Als «fröhlich, unbeschwert und vergnüglich» wurde ihr Spiel schon beschrieben, dem Alexandra Dariescu zusätzlich eine knisternde Energie verleihen würde. Sie schaffte es auch am Freitagabend, das Badener Publikum mit ihrem präzisen und doch kraftvollen Spiel in ihren Bann zu ziehen. Und das in einer «verkürzten» Version während knapp zwei Stunden – obwohl sie dafür ihr Programm sogar noch auf eine «allgemeinverträgliche» Länge schrumpfen musste.

Mit den Abegg-Variationen von «Spätzünder» Robert Schumann begann sie den Abend. Dariescu sprach die Zuhörer nicht nur auf auditiver, sondern auch auf visueller Ebene an: Ihr Spiel, technisch stark, energisch und gleichzeitig grazil, reicherte sie mit theatralischen Elementen an.

Alexandra Dariescu plays Chopin

Alexandra Dariescu spielt Chopin.

Weinächtlicher Nussknacker

Man höre «die Melancholie, das Fragende, das Verlangende» regelrecht aus den neun Präludien aus dem 1. Opus des damals blutjungen Karol Szymanowski, so Dariescu, die die ausgewählten Werke vor dem Spielen jeweils noch kurz kommentierte. Etwas übermütiger gestaltete sich der nächste Programmpunkt: So kurz vor Weihnachten durfte Tschaikowskis «Nussknacker» nicht fehlen.

Die Klavier-Bearbeitung des berühmten Balletts, in der das Spielzeug zum Leben erwacht und Wunder passieren lässt, interpretierte Dariescu mit expressiver Poesie.

Seine 24 Präludien komponierte Schostakovitsch als Tribut an Bachs wohltemperiertes Klavier. Seine Musik gilt als deskriptiv – mit jedem Präludium zeichnet der Russe, der oft selbst als Pianist Stummfilme begleitet hat, ein anderes Bild. Als «aussergewöhnlich» beschrieb Dariescu seinen Sarkasmus, seine Ironie und seinen Humor. «Weniger lustig war es jedoch, die alle auswendig zu lernen», kommentierte die Pianistin trocken.

Ode an den Gott des Weines

Die beiden Präludien des Franzosen Henri Dutilleux ganz ohne Noten zu spielen, wagte Dariescu dann aber doch nicht. Der Komponist reizte für seine Kompositionen die ganze Resonanz des Pianos aus und nutzt die Vibrationen, um so seine von Debussy, Ravel, aber auch Bartók beeinflusste Musik zu erschaffen.

Lange nicht genug hatte das Publikum auch nach dem Scherzo Nr. 2 in b-Moll von Frédéric Chopin, somit resümierte die Zugabe, ein dem griechischen Gott Bacchus «gewidmetes» Opus eines rumänischen Komponisten, noch einmal die pianistischen Fähigkeiten der jungen Musikerin.