Für manche der über 130-jährigen Buchen im Kurpark war der heisse und trockene Sommer eine Herausforderung zu viel. Nachdem es im August zu Astabbrüchen gekommen und eine Hängebuche über Nacht umgefallen war, muss nun eine Rotbuche gefällt werden. Nach den Vorfällen im Sommer hatte der Werkhof im Kurpark sowie in den Schulanlagen Tannegg und Burghalde Absperrungen um die Risiko-Bäume aufgestellt.

Aufräumarbeiten im Badener Kurpark.

Im heissen August: Aufräumarbeiten nach Astabbrüchen im Badener Kurpark.

Inzwischen hat das Team vom Grünanlagenunterhalt der Stadt zusammen mit der Baumpflegefirma Tilia AG die Buchen in der ganzen Stadt nochmals kontrolliert. «Die Buche, die wir fällen lassen, wurde bei Bauarbeiten in der Vergangenheit an den Wurzeln beschädigt», sagt der Teamleiter des Grünanlagenunterhalts, Robert Gartner. Dadurch könne sich der Baum nicht ausreichend mit Wasser und Nährstoffen versorgen. «Der trockene und heisse Sommer war nun eindeutig zu viel.»

Zum Beweis zeigt Gartner aus einiger Entfernung auf die Baumkrone und die kahlen Astspitzen. Der Baum stellt ein Risiko dar und wird deshalb morgen Vormittag mit einem Kranwagen gefällt. Weil die Äste des Baumes über das Glasdach des Kurtheaters ragen, müssen sie separat abgeschnitten und an einem Seil zu Boden gelassen werden.

Risiko-Bäume werden kontrolliert

Die übrigen Bäume im Kurpark, insbesondere die Buchen, sind längst von den rot-weissen Absperrbändern befreit worden. Sie stellen zwar keine unmittelbare Gefahr mehr dar. Dennoch sei es für die alten Bäume kaum möglich, sich solchen heissen und trockenen Sommern anzupassen, erklärt Gartner. Deshalb werden diese Risiko-Buchen häufiger kontrolliert als beispielsweise Kastanienbäume oder Linden, die mit dem Wetter problemlos mithalten können.

Obwohl der Wassermangel, der durch die Hitze noch bekräftigt wurde, mitverantwortlich ist für die Astabbrüche und das Absterben einzelner Bäume, kann das Problem nicht mit einer Bewässerung gelöst werden. Gartner rechnet vor: «Pro Quadratmeter bräuchten wir täglich 20 Liter Wasser. Für eine Fläche wie den Kurpark mit rund 5000 Quadratmetern heisst das 100 000 Liter Wasser pro Tag.»

Die Prognosen für den Winter sind durchzogen. Weil die Äste ihr Laub verlieren und leichter werden, brechen sie weniger. «Aber seit dem Sommer hat es keine ausgiebigen Regenfälle gegeben und wir hoffen, dass diese noch kommen werden», sagt Gartner. Damit die Buchen ausreichend Wasser für den Winter haben, müsste es einige Tage regnen, sodass die Erde mehrere Meter tief durchtränkt ist.

Einheimische haben Priorität

Obwohl gerade Buchen mit dem Wetter zu kämpfen hatten, sollen an den Standorten der beiden Bäume wieder Buchen gesetzt werden. Dafür gibt es zwei Gründe: «Die Jungbäume werden sich den heissen und trockenen Sommern viel besser anpassen als ihre über 100-jährigen Artgenossen», erklärt Gartner. Denn ihre Wurzeln würden tiefer in die Erde wachsen und die Äste weniger mächtig und ausladend ausfallen.

Der zweite Grund liegt in der ökologischen Verantwortung, die man bei der Bewirtschaftung der städtischen Grünanlagen habe. «Einheimische Baumarten wie die Buche haben Priorität, weil sie der Lebensraum von zahlreichen Insekten und Vögeln sind», sagt Gartner. Man sei zu dem bemüht, für einheimische Baumarten gute Rahmenbedingungen zu schaffen. «Sicher werden wir aber früher oder später über alternative Baumarten nachdenken müssen, wenn sich die klimatischen Bedingungen weiter verändern», gibt Gartner zu bedenken. Dies werde in den kommenden 20 Jahren aber sicher noch kein Thema sein.