Hubers Aufwisch
Maskentragen nach Aschermittwoch: «Nachvollziehbare Verhältnismässigkeit»

Roman Huber schreibt heute über Masken an und nach der Fasnacht, eine Petition und die Frage, wann die Verhältnismässigkeit gegeben ist, dass die Polizei auf eine Busse verzichtet.

Roman Huber
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Zvg

Die Fasnacht ist vorüber und überstanden. In Basel, in Luzern, in Einsiedeln, aber auch in Würenlingen und in Baden. Wie närrisch Gesinnte damit umgingen, dass ihnen das bunte Treiben nach geltender Covid-19-Verordnung untersagt wurde, hat man auch in dieser Zeitung nachlesen können. In traditionellen Fasnachts-Gemeinden hatten die Cliquen Dorfbrunnen geschmückt und Dekorationen aufgestellt. Die Spanischbrödlizunft Baden reanimierte nach 15 Jahren Dornröschenschlaf das närrische Publikationsorgan, die «Gelbe». Nach demselben Muster wie andernorts konnte man Schnitzelbanken per Podcast geniessen. Für die Vereinigten Fasnachts- Gruppen Baden und den Brödlirat stand nie ausser Zweifel, dass man sich an die geltende Ordnung halten würde.

Anders in Würenlingen. Gut 200 Personen reisten am Fasnachtssonntag an und zeigten damit zumindest unterschwellig ihr Unverständnis für die Coronamassnahmen. Während sich die örtlichen Cliquen und Fasnacht- Organisationen von der Aktion distanzierten, bezeichnete Gemeindeammann Patrick Zimmermann diese als «zwar unschön, jedoch nachvollziehbar». Nicht nachvollziehbar war dieses Zitat für «Nicht-­Coronaskeptiker», die in den sozialen Medien dann die Fotos zusammenstehender Menschengruppen ohne Mund-Nasen-Schutz entdeckten.

Die Frage, ob das nun regelkonform war oder nicht, bleibt unbeantwortet. Dass die ausgerückte Polizei keine Bussen verteilte, begründete die Mediensprecherin der Kapo danach (nachvollziehbar) mit der «fehlenden Verhältnismässigkeit». Ein «nachvollziehbarer» Ratschlag: Wer künftig als Lenker wegen zwei Stundenkilometern zu viel oder 10 Minuten überzogener Parkzeit einen Bussenzettel erhält, refüsiere diesen an den Aussteller mit der Begründung «fehlende Verhältnismässigkeit».

Apropos Maskentragen: Wie sich die Bräuche durch eine Pandemie verändern! Nun ist doch das Tragen von Masken über den Aschermittwoch hinaus sogar Pflicht, zumindest dort, wo es die geltende Verordnung verlangt. Dies ist seit kurzem an den Primarschulen für Fünft- und Sechstklässler so. Dagegen machte ein Würenloser Bankfachmann mit einer Petition mobil. Dem Experten in Geldfragen (nicht Pandemie-) ist dabei entgangen, dass in Turgi wegen über 30 infizierter Kinder, Eltern und mehrerer Lehrpersonen die Primarschule vor den Sportferien geschlossen werden musste. Eben wurde in Aarau für 500 Schüler des Gönhard-Schulhauses die Quarantäne verordnet. Und in der Kita Äntenäscht in Unterentfelden sind über 80 Personen, nebst Kindern auch Mitarbeiterinnen und Eltern, von Ansteckungen betroffen. Aber eben: Maskentragen, Hausaufgaben, Elterntaxi- oder Handy-Verbot an Schulen, das scheint einigen Eltern doch zu viel für ihr umsorgtes Kind zu sein.

Die Petition, unterstützt von SVP-Grossrätinnen, wird in den betreffenden Departementen von Jean-Pierre Gallati und Alex Hürzeler bis zu den Frühlingsferien nichts an der Maskenpflicht ändern. Die beiden (SVP-)Vorsteher werden von ihrem Kantonalpräsidenten damit sicher zur Weichspüler-Fraktion gezählt. Als solche bezeichnete Andreas Glarner ja unter anderem die Badener SVP-Fraktion. Das liess diese nicht so auf sich sitzen. Zu Recht, denn die städtische SVP weiss jeweils ihre politische Rechtsposition durchaus klar zu vertreten.

Im Gegensatz zum Weichspüler-Vorwurf tut sie dies jedoch mit Stil. In dieser Form distanzierte sich Fraktionschef Daniel Glanzmann denn auch im Interview mit dieser Zeitung von der Ausdrucksweise gewisser Exponenten seiner Partei, die (nicht nur) in der Stadt Baden von den meisten nicht goutiert würde. Besser «Weichspüler» als «bireweich», hat sich die SVP Baden auf ihre Fahne geschrieben, möchte sie doch weiter bestehen können.

Roman Huber (65) ehemals AZ-Redaktor, schreibt in seiner Kolumne über das Geschehen in der Region.