Unternehmer mehr, als dass sie studierten. So entschieden sich die Jungunternehmer 2014, ihre eigene Firma zu gründen. «Wir haben alles auf eine Karte gesetzt», sagt Knoth. «Es war ein grosser Schritt», bestätigt Hess.

Von da an wurde es ernst: Die beiden zogen in ein Büro und stellten einen Grafiker und eine Lektorin ein. Dank der bereits gesammelten Erfahrung sei es aber ein sanfter Start ins Unternehmertum gewesen.

«Die Firma ist unser Baby, aber wie bei einem Baby war es am Anfang auch sehr schwer. Niemand hat uns gesagt, wie genau wir das aufziehen sollen», sagt Knoth. Ihr Wissen haben sie sich selbst angeeignet.

Wie aber behaupten sich die beiden gegen über anderen Unternehmen? «Dank den schlanken Unternehmensstrukturen und einem starken Partnernetzwerk sind wir in der Lage, trotz tiefem Preis hohe Qualität abzuliefern», erklärt Hess.

So könnten sie ihre Produkte für alle Kundensegmente zugänglich machen. Dafür wird auf weitere Angestellte verzichtet: Eine Putzkraft fürs Büro gibt es nicht. «Noch müssen wir alles selber sauber halten», sagt Hess mit einem Augenzwinkern.

Ihr Alter komme ihnen in der Branche auch entgegen, seien sie doch beide sogenannte «Digital Natives», also mit PC und Mobiltelefonen aufgewachsen.

«In der ganzen Internetbranche ist es auch von Vorteil, wenn man jünger ist», sagt Knoth und lächelt verschmitzt.

Eigenes Produkt in Planung

Wie genau entwirft man aber so eine Lernplattform? «Wir programmieren nicht von Grund auf selber, sondern setzen auf bereits existierende Tools», sagt Hess.

Vielmehr seien sie Drehbuchautoren, die Inhalte sowie das Erscheinungsbild eines Lernprogramms erarbeiten und digital aufarbeiten. Zu ihren Aufgaben als Geschäftsführer gehören aber auch administrative Arbeiten und Marketing. Knoth: «Man darf sich nicht zu schade sein, repetitive Arbeiten zu machen.»

Bisher erarbeiten die Jungunternehmer die Produkte auf Kundenwunsch. In Planung ist ein eigenes Produkt für das Gesundheitswesen.

Reich sind sie bisher mit ihrer Firma noch nicht geworden, aber man käme gut über die Runden. «Es hat seinen Vorteil, so jung ein Unternehmen zu gründen. Wir haben noch keine Familien oder ein Eigenheim, das wir finanzieren müssen», sagt Knoth.

Die Arbeit ist aber trotzdem kein Zuckerschlecken, ihre Arbeitstage seien lang und ihr Privatleben arrangieren die beiden um ihre Projekte. «Gleichzeitig in die Ferien gehen, das ist ein ‹No-Go›», sagt Hess.

So haben die einstigen Schulfreunde heute fast nur noch beruflich Kontakt. «Aber wir sehen uns ja jeden Tag.»

Weil sie sich gegenseitig Verantwortung abnehmen, statt sich zu dominieren, funktioniere die Zusammenarbeit so gut.

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