Wenn morgens die immer selben Gesichter und ich an der Bushaltestelle warten, um von A nach B chauffiert zu werden, fängt bei mir das Kribbeln an. Denn endlich eingestiegen, sehen die meisten an einer Busfahrt die Gelegenheit, um weiterzuschlafen, Musik zu hören oder auf ihr Handy zu starren. Und jedes dieser drei Dinge würde ich wirklich auch gerne tun, aber wo, wenn nicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln, komme ich dazu, so viele interessante Menschen zu beobachten?!

Da Zeitunglesen nicht zum Morgenritual «meiner Buscrew» gehört, kann ich beruhigt sein, da keiner von ihnen diesen Text je sehen wird. Aber es ist ja auch kein persönlicher Angriff. Ihr seid wirklich alle völlig oki. Vor allem Sie, Hr. Anzugsträger, der morgens sein Lätzchen anzieht, um Müsli zu essen, faszinieren mich jeden Tag. Sein Müsli auf so viele, kreative Arten zuzubereiten, wie Sie es tun, grenzt an Kunst.

Fräulein Schminkkoffer ist ebenfalls ein sehr beeindruckendes Geschöpf mit einem unglaublichen Talent. Sie steigt als Gespenst ein, steigt aber als Topmodel wieder aus. Als ich es ihr nachmachen wollte und anfing, mich im Bus zu schminken, stieg ich als Gespenst ein, kam aber als Clown wieder raus. Wobei wir bei Hr. Clown wären. Ich muss leider zugeben, dass ich anfangs den Verdacht hatte, er habe nicht mehr alle Tassen im Schrank. Jeden Morgen klebt er am Telefon und sagt nur «Ja», worauf ein Lachanfall folgt, der meistens die ganze Fahrt anhält. Aber er hat sie noch alle, und wen auch immer er auf der anderen Leitung hat, ich will diese Nummer.

Fräulein Parfüm, Hr. Schnarch und Hr. Eindeutigzulautemusik, zu Ihnen gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Halt ganz normale öV-Nutzer. Bei Hr. Müffel, der ebenfalls in jedem Bus oder Zug anzutreffen ist, bleibt uns nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass er an manchen Tagen den Weg zur Dusche findet.

Ich weiss, dass ich für die anderen wahrscheinlich die Verrückte bin, die alle beobachtet und eine Krise hat, wenn sie nicht auf dem hintersten Platz sitzen kann. Falls sie doch Zeitung lesen, hoffe ich, dass sie mich trotzdem weiterhin einsteigen lassen, es wird keine Fortsetzung geben, versprochen.

Daniela Jeanneret arbeitet als Pharmaassistentin

Daniela Jeanneret ist 23 Jahre alt und arbeitet in einer Apotheke in der Stadt Baden. Sie ist in Spreitenbach aufgewachsen und lebt in Neuenhof.