Gegründet wurde das Start-up diesen Frühling von den beiden Juristen Edoardo Köppel (27) und Simon Sommer (27). Letzterer, SVP-Einwohnerrat in Baden, fliegt häufig ins Ausland. Als er von Wien via Berlin nach Chicago reisen wollte, die Fluggesellschaft aber den Zubringerflug strich, war dies für Sommer sehr ärgerlich – aber gleichzeitig die Geburtsstunde für die Geschäftsidee.

Nach seiner verspäteten Ankunft in den USA – ohne Gepäck – kontaktierte er die Fluggesellschaft und forderte erst vergeblich eine Entschädigung. Der damalige Jus-Student erstritt sich diese aber in den Wochen danach. Und aus dem gewonnenen Wissen gründete er zusammen mit Köppel das Start-up mit Sitz in Baden.

Köppel erklärt: «Den meisten Fluggästen ist nur bekannt, dass sie bei Annullation oder Verspätungen Anspruch auf Leistungen wie Geld-Rückerstattung, Ersatzflug, Taxi, Hotel oder Verpflegung haben. Viele Passagiere in der Schweiz wissen aber nicht, dass sie gemäss dem EU-Fluggastrecht, das auch in unserem Land gilt, bei Annullationen oder Verspätungen zusätzlich Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro haben. Wir bieten die Möglichkeit, das Geld gegenüber der Airline bis zu drei Jahren rückwirkend ohne Kostenrisiko online einzufordern», erklärt Köppel.

Als Einzelperson habe man gegenüber Fluggesellschaften meist geringe Chancen, berechtigte Ansprüche erfolgreich durchzusetzen. «Die Airlines bieten einem häufig nur Gutscheine an oder verweisen auf aussergewöhnliche Umstände, die einen Anspruch auf Entschädigung ausschliessen.» Und normalerweise lohne es sich nicht, wegen ein paar hundert Franken einen Anwalt zu engagieren.

In welchem Fall ein Passagier Anrecht auf eine Entschädigung hat, hängt von diversen Faktoren ab – eine kostenlose Anspruchsprüfung auf der Website des Badener Unternehmens gibt sofort eine erste Einschätzung, ob ein annullierter oder verspäteter Flug anspruchsberechtigt ist und wie hoch etwa die Rückzahlung ausfallen könnte. Eine Software verarbeitet sämtliche Daten. «Recht wird also mit Informatik verbunden. Die Pauschalen werden automatisch berechnet.»

Falls die Bedingungen für einen Streitfall gegeben sind, kümmern sich die beiden Juristen noch um die Details. «Unsere Erfolgsquote liegt bei 98 Prozent», sagt Köppel. Das Unternehmen erhält bei Erstkunden 20, bei den restlichen Kunden 24 Prozent des erstrittenen Betrages. «Wir können noch nicht davon leben, und wir investieren die Gewinne in die Firma. Aber die Zahl der Kunden steigt. Aktuell bearbeiten wir rund sechs bis zehn Fälle pro Tag.» Und weil alleine in Zürich rund 3000 Flüge pro Jahr annulliert werden, habe das Business viel Potenzial.

In anderen europäischen Ländern gebe es bereits Fluggastrecht-Portale, aber: «Als lokaler Partner bei konsumentenrechtlichen Fragen im Luftverkehr können wir Schweizer Kunden besser betreuen, weil wir mit dem inländischen Recht besser vertraut sind und im Vergleich mit der Konkurrenz sind wir günstiger. Zudem möchten wir das Bewusstsein stärken, dass die EU-Fluggastrechte-Verordnung auch hierzulande Anwendung findet.»