Mit Hiobsbotschaften von Grossfirmen hat man sich in der Stadt und Region Baden schon mehrmals auseinandersetzen müssen. Dabei hat man schon einige Krisen ausgestanden. Auch wenn anfänglich Zuversicht herrschte, sie wurde in der Vergangenheit schon mehrmals zerstreut. Zu guter Letzt hat die Stadt Baden als Industriestandort immer den Rank genommen. Bis heute.

In einem Punkt unterscheidet sich der angekündigte Stellenabbau jedoch von bisherigen ähnlichen Nachrichten: Der Absender ist diesmal weder Schweden (ABB) noch Frankreich (Alstom), sondern mit der General Electric die US-amerikanische Weltfirma im Energiebereich.

Seit längerem weiss man es: Die Energiebranche, die in Baden mit den «Triple A» Alstom (neu GE), ABB und Axpo konzentriert ansässig ist und wirtschaftlich gesehen nach wie vor ein Klumpenrisiko darstellt, ist seit einigen Jahren eine Sparte, die heftigen Böen ausgesetzt ist. Dazu gesellte sich vor mehr als einem Jahr der Zerfall des Euros, der für den industriellen Produktionsstandort Schweiz einschneidend ist. Insbesondere Turbinen für Gas, Wasser, Atomkraft oder andere Energieerzeuger wie auch Antriebe für die Mobilität zur Schiene oder auf dem Wasser sind trotzdem bis heute weiterhin am Standort Baden entwickelt und vermarktet.

Der erste grobe Einschnitt in der neuen Badener Industriegeschichte erfolgte 1987 mit der Fusion von Brown Boveri & Cie. mit der schwedischen Asea. In Baden herrschte Zuversicht, und man glaubte trotz allen Zweifeln, den Konzernsitz halten zu können. Doch dieser wurde nach Zürich abgezogen. Trotz dem Machtgehabe von ABB-Chef Percy Barnevik blieb man in Baden zuversichtlich. Dazu hatten die Vorhersagen des letzten BBC-Chefs Fritz Leutwyler Anlass gegeben. Es vergingen wenige Monate, als der damalige ABB-Schweiz-Chef Edwin Somm dann schweren Herzens die Streichung von 2500 Stellen, davon 1700 allein in Baden, bekannt geben musste.

Die Stadt blickte jedoch nach vorne: Dank der Initiative von Somm und des damaligen Stadtammanns Sepp Bürge wurde die «Chance Baden Nord 2005» geboren und zur Reife entwickelt. Nachdem die Zahl der Arbeitsplätze in Baden vorübergehend auf deren 14 000 hinunterfiel, stieg diese dank der Wiedererstehung des Industrie- und Engineering-Standortes Baden Nord wieder auf weit über 20 000. Die nächste Krise kam dann bei ABB um das Jahr 2000, als die ABB Kraftwerke AG an die französische Alstom überging.

Schon Alstom auf Abbau-Kurs

Stellenstreichungen gab es danach auch unter Alstom. Nach einem anfänglichen Ausbau am Standort Schweiz wurde 2003 erstmals ein Stellenabbau angekündigt. Erst war von 700, dann von 470 Stellen die Rede. Anfang 2004 folgte nach schlechtem Geschäftsjahr ein Abbau von 650 Stellen primär in Baden und Birr, der dann weniger drastisch ausfiel. Nach 2005 blühte das Turbinengeschäft wieder auf, der Stellenetat wuchs wieder an.

Im Mai 2011 folgte der nächste Schock: Ein Abbau von 750 Stellen wurde angekündigt; er wurde dann auf 360 Stellen korrigiert, kombiniert aber mit Kurzarbeit. Dank gutem Geschäftsgang fiel der Abbau weniger hart aus. Mit den Übernahmegesprächen der Alstom durch General Electric zogen im Mai 2004 wieder dunkle Wolken auf.