Baden
Hochseilakt zwischen den Schlössern gescheitert

«Begegnung in Balance»: Stella Palino und Freddy Nock wollten der Stadt Baden ein Jahrhundertereignis bieten – daraus wird nichts werden. Damit platzt für die beiden Hochseilkünstler nun ein lang ersehnter Traum.

Erna Lang-Jonsdottir
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Lieben das Extreme: Stella Palino (vorne) und Freddy Nock.

Lieben das Extreme: Stella Palino (vorne) und Freddy Nock.

Annika Buetschi

Eine Begegnung zwischen zwei Menschen, losgelöst vom Boden auf einem 760 Meter langen Nylonseil zwischen der Schlossruine Stein und dem Schloss Schartenfels – ein lang ersehnter Traum der Badener Künstlerin Stella Palino. Ein Traum in Form eines Hochseilakts mit Stella und dem Extrem Artisten Freddy Nock, der den Stadtfestbesuchern den Atem hätte rauben sollen.

Nun hat Stella ausgeträumt: Es wird sie am Stadtfest nicht geben – die «Begegnung in Balance», den «szenischen Hochseilakt für eine Welt ohne Gewalt». «Kein Geld und kein Interesse beim Stadtfest-Komitee» sind laut Stella die Gründe für das Scheitern: «Unsere Idee bewegte das Komitee in etwa so, als würden wir für einen Würstlistand werben.»

80000 Franken zu wenig

120000 Franken hätte das ausgefallene Projekt «Begegnung in Balance» kosten sollen. Stella und Nock wollten sich am Stadtfest auf einem Seil in 150 Meter Höhe zwischen der Schlossruine Stein und dem Schloss Schartenfels kreuzen. «Ein Hochseilakt besteht nicht nur darin, ein Seil zu spannen», sagt Nock, der ungesichert über das Seil «getanzt» wäre. Das Material und die Bohrungen in den Berg seien kostspielig, gibt er zu bedenken. Stella: «Letztlich brachte ich 40000 Franken zusammen.»

Das Stadtfest-Komitee habe zwar einen Batzen dazu gesteuert. «Leider habe ich es aber nicht geschafft, Feuer beim OK zu entfachen», bedauert sie. Das Komitee habe kein Engagement gezeigt, bei der Suche nach weiteren Sponsoren zu helfen. «Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam Geldgeber gefunden hätten», fügt sie hinzu. Nock: «Dem Komitee ist ein Jahrhundertereignis entgangen.»

OK wollte Lead nicht übernehmen

Komitee-Copräsident Marc Périllard bedauert die Vorwürfe: «Wir waren Feuer und Flamme für dieses Projekt. Es wäre ein einmaliges Ereignis für Baden gewesen.» Das Komitee habe Bereitschaft gezeigt: «Wir haben einen finanziellen Beitrag gesprochen und versprochen, uns um die Bewilligungen zu kümmern.»

Den Lead für ein so grosses Einzelprojekt habe das Komitee aufgrund der personellen Ressourcen nicht übernehmen können. «Es war abgemacht, dass Stella Palino selber Sponsoren für ihr Projekt sucht.» Er bedaure es, dass der Akt nicht stattfinde. Über ein solches Spektakel zu einem späteren Zeitpunkt würde er sich freuen.

Genau das haben Stella und Nock vor. «Wir wollen unser Projekt in Eingenregie auf die Beine stellen. Vielleicht verbunden mit dem nächstjährigen Sommertheater», sagt Stella. Es gehe ihr dabei nicht nur um die Sensation, sondern um die Botschaft, die der Akt symbolisieren soll. «Ich kämpfe für eine Welt, in der sich Menschen gegenseitig akzeptieren und ohne Aggression begegnen.» Wo könne man dies besser präsentieren, als auf einem Seil, «auf dem sich zwei Menschen auf engstem Weg kreuzen».