Baden
Hotel-Betreiber: «Seit 40 Jahren wird im Bäderquartier herumgeredet»

Seit 40 Jahren führt die Familie Erne das Bäderhotel Blume in Baden und glaubt an die Zukunft im Bäderquartier – trotz der schwierigen derzeitigen Situation. Heute kommen statt Kurgäste aber eher Touristen und Businessleute ins historische Hotel.

Ursula Burgherr
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Die Familie Erne im Hotel Blume. Philippe Neidhart

Die Familie Erne im Hotel Blume. Philippe Neidhart

Es ist ruhig im Atrium des Hotels Blume in Baden. Die Gäste haben die Mittagstische verlassen und man hört nur das Zwitschern von sieben Wellensittichen in einer Voliere. Durch das Glasdach fällt viel Licht auf die über und über mit Pflanzen geschmückten Etagen. Fast fühlt man sich wie in einer alten Filmkulisse aus der Jahrhundertwende, wenn einen nicht plötzlich das Geräusch eines Bohrers aus den nostalgischen Träumereien reissen würde.

«Die letzten der 35 Zimmer werden auf den neusten Stand gebracht», sagt Patrik Erne, der das Hotel mit Bruder Silvio in einer Kollektivgesellschaft betreibt. Mama Heidi ist nach dem Tod ihres Mannes Hansruedi Erne Besitzerin und Investorin geblieben. Rund 3,5 Millionen Franken seien in den letzten 40 Jahren aufgewendet worden. Das ist mehr, als das ganze Haus gekostet hat.

Wie Pandoras Büchse

«Der Zustand des Hotels war katastrophal, als wir es im Oktober 1972 kauften», erinnert sich Heidi Erne, «Das Glasdach war nicht dicht, im vierten Stock gabs keine Heizung, lediglich zwei Zimmer hatten Bad, vier eine Toilette.» Es existierte des Weiteren keine Bügelmaschine für die viele Wäsche und die Stimmung in den hauseigenen Bädern sei geradezu gespenstisch gewesen.

Seit der Übernahme und offiziellen Eröffnung am 1. April 1973 wurde regelmässig alle zwei Jahre etwas erneuert und heute ist alles in tipptoppem Zustand. Da die Ernes früher noch den «Zwyssighof» Wettingen in Pacht hatten, konnte teilweise querfinanziert werden. Als Heidi Erne 1980 einen schweren Unfall hatte, reduzierte die Familie den Betrieb auf die «Blume».

Das Ende der Blütezeit

Patrik und Silvio wuchsen im Atrium-Hotel Blume auf und waren die Lieblinge aller Gäste. Das Essen wurde anfänglich noch im grossen Speisesaal serviert, der stets gut mit Kurgästen gefüllt war, die wochenweise blieben. «Dann wollte die Krankenkasse die Kuraufenthalte nicht mehr zahlen, ausser man beschäftigte einen Arzt und eine Krankenschwester im eigenen Haus», erinnert sich Heidi Erne. Aber die «Blume» war für einen solchen Aufwand viel zu klein.

Die Kurgäste blieben fern, dafür kamen immer mehr Touristen und Businessleute, die nur tageweise logierten. Man fing an im Atrium aufzutischen, weil die reduzierte Gästeschar im Speisesaal verloren wirkte. Doch die Familie Erne glaubte stets daran, dass sich ihre Investition irgendwann lohnen würde. Und gab nie auf – auch nicht, als die Blütezeit des Bäderquartiers zu Ende ging. «Zudem sind wir ein Familienbetrieb und kein Firmenkonstrukt», ergänzt Patrik Erne, «in unserem Projekt steckt viel Herzblut.»

Glauben an die Zukunft der Bäder

Im kommenden Herbst wollen Patrik und Silvio Erne den Wellnessbereich ausbauen. Die bestehenden Wannenbäder sollen mit Dampfbad Sauna und Erlebnisdusche ergänzt werden. 1964 wurde die «Blume» unter Denkmalschutz gestellt. «Wir müssen uns extrem anpassen und manchmal ist das schwierig», erklärt Patrik Erne. «Wenn eine Reparatur ansteht, muss alles im Originalzustand wieder hergestellt werden. Das kostet oft dreimal mehr, als etwas zu erneuern. Uns zahlt kein Gast den Aufpreis.»

Die Familie Erne steht geschlossen hinter dem Botta-Projekt. «Seit 40 Jahren wird um das Bäderquartier herumgeredet und Geld ausgegeben für die Planung. Und es steht noch nichts da. Deprimierend! Die neue Therme wird mehr Passanten bringen und das ist unabdingbar, wenn nicht alles rund herum zerfallen und in Vergessenheit geraten soll.»