Beim Filmeschauen achten wohl die wenigsten bewusst auf die Musik, die oft nur im Hintergrund läuft. Dabei ist sie ein absolut zentrales Element: Sie erzeugt oder vertieft Emotionen und verleiht der Handlung die nötige Spannung. Vielfach kommt dabei geistiger Chorgesang zum Einsatz – für den traditionellen Badener Kammerchor Akusma eine Gelegenheit, eine neue Sichtweise auf solche Musik zu setzen. Gemeinsam mit dem Basler Musikensemble Eskeniangeli zeigte er in der Sebastianskapelle in Baden eine Auswahl von regelrechten Perlen der sakralen Filmmusik der letzten 30 Jahre.

Den Start machten die Sänger noch eher sanft und gemächlich mit dem nachdenklichen Lied «River» von Ennio Morricone, einem der grössten Filmmusik-Komponisten der Geschichte, der schon Musik für mehr als 500 Filme geschrieben hat. In seiner ganzen Fülle kam der Chorgesang beim nächsten Stück «Kyrie» zur Geltung. Danach zeigten die männlichen Bassstimmen von «Akusma» mit dem Lied «Koyaanisqatsi», was sie drauf haben. Der Song stammt aus dem gleichnamigen Experimentalfilm, der sich kritisch mit der menschlichen Zivilisation und dem Eingriff in die Natur beschäftigt.

Erst nach langem, dominierenden Bassgesang setzte Schritt für Schritt der Tenor ein und später dann die höheren Stimmlagen des Chors. «Koyaanisqatsi» passte mit seiner zeremoniellen, leicht obskuren Stimmung super in den sakralen Raum der Sebastianskapelle mit den alten, kirchlichen Gemälden. Von der Dominanz der Basstöne ging es dann ins andere Extreme der Tonlagen über: Solo-Sopranistin Ursula Sauvin zeigte beim Lied «Lacrimosa», wie sie höchsten Töne zu erreichen vermag.

Bei «Lux Aeterna» vom Film «Requiem for a Dream» dann begann die Darbietung vorwiegend instrumental mit einem erst langsam einsetzenden Chor, der fortan immer lauter wurde und das Stück auf seinem Lautstärkehöhepunkt beendete. Die Sängerinnen und Sänger von «Akusma» zeigten bei ihrem Auftritt ihr ganzes Können. Beim Lied «Da Pacem» beispielsweise wechselten sie munter ab zwischen hohen und tiefen Tönen. Danach legten sie eine kurze Pause ein, in der Chor-Dirigent David Haladjian mit dem Musikensemble ein paar der Instrumental-Stücke vorführte, die er für einen armenischen Film geschrieben hat. Beim Lied «In The Sky» verliess es gar seinen Dirigentenposten und setzte sich an den Flügel.

Erlös für Kinder in Armenien

Mit dem Lied «Passion and Resurrection» vom Film «The Passion of the Christ» meldete sich der Chor zurück. Beim Hören des Stücks wähnte man sich wie in einer Wüste, in der die Sopran-Solistin mit ihren hohen Tönen das Gefühl vermittelte, als würde sie allein im nirgendwo nach Rettung rufen. Dem Kammerchor Akusma gelang es, Emotionen zu erzeugen und mit der Musik Geschichten zu erzählen. Als Zuhörer konnte man sich regelrecht mitreissen lassen und auf den melodischen Erzählungen davongleiten.

Der Erlös der Konzerte in der Sebastianskapelle und im Kloster Wettingen kam einem Schulprojekt in Armenien zugute, dem Heimatland von David Haladjian, der den Chor seit 2013 leitet. 1970 von Albert Kuster in Ennetbaden gegründet, feiert der Kammerchor Akusma kommendes Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Jährlich finden ein bis zwei Aufführungen statt, bei denen immer ein hohes musikalisches Niveau angestrebt wird. Die Chorproben finden jeweils dienstags in Baden statt. 27 Sängerinnen und Sängern aus der Region singen derzeit dort mit. Der Chor sucht aber weitere, neue Mitglieder.