Wie sah Birmenstorf im 5. Jahrhundert aus? Wer waren hier die Grundherren? Lebten im Frühmittelalter überhaupt Menschen hier oder war das Gebiet von Wald bedeckt? Der Historiker Sebastian Grüninger wird diesen Fragen am kommenden Dienstag nachgehen. Der Birmenstorfer Gemeinderat und der Kulturkreis laden zum dritten «Dorfgeschichtlichen Abend» im laufenden Zyklus historischer Referate ein.

Grüninger hat seine Dissertation über das Frühmittelalter in Churrätien geschrieben. Er ist Gymnasiallehrer an der Alten Kantonsschule Aarau und Co-Präsident der Historischen Gesellschaft des Kantons Aargau. Er beschäftige sich immer wieder mit dem Frühmittelalter und wollte schon länger der Frage nachgehen, wie die Situation zu dieser Zeit im Aargau ausgesehen hat, wie er sagt: «Birmenstorf ist typisch für das Frühmittelalter. Es gibt Funde aus der Römerzeit und aus der Karolingerzeit. Von der Zeit dazwischen wissen wir praktisch nichts.»

Das letzte Zeugnis aus der Römerzeit ist eine spätantike Feuerstelle vom Ende des 3. Jahrhunderts. Dann gibt es wieder Funde aus der Karolingerzeit. In nächster Nähe zum römischen Gutshof an der Bollstrasse hat man nämlich ein Grubenhaus mit Scherben aus dem 8./9. Jahrhundert gefunden. Schriftliche Quellen gibt es aber aus der Zwischenzeit keine. Die Frage ist deshalb, ob Birmenstorf überhaupt durchgehend besiedelt war und in welche politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zusammenhänge sich die Siedlungsspuren stellen lasse.

Die «Dorfgeschichtlichen Abende» hat Max Rudolf, der Verfasser der ersten Birmenstorfer Ortsgeschichte, vor rund dreissig Jahren ins Leben gerufen. Er wollte damals eine breite Bevölkerung mit lokalhistorischen Themen ansprechen. Das ist ihm gelungen, die Abende haben sich zu einer festen Birmenstorfer Tradition entwickelt. 2015 hat Max Rudolf die Organisation an Stefan Michel und Patrick Zehnder übergeben. Im Februar gibt es in der Regel jeweils ein Referat, im August dann einen dorfgeschichtlichen Abendspaziergang.

Der neue Zyklus mit Referaten – der über Birmenstorf hinaus auch die Region im Blick hat – begann 2017 mit einem Referat über die hiesige Ur- und Frühgeschichte, dann folgte ein Vortrag des Archäologen Stephan Wyss zur Römerzeit. Weitere Referate sollen schliesslich in die habsburgische und die eidgenössische Zeit führen.