Noch ist die FDP Baden mit 11 von 50 Einwohnerratssitzen die wählerstärkste Partei. National scheinen die Freisinnigen nach Erfolgen in Zürich, Baselland, Luzern und Tessin zu einem Höhenflug anzusetzen.

In Baden sind die Zeichen aber eher düster: Vor zwei Jahren verlor die FDP den Ammann- und den zweiten Stadtratssitz. Statt sich bereits auf das Wahljahr 2017 konzentrieren zu können, muss die Stadtpartei nun zuerst eine Führungskrise abwenden.

Personalplanung verfehlt

Dass Matthias Bernhard (67) nach 11 Jahren Parteipräsidium per Frühling 2015 politisch kürzer und als Präsident zurücktreten würde, war seit längerem bekannt. Auf Anfrage des Badener Tagblatts verkündete die FDP noch vergangene Woche stolz, dass nun die Jugend das Ruder übernehmen würde. Die FDP-Generalversammlung hätte Co-Vizepräsident Oliver Steger (32) nächsten Montag als Präsidenten wählen sollen.

Nun hätten sich aber Turbulenzen im Vorstand ergeben, sagte gestern Matthias Bernhard offen und spricht von einem Missverständnis. Darum finde an der GV am Montag keine Präsidentenwahl, sondern eine «Interims-Co-Vize-Präsidiums-Wahl» statt.

«Die FDP schlägt der GV ein Führungsgremium mit den beiden Vizepräsidenten Oliver Steger und Tobi Auer vor», sagt Bernhard. Niemand wollte das alleinige Präsidium übernehmen. Beide Co-Vize-Präsidenten weilen für längere Zeit im Ausland, waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar und sind auch an der Generalversammlung nicht dabei.

Der Vorstand werde sich im Juni selber definitiv konstituieren. Offenbar fehlte Steger auch das Okay des Arbeitgebers für ein Partei-Präsidium. Die UBS unterstütze es zwar, wenn sich Mitarbeiter öffentlich engagieren würden, doch es gebe eine Regelung, wonach für die Ausübung von Ämtern die Erlaubnis eingeholt werden müsse, hiess es bei der UBS.

Vorerst mit einigen Unklarheiten

Der FDP-Vorstand müsse sich vorerst anders organisieren, sagt Bernhard, wenig erfreut über die Situation. Er hält aber fest, dass die Parteiführung jederzeit gewährleistet sei. «Wenn es auch nicht einfach ist, Nachfolger für den Vorstand zu finden, so ist die FDP doch recht gut mit jungen Leuten bestückt», sagt Bernhard dann doch zuversichtlich.

Philippe Gubler (37) wird vorerst die operative Führung der Partei bis Juni übernehmen. Oliver Steger soll nach seiner Rückkehr in die Führung eingebunden werden.

Eine weitere Verjüngung werde mit Tobi Auer erfolgen, der zurzeit studienhalber in London weile und im Sommer zurückkehren werde, sagt Bernhard. Er werde dann zusammen mit Steger das Interims-Co-Vize-Präsidium bilden. Peter Courvoisier wird als dritter Vizepräsident ausserhalb dieses Co-Vize-Präsidiums im Vorstand verbleiben.

Die Mitglieder der FDP, die auf elektronischem Weg eingeladen worden sind, werden am Montag eine spannende GV erleben, an der einige Fragen zur Zukunft im Vorstand und in der Stadtpolitik gestellt werden dürften. Laut Bernhard haben sich über 70 Personen angemeldet.

Dort wird sich Bernhard nach einer bewegten Zeit mit mehrheitlich Hochs und einigen Tiefs verabschieden. An die Stadtammannwahl von Stephan Attiger (2005) und an die Einwohnerratswahlen 2005 und 2009 dürfte er sich mit Freude erinnern, während der Verlust des Stadtammannamtes und des zweitens Stadtratssitzes ihn noch etwas schmerzen werden. Kommentar rechts