«Nein, nein, hier trägt jeder Unterwäsche unter seinem Rock», stellt Marianne Hess klar. Sie sitzt auf einer Holzbank, blickt mit einem Schmunzeln im Gesicht über das pulsierende Festgelände und sagt dann: «Unsere Events haben zwar eine sehr hohe Authentizität, aber das ginge dann doch zu weit.» Röcke aber tragen sie alle. Auch Marianne Hess. Sie gehört der «Highland Games Asscociation of Switzerland» an und ist eine der Personen, welche die Verbreitung der Faszination Highland Games vorantreiben.

Die Highland Games sind Spiele, die ihren Ursprung in der Zeit der keltischen Könige haben. Spiele, die heute die Basis für bis zu 100 Volksfeste pro Jahr in Schottland legen ujnd eben auch in der Schweiz ihre ersten Ableger verzeichnen. In den fünf Disziplinen Steinstossen, Gewichtshochwurf, Gewichtsweitwurf, Hammerwurf und Baumstammwerfen haben sich rund 70 lizenzierte Highlander gemessen, wie man die muskelbepackten Protagonisten nennt. Ursprünglich wurden diese Spiele ausgetragen, um die stärksten Männer im Land zu finden, die den Königen dann als Leibwächter dienten. Heute sind die Highland Games vor allem eines: eine Randsportart.

Respekt als grösste Tugend

Die Spiele suggerieren auf den ersten Blick ein angeberisches Kräftemessen. Doch wer das Treiben um die Schwergewichte verfolgt, merkt schnell: weit gefehlt! Der gegenseitige Respekt geniesst Priorität. Es ist ein Kräftemessen der umgänglichen Art. Bei einem Leistungsexploit wird applaudiert, bei Fehlern korrigiert. Die Zuschauer sind relaxed und wohlwollend. Es lassen sich erstaunliche Parallelen zum hiesigen Schwingsport feststellen.

Marianne Hess findet nicht nur in der Atmosphäre, sondern auch in der Ausübung der beiden Sportarten Vergleichbares: «Viele meinen, es ginge hierbei nur darum, wer kräftiger ist. Doch entscheidender ist vielmehr die Technik. Egal ob beim Baumstammwerfen oder beim Schwingen.»

Was die geselligen Muskelpakete an diesem Nachmittag vereint, ist die Leidenschaft für die schottische Kultur. Entdeckt haben sie die meisten per Zufall. So auch Urs Zehntner. Vor rund fünf Jahren war der ehemalige Football-Spieler mit seiner Mutter in Schottland in den Ferien. Zu dieser Zeit wurden in einer nahegelegenen Stadt Highland Games durchgeführt. Zehntner besuchte sie. Während einer Pause schnappte er sich einen Stein und warf prompt die zweitbeste Weite des Tages. Seither ist er Teil dieser Faszination, die den Heitersberg kurzzeitig zu einer schottischen Enklave verwandelt.