Fall Lucie
Hier wird der Mörder von Lucie Trezzini sein Leben verbringen

Der Lucie-Mörder Daniel H. wird nach seiner Haftstrafe verwahrt. Der 28-Jährige dürfte also sein restliches Leben in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg verbringen – als Aussenseiter und in einer kleinen Zelle.

Silvan Hartmann
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Das Zentralgefängnis in Lenzburg
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Augenscanner, Kameras und eine 6 Meter Mauer Das neue Zentralgefängnis Lenzburg besticht durch enorm hohe Sicherheitsstandarts. Am heutigen Eröffnungstag präsentierte der Direktor die verschiedenen Abteilungen. Auch dabei: die schweizweit erste Abteilung für alte Deliquenten
Der Zellentrakt im Zentralgefängnis
Landammann Urs Hofmann ist bei der Eröffnung 2011 schon mal Probe gesessen.

Das Zentralgefängnis in Lenzburg

Emanuel Freudiger

Ein Bett, ein Lavabo, ein Tisch mit Stuhl, ein WC, kaltes Wasser und ein Fenster auf einer Höhe von 1,95 Meter. Hier wird Daniel H. sein Leben verbringen – auf 7,6 Quadratmetern.

Vor Gericht erzählte Daniel H., gelernter Koch, dass er in der Anstalt derzeit eine Anlehre als Drucktechnologe absolviere. Auch in Haft muss Daniel H. von Montag bis Freitag zur Arbeit erscheinen. Arbeitsbeginn ist für alle Häftlinge jeweils morgens um 7.15 Uhr – angezogen, und die Zelle aufgeräumt. Um 11.10 Uhr muss Daniel H. zurück in seine Zelle, das Mittagessen wird ihm gebracht. Um 13 Uhr steht wieder die Arbeit in der Druckerei der Anstalt an, bis der Lucie-Mörder um 16.30 Uhr wiederum zurück in die Zelle muss. Das Nachtessen wird überreicht.

Eine Dusche für 180 Gefangene

Um 18 Uhr schliessen Wärter den Duschraum auf. Es ist eine Gemeinschaftsdusche mit 16 Duschköpfen. Insgesamt 180 Gefangene müssen sich darin innerhalb von zwei Stunden waschen. Anschliessend haben die Gefangenen die Möglichkeit, sich im Aufenthaltsraum aufzuhalten oder sich in die Zelle zurückzuziehen.

Auf der untersten Hierarchiestufe

Daniel H. zieht wohl Letzteres vor. Denn er hat etwas vom Schlimmsten getan: Er hat einem jungen Mädchen das Leben genommen. Damit befindet er sich selbst unter Häftlingen auf der untersten Hierarchiestufe: «Er ist ein Einzelgänger. Die meisten machen einen grossen Bogen um ihn. In den Arbeitspausen ist er oft allein», weiss Marcel Ruf, Direktor der Justizvollzugsanstalt Lenzburg.

Um 20 Uhr müssen sich auch die Häftlinge, die den Aufenthaltsraum nutzen, zurückziehen. Sie werden in ihre Zelle eingeschlossen. Die Nachtruhe gilt, bis tags darauf um 7.15 Uhr wieder die Arbeit ruft. Ausser am Wochenende, dann bleiben die Häftlinge bis zu 19 Stunden in der Zelle.

Ist Daniel H. suizidgefährdet?

Daniel H. nahm am Mittwochabend sein Urteil eher gefasst entgegen. Doch beim Verlassen des Gerichtssaals schien dem Mörder die Strafe wohl bewusst geworden zu sein. Er biss auf seine Unterlippe, blickte ins Leere. Ob ihm der Alltag im Justizvollzug bewusst wurde? Hat Daniel H. nun etwa aufgrund des Urteils Selbstmordgedanken?

Noch am Mittwochabend hatte Psychiater Patrick Tanner Kontakt mit Daniel H. «Er reagierte relativ gefasst. Nach unseren ersten Erkenntnissen ist er nicht suizidgefährdet», sagt Ruf, der von Tanner umgehend informiert wurde. Trotzdem wollen die Verantwortlichen kein Risiko eingehen. «Er ist noch bis zum Montag in einer videoüberwachten Zelle untergebracht.»

Ein Suizid lasse sich aber nie ausschliessen. So sei ein Selbstmord in der Zelle schliesslich auch mit eigenen Kleidungsstücken machbar. «Um einen Suizid zu verhindern, müsste man die Insassen am Bett anbinden – 24 Stunden am Tag. Das wäre aber nicht gesetzeskonform», so Ruf.

Am Montag folgt ein weiteres psychiatrisches Gespräch, worauf Daniel H. in seine definitive Zelle verlegt werden soll. «Es wird sich wegen des Urteils nicht viel verändern. Er wird in der Vollzugsanstalt in Lenzburg bleiben», sagt Ruf. So eintönig der Alltag für Daniel H. sein Leben lang sein wird, er wollte genau diesen. So gab er an, Lucie getötet zu haben, um zurück ins Gefängnis zu kommen.