Wettingen

Hühnerhautmomente und grosse Show zum Abschied

Heinz Binder hat sein letztes Konzert mit der Harmonie Wettingen-Kloster dirigiert

Das Jahreskonzert der Harmonie Wettingen-Kloster im Tägerhard erweist sich vor allem aus einem Grund als speziell. Es ist der letzte Auftritt von Heinz Binder, welcher der knapp 30-köpfigen Formation sechs Jahre lang vorgestanden hat. «Ich finde es schade, dass er geht. Er hat mich dazu gebracht wieder Tuba zu spielen, und ich bin heute megaglücklich darüber», meint Vorstandsmitglied Fabian Käufeler. Doch Binder sagt mit entwaffnender Ehrlichkeit: «Ich habe gespürt, dass mir die Ideen ausgehen und die Kreativität langsam abhandenkommt, die es für diesen Job braucht.» Der 55-jährige Trompetenlehrer an der Musikschule Mellingen und Musikschulleiter in Lenzburg hat hohe Qualitätsansprüche. Nicht nur an andere, sondern auch an sich selber. Den Dirigentenstab übernimmt ab Januar 2018 Luciano Bizzozero aus Dietikon.

Vorbereitet hat sich der in Brunegg wohnhafte Binder auf sein Finale wie auf jedes andere Konzert in den vergangenen Jahren. Er gibt alles. Und hat ein goldenes Händchen, Stücke auszuwählen, welche die Qualitäten seiner Formation vorzüglich zur Geltung bringen. Auf dem Programm stehen eine ganze Reihe bekannter Hits von den Beatles, Polo Hofer, Michael Jackson, Prince und Amy Winehouse. «Wenn man das Publikum ansprechen und glücklich machen will, muss man Stücke mit Wiedererkennungswert auswählen», ist Binder überzeugt. Richtig fetzig und modern kommen die Holz- und Blechblasinstrumentalisten rüber. Binders Tochter Michèle singt «River Deep Mountain High» von Tina Turner und kreiert damit einen grossen Showmoment. Sie trat schon mit Adrian Stern und Patrick Nuo auf. Gesangskollege Gino Carigiet sorgt mit «Purple Rain» von Prince für Hühnerhaut.

Zwischen jedem Song überreicht ein Mitglied der Harmonie Wettingen-Kloster dem Dirigenten eine Blume mit angehängtem Geschenk, sodass am Schluss ein riesiger Strauss entsteht. Binders Schulkollege Rolf Schaller aus Lenzburg übernimmt die Moderation vor dem schönen Dekor mit den vier riesigen gemalten Beatles-Köpfen. Er erzählt Episoden aus der gemeinsamen Jugendzeit und bringt damit alle zum Lachen. «Für uns sind die Unterhaltungsabende immer der Höhepunkt in der Agenda», bekundet Binder nach dem frenetischen Schlussapplaus der rund 500 Anwesenden. Der scheidende Dirigent erzählt, dass Nachwuchsprobleme auch bei der Harmonie Wettingen-Kloster immer mehr zum Thema werden. Die Jugendmusik Wettingen wurde mangels Mitglieder bereits aufgelöst und in den Musikschulen habe es immer weniger Schülerinnen und Schüler, die ein Blasinstrument erlernen wollen. «Wir versuchen auf allen Kanälen, neue Leute zu finden. Aber einfach ist es nicht», sagt Binder.

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