Heitersberg
Hund hat Durst: Beizer will fürs Wasser 5 Franken

Ein Wanderer läuft mit seinem Hund auf den Heitersberg. Im Restaurant isst und trinkt er für 50 Franken. Damit sein Hund nicht verdurstet, verlangt er Wasser für diesen . Dafür verrechnet ihm der Beizer 5 Franken.

Sebastian Wendel
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Durstiger Hund

Durstiger Hund

AZ

Der Fall tönt grotesk. Der Spreitenbacher Hansruedi Eschmann spaziert am 3. April mit seinem Hund über den Heitersberg. Nach getanem Marsch will Eschmann sich im Restaurant Heitersberg stärken. Doch nicht nur Eschmann, sondern auch sein Hund hat Durst. Der Brunnen vor dem Restaurant liegt trocken, also bittet er bei der Bedienung um eine Schale Wasser für sein Tier. «So etwas bieten wir hier nicht an», so laut Eschmann die Antwort auf sein Begehren.

Er will seinen Begleiter nicht dursten lassen und bestellt wohl oder übel einen Liter «Hahnenburger». Als es ans Bezahlen geht, die grosse Überraschung: Für den Liter Leitungswasser, serviert in einer Plastikschale, werden Hansruedi Eschmann fünf Franken verrechnet. Und das, obwohl er Speis und Trank zum Preis von 51.20 Franken konsumierte.

Auf Nachfrage kann auch der Betroffene nur den Kopf schütteln. «Ich finde es unverschämt und respektlos dem Gast gegenüber, fünf Franken für einen Liter Leitungswasser zu verlangen. Vor allem, da ich selber reichlich konsumierte», sagt Hansruedi Eschmann.

Gesunder Menschenverstand

Auf den Fall im Restaurant Heitersberg angesprochen, reagiert Christian Burri, Präsident des kantonalen Wirteverbands Gastro Aargau, überrascht: «Fünf Franken für einen Liter Wasser, das ist happig. Zumal das Wasser ja nur für den Hund gedacht war. Ich will aber niemanden verurteilen, denn jeder Wirt fährt seine eigene Strategie.»

Burri appelliert bei der Abgabe von Leitungswasser an den gesunden Menschenverstand der Wirte. «Setzt sich ein Gast an den Tisch und trinkt nur Wasser, soll er dafür bezahlen. Er verursacht Personalkosten und geht vielleicht noch auf die Toilette». Zu einem Espresso oder einem Menü hingegen serviert Burri in seinem Restaurant Casa Terranova in Sisseln gerne ein Glas Wasser.

In Italien steht auf jedem Tisch eine Karaffe mit Wasser. Gratis. Die Schweizer Stiftung für Konsumentenschutz will dies mit einem Gesetz auch in der Schweiz einführen mit der Begründung, Hahnenwasser sei ökologischer als Mineralwasser in Flaschen. Dazu sei Markenwasser keineswegs gesünder als «Hahnenburger». «Das ist völliger Unsinn. Wir brauchen kein solches Gesetz. Jeder Betrieb soll das intern lösen», sagt Christian Burri.

Fr. 1.50 für 3 dl

«Für Hunde haben wir vor der Türe genügend Wassernäpfe», sagt der Wirt des Gasthofs Homberg in Reinach, Andreas Mäder. «Hierfür würden wir nie etwas verlangen.» Für Leitungswasser berechnet Mäder nur einen kleinen Unkostenbeitrag, wenn der Gast sonst nichts trinkt. «Unsere Besucher haben dafür Verständnis.»

Auch die Summertime-Lounge in Aarau stellt Hunden gerne Wasser zur Verfügung. «Vor allem bei heissen Temperaturen kommt es öfter vor, dass Gäste nur Hahnenwasser konsumieren wollen. Dann berechnen wir das auch: Fr. 1.50 für3 dl», sagt Geschäftsführerin Gina Trautmann. Die Handhabung mit Hahnenwasser solle laut Trautmann jeder Betrieb für sich selber entscheiden.

Weitere befragte und von Spaziergängern mit Hunden stark frequentierte Restaurants blasen ins gleiche Horn wie der Gasthof Homberg und das Summertime.

Die az Aargauer Zeitung versuchte mehrmals vergeblich, die Betreiber des Restaurants Heitersberg für eine Stellungsnahme zu erreichen.