Niederrohrdorf
Hochbegabter Trompeter steht vor Durchbruch - mit 10 Jahren

Der 10-jährige Ganvai Friedrich gibt sein Konzertdebüt am Flügelhorn im Justizpalast in Wien. Schon im Alter von 3,5 Jahren begann er mit dem Trompetenspiel.

Ursula Burgherr (Text und Foto)
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Mit 3,5 Jahren begann Ganvai Friedrich mit dem Trompetenspiel.

Mit 3,5 Jahren begann Ganvai Friedrich mit dem Trompetenspiel.

Etwas schüchtern linst Ganvai hinter seiner Brille hervor. Er trägt einen Sweater mit zwei Eisbären, die er Lars und Knut getauft hat. Sehr gesprächig ist er mit Fremden nicht und poliert verlegen sein Flügelhorn. Dann fängt er zu spielen an; so schön, leicht und virtuos, wie man es einem gerade mal 10-Jährigen kaum zutrauen würde. Der Viertklässler aus Niederrohrdorf gilt musikalisch als hochbegabt und wird von der Stiftung Lyra unterstützt. Dank ihr kann er am 13. November 2015 im Justizpalast in Wien sein Konzertdebüt als Solist geben. Zusammen mit dem Franz Schmidt Kammerorchester spielt er die Variationen in F-Dur für Flügelhorn vom Mozartschüler Friedrich Dionys Weber – ein schwieriges Stück, das sonst nur in Profirepertoires steht.

Ganvai fing mit 3,5 Jahren an, Trompete zu spielen. Inspiriert dazu wurde er nicht etwa von seinen Eltern, die beide Kirchenmusiker sind, sondern von einer Episode aus dem Trickfilm Benjamin Blümchen. «Die ersten Töne brachte ich erst nach einem halben Jahr heraus», erinnert er sich und gesteht, dass es ihm anfänglich oft wahnsinnig gestunken hat. Mit 4 bekam er zu Weihnachten eine rote Trompete geschenkt. Unter Leistungsdruck hätte sie keines der drei Kinder gesetzt, erörtert die Mutter Verena Friedrich: «Wir lassen unserem Nachwuchs freie Hand», betont sie. Dass zu Hause ständig musiziert wird, hat nicht nur Ganvai, sondern auch seine Schwestern geprägt. Salvea ist überaus talentiert an der Flöte und spielt Cello, Remea gilt an der Bratsche und Geige ebenfalls als hochbegabt. «Unsere Kinder begannen sehr früh, ein Instrument zu spielen, und wurden immer gut angeleitet», erzählt die dreifache Mutter und fügt hinzu: «Hochbegabung ist in einem lernförderlichen Umfeld die Summe von 10 Prozent Talent und 90 Prozent Übung.»

Traum von New York

Wenn Ganvai in Wien die Nerven behält und gut spielt, könnte das Konzert ein Meilenstein in seiner jungen Karriere sein. Die Chancen stehen günstig: «Lampenfieber kenne ich kaum», meint Ganvai. Das Flügelhorn (mit der Trompete vergleichbar), welches er heute spielt, ist eines der besten. Er konnte es dank der Stiftung Lyra erwerben. Zahlreiche Auftritte und Wettbewerbe in der ganzen Schweiz und im Ausland hat er hinter sich, weitere stehen bevor. 13 Pokale und Medaillen für erste Plätze hortet er bereits in seinem Zimmer. Er übt täglich 1,5 bis 2 Stunden und wird dreimal die Woche von Matthias Merki an der Musikschule Region Baden und von Lukas Merki an der Kantonsschule Wettingen unterrichtet. Bleibt da überhaupt noch Platz für ein anderes Hobby? «Ja, ich mache Karate, bin viel draussen und spiele gern mit Lego», verrät er und ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Ob er Berufsmusiker werden will, weiss er noch nicht. Aber einen Traum will er sich bis zu seinem 20. Lebensjahr unbedingt erfüllen: «Einmal als Solist auf der Bühne der Carnegie Hall in New York stehen.»

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