Vor dem Restaurant Hörnli im Badener Bäderquartier stapeln sich Holzplatten. Die Tür ist weit offen und bietet Blick auf die Handwerker, die im Innern bohren, hämmern und Putz abtragen. Seit Anfang August wird das spanische Restaurant umgebaut. Mittendrin: Inhaber und Wirt Antonio Vasquez. Er kontrolliert, dass die Arbeiten wie geplant vorankommen. Der Zeitplan drängt: Am 1. Oktober wird sich das «Hörnli» am Blumengässchen in einem neuen Gewand zeigen und wieder Gäste bedienen – jedoch ohne Vasquez. Der 58-Jährige legt seine Wirtetätigkeit nieder. Mit dem Rücktritt zieht sich eine Institution der Badener Gastroszene zurück.

«Die Zeit ist gekommen, das Restaurant in neue Hände zu geben», sagt Vasquez, während er eine Zigarette raucht. In seiner Stimme schwingt Wehmut mit. «Mit dem ‹Hörnli› habe ich mir meinen Traum eines eigenen Restaurants erfüllen können. Die vergangenen 25 Jahre waren die besten meines Lebens.» In dieser Zeit habe er eine wunderbare Beziehung aufbauen können, zum Personal, zu den Gästen, zu den Nachbarn. Vasquez schloss eine Freundschaft nach der anderen – und die Bäderstadt in sein Herz. «Zwar beschäftigte mich das Restaurant in all den Jahren fast rund um die Uhr, dennoch bereitete mir die Arbeit jeweils stets viel Freude», sagt er.

«Das ist die Gelegenheit»

Die Entscheidung, sich als Wirt zurückzuziehen, ist nach dem Tod seines Vaters 2016 gereift. «Seit zwei Jahren pendle ich regelmässig zwischen Baden und La Coruña», sagt Vasquez. In der spanischen Hafenstadt besass sein Vater verschiedene Immobilien und eine Cafeteria. «Es gibt einiges an administrativen Angelegenheiten zu klären. Deshalb kann ich mich nicht mehr um das ‹Hörnli› kümmern.» Als Vasquez dann den Spanier José Fraile kennen lernte, der auf der Suche nach einem Restaurant war, wusste er: «Das ist die Gelegenheit. Ihm kann ich das ‹Hörnli› anvertrauen.» Das Restaurant werde weiterhin eine «super spanische Küche anbieten», ist Vasquez überzeugt. Er selber wird sich in Zukunft nur noch um die elf Hotelzimmer kümmern, die zum Restaurant gehören.

1993 stieg Antonio Vasquez mit seiner damaligen Frau Irma als Pächter beim «Hörnli» ein. 1997 erwarb er das Restaurant. In all dieser Zeit hat er vieles erlebt, Höhen, aber auch Tiefen. «In den 1990er-Jahren lief das Restaurant wie verrückt», erinnert sich Vasquez. Die Gäste, vor allem Kur- und Hotelgäste, kamen aus aller Welt. Von den spanischen Spezialitäten im rustikalen Ambiente liessen sich aber auch prominente Vertreter aus Politik, Sport und Wirtschaft begeistern. Doch 2002 schloss das Hotel Verenahof, 2012 das längst sanierungsbedürftige Thermalbad, das Bäderquartier verlor immer mehr an Attraktivität. Damit schlief auch der Betrieb im «Hörnli» ein. «Das waren schwierige Zeiten», sagt Vasquez. Um dem Gästeschwund entgegenzuwirken, baute er die Räume über dem Restaurant in Hotelzimmer um.

An die Blütezeit knüpfen

«Ich bin überzeugt, dass das Quartier mit der Eröffnung des neuen Thermalbads an seine Blütezeiten knüpfen kann – und damit auch das ‹Hörnli›», sagt Antonio Vasquez, der seit 2004 den Schweizer Pass besitzt. Doch wenn er selbst an den baldigen Aufschwung glaubt, weshalb zieht er sich nun zurück? Er hält kurz inne und sagt: «Es fällt mir nicht einfach, das ‹Hörnli› abzugeben.» Aber jetzt freue er sich auf seine Freizeit. «In den vergangenen 25 Jahren kam ich kaum dazu, etwas für mich und meine Familie zu unternehmen. Nun habe ich endlich die Gelegenheit dazu.» Einen konkreten Plan für danach habe er noch nicht, erst einmal will er das Nichtstun geniessen.

Sollte er trotz alledem Sehnsucht nach dem «Hörnli» haben, muss er nur die Treppe hinuntersteigen: Gemeinsam mit seiner zweiten Frau Ari, die er 2016 geheiratet hat, lebt er in einer Wohnung oberhalb des Restaurants.