BT-Kolumne

«Himmel»-Rettung: Wenn das nur gut geht

«Ich bin mir sicher: Es wären auch Betreiber gefunden worden, die den «Himmel» und die zwei Aussenposten «Delise» und «Bijou» nicht nur als Filialen 12 bis 14 sehen", schreibt Kolumnist Simon Balissat.

«Ich bin mir sicher: Es wären auch Betreiber gefunden worden, die den «Himmel» und die zwei Aussenposten «Delise» und «Bijou» nicht nur als Filialen 12 bis 14 sehen", schreibt Kolumnist Simon Balissat.

Simon Balissat (36) ist in Baden aufgewachsen und lebt in Zürich. Nach über 10-Jähriger Radiokarriere schreibt er seit 2018 für galaxus.ch über Kulinarik. In seiner Kolumne schreibt er über die Rettung des «Himmels» – und wieso er sich mehr erhofft hat.

Vor etwas mehr als vier Jahren habe ich an dieser Stelle meine erste Kolumne verfasst und bemängelt, dass die Cafés in Baden diesen Namen nicht verdient haben. Es sollte ein Schuss vor den Bug von «Moser» und «Himmel» sein. Die Zustimmung war damals gross, geändert hat sich nichts.

Dass jetzt plötzlich alle überrascht sind, dass das Traditionshaus «Himmel» Konkurs angemeldet hat, erstaunt mich. Es war eine «selbsterfüllende Prophezeiung». Auch bei treuster Kundschaft darfst du nicht in den 90ern stehen bleiben. Jetzt wurde eine Lösung gefunden, die Rettung ist hier. Ende gut, alles gut?

Für den Moment sicher. Die Badenerinnen und Baden können «ihren Himmel» behalten und werden jetzt aus Solidarität für ein paar Monate wieder dort einkehren. Das Eis aber bleibt dünn. Eine dritte Chance gibt es wohl nicht.

«So viele Emotionen» nach der «Himmel»-Rettung

«So viele Emotionen» nach der «Himmel»-Rettung (Beitrag vom 11. Februar 2019)

Nach der Talfahrt die Erlösung: Kurz bevor der Konkurs des Badener Caféhauses «Himmel» eröffnet worden ist, sprang Dominik Frei, Inhaber der Bäckerei Frei aus Nussbaumen, in die Bresche. Das sorgt für strahlende Gesichter beim Personal und den Kunden des Traditionscafés. Der Tele-M1-Bericht vom Samstag, 9. Februar.

Schade: Die Rettung in letzter Sekunde gelang nicht durch junge, innovative Gastronominnen oder Gastronomen. Die Zeit für etwas Neues war zu knapp, das Vertrauen nicht vorhanden. Mit der Bäckerei «Frei» hat ein weiteres «Traditionshaus» aus der Region den «Himmel» übernommen. Ich kenne andere «Frei»-Filialen und befürchte schwer, dass sich wenig ändert.

Vielleicht träume ich zu gross. Vielleicht dichte ich Baden dieses Grossstadtflair an, das wir nicht haben. Ich wünschte mir am «Himmel»-Standort nämlich ein nettes Kaffeehaus, in dem Baristas ihre Arbeit verrichten, die diesen Namen auch verdienen und Kaffee würdigen.

In meiner perfekten Café-Welt würde sogar das Brot vor Ort produziert und nicht in einer «Top-Produktionsstätte» (Zitat Inhaber Dominik Frei) in Nussbaumen, auch wenn ich dafür etwas tiefer in die Tasche greifen müsste. Das Interieur dürfte auch auf Wiener Kaffeehaus oder Pariser Bistro getrimmt werden und nicht auf evangelisches Gemeindehaus oder Jahrtausendwende-Ikea-Design-Kitsch.

Dominik Frei: «Himmel wird Himmel bleiben»

Dominik Frei: «Himmel wird Himmel bleiben» (Beitrag vom 11. Februar 2019)

Die Bäckerei Konditorei Frei AG mit Sitz in Obersiggenthal übernimmt den «Himmel» und seine 35 Mitarbeitenden. 

«Miesepeter! Jetzt ist der Himmel gerettet und es ist wieder nicht recht!» schreien jetzt die Kritiker. Gewiss: Ein mittelmässiges Café, das ich nie besuchen werde, ist mir immer noch viel lieber als ein Immobilienmakler, den ich nie besuchen werde. Mir ist es recht, bleibt der «Himmel» ein Café und wird nicht zum Reisebüro oder zum Handygeschäft umgebaut. Baden hätte aber ein zeitgemässes Café in der Innenstadt verdient.

Ich bin mir sicher: Es wären auch Betreiber gefunden worden, die den «Himmel» und die zwei Aussenposten «Delise» und «Bijou» nicht nur als Filialen 12 bis 14 sehen. Aber wer Geld hat und in der Region verankert ist, der malt zuerst und die Zeit hat offenbar gedrängt.

Vor vier Jahren habe ich geschrieben, der «Himmel» sei höchstens ein Fegefeuer. Das passt ganz gut zu unserer Stadt: Fegefeuer. Baden ist nicht die Grossstadt, die man doch so gerne sein will, aber auch nicht das Aargauer Kaff, als das viele Auswärtige Baden wahrnehmen. Da passen die Wirrungen um den «Himmel» ganz gut hinein.

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