Kirchdorf/Obersiggenthal

«Hirschen» ist wieder zurück in Schneiders Händen

Das Gasthaus zum Hirschen wird ab April von der angestammten Familie Schneider weitergeführt.  tab

Das Gasthaus zum Hirschen wird ab April von der angestammten Familie Schneider weitergeführt. tab

Zwei Jahre war der Gastof in Kirchdorf in fremder Hand. Nun kehrt die angestammte Familie Schneider zurück und öffnet Ende April die Türen wieder.

Wer in diesen Tagen in den Landgasthof zum Hirschen in Kirchdorf (Obersiggenthal) kommt, findet ein Gasthaus im Winterschlaf: Wenige Lichter brennen, der Bierhahn liegt trocken, nur die Hotelgäste gehen ein und aus. Doch die Auszeit geht zu Ende: «Wir sind dabei, den Betrieb zu reorganisieren und sanfte Renovationsarbeiten vorzunehmen», teilt die Familie Schneider mit – jene Familie, welche in der 6.Generation den Gasthof führt. Während zweier Jahre war der Gasthof in fremder Hand: Am letzten Freitag konnten die Schneiders den «Hirschen» zurückkaufen. Ende April öffnen sie die Türen des Wirtshauses wieder.

«Ein Treffpunkt für die Menschen»

Im ganzen Siggenthal kennt man die Beiz, die Geschichte des «Hirschen» reicht bis ins 17.Jahrhundert zurück. Die angestammte Familie Schneider sitzt in der Gaststube um den runden Tisch. Mit dabei sind die Schneiders senior, Leni und Paul, die den Landgasthof viele Jahre lang geführt haben. Der «Hirschen» soll wieder so werden, wie die Familie ihn vor etwas mehr als zwei Jahren verlassen hat: eine währschafte, gastfreundliche Wirtschaft mit gutem, einfachem Essen, ein Treffpunkt für die Menschen aus der Umgebung.

«Hirschen» unter fremder Führung

Noch vor ein paar Jahren führte Paul Schneider junior den Betrieb – mit Erfolg. Er richtete sogar ein Hotel mit 15 Zimmern und zwei Wohnungen ein. Ende 2007 verunglückte er tödlich bei einem Skiunfall. Seine Familie musste sich von einem Tag auf den anderen neu organisieren. Die Schwester des Verunglückten, Alexa Schneider, übernahm die Geschäftsleitung. Wegen der erblichen Situation der Familie ging nach neun Monaten aber ein Wechsel in der Führung des Gasthofs vonstatten. «Larissa, die Tochter meines Bruders, erbte das Gasthaus, das Hotel und die Zehntenscheune», berichtet Alexa Schneider. Larissa war damals 16Jahre alt. Seither war die angestammte Familie nicht mehr in den Gastbetrieb involviert gewesen. Die Mutter der minderjährigen Erbin führte den «Hirschen» weiter.

Nostalgie und Zukunftspläne

Wenn die Schneiders von der Geschichte des «Hirschen» berichten, wird klar: Der Gasthof bedeutet ihnen mehr als nur Kommerz. Er ist für sie eine Familientradition mit langer Vergangenheit. Bereits ihre Vorfahren hatten all ihr Herzblut in die Wirtschaft gesteckt. «Der ‹Hirschen› ist zu einer Institution und zu einer Begegnungsstätte geworden», berichtet die Familie. Vereine hätten sich hier getroffen, es gab Parteiversammlungen und Familienfeste. Draussen auf dem Dorfplatz wurden Tische und Stühle aufgestellt, Leben regte sich in Kirchdorf.

Die Freude der angestammten Familie Schneider ist gross, dass es geklappt hat, den «Hirschen» zurückzukaufen. «Zusammen mit Larissa haben wir eine einvernehmliche Lösung gefunden», teilen sie mit. Alexa Schneider wird die Geschäftsleitung übernehmen, das angestammte Personal kehrt teilweise zurück.

Frühlingserwachen für «Hirschen»

Bald wird es Frühling, dann wird das Wirtshaus aus dem Winterschlaf erwachen. «Am erstmöglichen Termin geht der ‹Hirschen› wieder auf», teilt die Familie mit. Auf dem Dorfplatz soll bald wieder Leben einkehren. «Wir wollen diese alte Tradition im Dorf wieder aufleben lassen», sagt Alexa Schneider. Die Reaktionen aus der Bevölkerung seien positiv: Der «Hirschen» kann weiterhin ein Begegnungsort für die Menschen aus dem Dorf sein. Am Freitag, dem 29.April, werden die Tore des «Hirschen» geöffnet. Das Hotel bleibt durchgehend offen, die Erreichbarkeit per Telefon und Mail sind gewährleistet. Die Familie freut sich auf die lang ersehnte Wiedereröffnung unter ihrer Hand: «An diesem Freitag wird es ein Antrinken geben.»

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