Die Papeterie Höchli AG ist seit über 100 Jahren das grösste Fachgeschäft in der Region und auch im Kanton, schweizweit unter den Top Ten. Doch Robert Sailer, seit 1997 Alleininhaber und Geschäftsführer, sieht der Realität ins Auge: «Die Einkaufsgewohnheiten haben sich geändert, unsere Margen sind bescheiden. Der Umsatz ist auf 2,4 Millionen Franken gesunken, vier bräuchten wir, um die Qualität wahren zu können.» Sailer ist keineswegs verbittert. Und auch arbeitsmüde ist er nicht, obschon er bereits das Pensionsalter erreicht hat.

Das Fachgeschäft wird verdrängt

Wer ein spezielles Papier, bunten Karton oder einen schönen Füller braucht, ist bei der Papeterie Höchli bestens aufgehoben. Doch die Zeiten haben sich geändert: Füller werden zwar nach wie vor gekauft, Schreibblock, Kugelschreiber etc. holt man sich im Warenhaus. Der Versandhandel übers Internet floriert. KMU, die über Jahre hinweg treue Kunden gewesen seien, würden ihr Büromaterial heute über Grossverteiler beziehen. Ein Papeterie-Fachgeschäft habe es darum schwer. Sailer hat Verständnis dafür, dass man heute vielfach zuerst auf die Kosten schaut und erst dann auf Qualität und Beratung.

Gerade deshalb geht die Papeterie Höchli nicht ganz verloren, sondern zieht sich lediglich ins Langhaus zurück, in die Filiale Flamingo, wo seit 10 Jahren Glückwunschkarten und Geschenke verkauft werden. Ab November wird dort in den neu gestalteten Verkaufsräumen ein gepflegtes Schreibwarenfachgeschäft eröffnet, wo es neben Schreibgeräten, Artoz-Papier, Lederwaren auch ausgewählte Geschenkartikel geben wird.

Auch glanzvolle Zeiten erlebt

«Wir haben vieles versucht und glanzvolle Zeiten gehabt», erzählt Sailer. 1897 gründete Xaver Höchli die Papeterie. Da er mit Sophie Frey verheiratet war, hiess sie lange Zeit Höchli-Frey. 1934 übernahmen die Söhne Edgar und Walter, 1967 kommt mit Raymond Höchli die dritte Generation. 1974 gründet er mit dem neuen Partner Robert Sailer die Höchli AG. 1980 wird das Geschäftshaus neu aufgebaut.
«Vor 20 Jahren haben wir noch auf Expansion und neue Läden gesetzt», erzählt Sailer. Man hätte ebenso in den Versandhandel einstiegen können.

1986 übernimmt die Höchli AG die Tivoli-Papeterie, 1995 die Shoppi-Papeterie, 2000 die Papeterie Hartmann-Keller in Wettingen. Ein Jahr später eröffnete er die Filiale Flamingo im Langhaus. Im Jahr 2002 wird das Geschäft im Shoppi aufgelöst, 2008 schliessen die Filialen Tivoli und Wettingen. Per Ende 2011 erfolgt nun auch der Rückzug aus der Badstrasse.

Ein Investor aus Leidenschaft

Dieser hat aber noch einen weiteren Grund. Raymond Höchli, Mitbesitzer der Liegenschaft und seit Jahren in Spanien wohnhaft, wollte die Liegenschaft Badstrasse 21 verkaufen. Für einen zeitgemässen Umbau müsste man so viel investieren, wie er bei den heutigen Umsatzzahlen nicht bezahlen könnte, erklärt Sailer.

Die Liegenschaft ist nun in die Hände von Dölf Köpfli gelangt. «Das ist gut so», sagt Sailer, denn Köpfli ist nicht nur Unternehmer, sondern auch ein Liebhaber der Badstrasse. Zusammen mit Architekt Emanuel Schoop - der bereits beim Schuhhaus Ochsen tätig ist - hat man ein sorgfältig eingepasstes Bauprojekt eingereicht, welches das Stadtbild aufwerten wird.

Ausbau von Wohngeschossen

Der 59-jährige Dölf A. Köpfli ist in der Region kein Unbekannter. Er baute das Druckerei-Unternehmen Köpfli & Partner, Neuenhof, auf. Die Firma hat er inzwischen übergeben. In den vergangenen Jahren entwickelte er Aktivitäten in verschiedenen Geschäftsbereichen. Vor allem der Immobilienbereich hat es ihm in den vergangenen Jahren angetan. So sei bei ihm eine besondere Leidenschaft dafür entstanden, in Liegenschaften zu investieren und qualitätsvolle Projekte anzustossen.

Geplant ist ein Um- und Ausbau mit drei Laden-, einem Büro- und zwei Wohngeschossen. Geschäftsanfragen würden schon einige vorliegen, sagt Köpfli - was aufgrund der Toplage nicht verwunderlich ist. Zum Haus Badstrasse 21 hat Dölf Köpfli eine besondere Beziehung: Er wohnte dort mit seiner damals jungen Familie, bevor er nach Ennetbaden zog.

Und er verspricht: «Es wird kein Kleidergeschäft einer Ladenkette einziehen.» Die Badener Bevölkerung nimmt ihn gerne beim Wort.