Baden
Hildegunn-Øiseth-Quartett: Einfühlsame Klanglandschaften im «Isebähnli»

Zu Besuch aus dem Norden: Im Bistro Isebähnli gastierte das norwegische Hildegunn-Øiseth-Quartett.

Jürg Blunschi
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Nordische Klänge in Baden: Magne Thormodsæter am Bass und Hildegunn Øiseth mit dem «Goat Horn».

Nordische Klänge in Baden: Magne Thormodsæter am Bass und Hildegunn Øiseth mit dem «Goat Horn».

Peter Hunziker

Am vergangenen Montag spielte das Hildegunn-Øiseth-Quartett im Speisebistro Isebähnli anlässlich eines Modern-Jazz-Konzertes des Vereins Jazz in Baden. Das Quartett aus dem norwegischen Trondheim befindet sich auf einer kleinen Tournee durch die Schweiz und Deutschland – mit dem Badener Konzert als Auftakt.

In der Besetzung gibt sich die Gruppe traditionell: Hildegunn Øiseth (Trompete, Goat Horn), Espen Berg (Piano), Magne Thormodsæter (Bass), Per Oddvar Johansen (Schlagzeug).

Die Musik dagegen war kaum das, was man – jazzgerecht gewohnt – von dieser Zusammensetzung erwartete, also Trompeterin mit Begleittrio. Vielmehr entpuppte sich das Quartett als ein regelrecht grosses Kollektiv, das warmherzige, weit gefächerte, stimmungsvolle, beinahe orchestrale Musik darbot. Es waren dies Eigenkompositionen der Gruppe, ihrer jüngsten CD «Time Is Coming» entnommen.

«Klanglandschaften» wäre vielleicht eine mögliche andere Bezeichnung für die Øiseth-Musik. Denn es entwickelten sich jeweils, aus den oft kantablen Kompositionsskeletten, anheimelnde, intensive Klänge, in denen je nachdem das eine oder andere Instrument das Sagen hatte.

Dabei überliess Leaderin Øiseth die Hauptstimme weitgehend dem Pianisten Espen Berg und dem Bassisten Magne Thormodsæter, die schwergewichtige Soloanteile hatten. Hildegunn Øiseths Trompetenspiel erinnerte etwas an jenes von Miles Davis. Øiseth spielte wenige eigentliche Soli, eher waren es stützende Melodien aus dem Hintergrund, Stimmungseinschübe, Wendepunkte, die sie durch feinziselierte Motive herbeiführte.

Dabei bediente sie sich auch massvoller elektronischer Effekte. Das «Goat Horn», ein mit Löchern versehenes Ziegenhorn, liess sich erstaunlich virtuos spielen und nahm im Instrumentarium einen eigenen Rang ein.

Emotionale Tiefe

Pianist Espen Berg nahm eine Hauptrolle ein. In seinen technisch ausgebufften Solo- und Begleitbeiträgen hielt er suggestive Stimmungen aufrecht, mit verwinkelter Melodiegestaltung sorgte er für kreative Höhepunkte. Zusammen mit dem energischen Bassisten Magne Thormodsæter legte er eigentlich den Teppich aus für die vielen unter die Haut gehenden Momente.

Schlagzeuger Per Oddvar Johansen steuerte dazu seinen rhythmisch variantenreichen Part bei und setzte sich mit einem erdigen Solo in Szene. Die Duo-Zugabe fasste den Abend zusammen: die weiten Ideen des Pianisten und die emotionale Tiefe, die Øiseth dem Goat Horn entlockte.

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