Claque. Man spreche den Namen langsam aus, koste ihn wie eine Praline auf der Zunge, auf dass man merke: Holla, hier vereint sich Bittersüsses mit Pfeffer und Gewürzen.

Pikant das Ganze und eines ganz bestimmt: unverwechselbar. Wer ab 1971 in Baden die Kronengasse 10 ansteuerte und dort die steile Treppe zum Kornhaus-Keller hinunterstieg, wusste: Was hier gespielt wird, regt nicht nur an, sondern vielfach geradezu gefährlich auf. So sehr, dass «die claque» – so der offizielle Name – bald nicht nur in der Bäderstadt, sondern im ganzen Kanton Aargau und in der Schweiz Gesprächsstoff lieferte.

Stammtisch soll Austausch fördern

Was machte dieses freie Theater so besonders? Diese Frage stellen sich am Freitag im Claquekeller Baden Ensemblemitglieder der Gründerjahre, Theaterbesucher «und hoffentlich auch junge Theatermacher, die mehr über die damalige Zeit erfahren wollen», wie Jean Grädel, der erste Leiter der «claque» betont.

Als ob er die Frage seines Gegenübers geahnt hätte, setzt der Mann, der viele Theater geleitet hat und nach wie vor inszeniert, hinzu: «Wir werden uns nicht am originalen Ort treffen. Das liegt daran, dass wir für diesen, von der Pro Argovia initiierten Abend, keine Theaterbestuhlung wie im Kornhaus-Keller wollen, sondern einen Stammtisch, an dem alle gleichberechtigt sitzen und sich austauschen können.»

Theater ohne Vorschriften

Gleichberechtigung gibt das Stichwort für das, was «die claque» damals sein wollte: ein selbstbestimmtes Theater für eine Stadt und eine Region. In Baden gab es damals das Kurtheater und die Badener Maske. Zwar wurde im Kornhaustheater an der Kronengasse schon Theater gespielt; zwar wirkte Reinhard Lang von 1968 bis 1971 als Leiter im «Nebenamt», doch erst ab der Saison 1971/72 gab es einen hauptamtlichen künstlerischen Leiter: Jean Grädel.

Dieser war damals 28 Jahre alt; hatte bis anhin am Theater am Neumarkt in Zürich gearbeitet und verstand das Angebot aus Baden «als Chance, ein selbstbestimmendes Ensemble zu entwickeln.»

Das heisst? «Es gab Vollversammlungen; jeder konnte sich zu allen Fragen äussern; wir bestimmten alles selbst. Es gab keine Vorschriften; wir konnten in voller Freiheit aus dem Vollen schöpfen; der Vorstand hielt uns die Stange.»

«Was waren unsere damaligen Ziele?», fragt sich Jean Grädel nach einer Pause gleich selbst und antwortet so: «Wir wollten Stücke zeigen, die politisch und gesellschaftlich relevant waren. Diese wollten wir unterhaltend und eingreifend, aber niemals belehrend erzählen.»

Mit zwölf, im ersten Jahr zu Minilöhnen von 400 bis 800 Franken, fest engagierten Personen; 48 000 Franken Subvention sowie der Schweizer Erstaufführung von Rainer Werner Fassbinders «Das Kaffeehaus» startete «die claque» fulminant in ihre erste Saison – und veränderte von da an die Aargauer Theaterlandschaft.

Heute steht diese in voller Blüte. Doch ihre Wurzeln sollen nicht vergessen werden. Deshalb der Stammtisch im Claquekeller. Reine Nostalgie? «Überhaupt nicht», winkt Jean Grädel ab, «Theater findet immer jetzt statt. Aber es ist gut, wenn man über die Vergangenheit Bescheid weiss.»

Von wegen Theater Eine Hommage an «die claque» Freitag, 27. März, 20 Uhr, Claquekeller Baden an der Kronengasse 4