Wettingen
Hundehalter wehren sich mit Einsprache gegen die Leinenpflicht

In Wettingen regt sich Widerstand gegen die Leinenpflicht auf Siedlungsgebiet. Eine IG Hundehalter hat sich formiert und Einsprache gegen die Änderung des Polizeireglements angekündigt.

ROman Huber
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Andernorts werden Zonen mit Leinenpflicht ausgeschieden. (Archiv)

Andernorts werden Zonen mit Leinenpflicht ausgeschieden. (Archiv)

Daniel Vizentini

Am 21. Januar erfolgte die ordentliche Publikation des Wettinger Gemeinderates, dass er das Polizeireglement mit einer Leinenpflicht für das ganze Siedlungsgebiet ergänzen will. 30 Tage, also bis zum
21. Februar, besteht die Möglichkeit, dagegen Einsprache zu erheben. Dies gedenkt die neu gegründete IG Hundehalter auch zu tun. «Wir werden diese Woche dem Gemeinderat eine Einsprache auf dem Postweg zustellen. Zudem ist eine Unterschriftensammlung in Planung», erklärt Leonardo Curcuruto, Gründer der IG, der sich bereits einige Hundehalterinnen und Hundehalter angeschlossen haben.

Mehrverkehr und Hotspots

Die IG Hundehalter führt gleich mehrere Argumente gegen eine solche Leinenpflicht ins Feld: Eine artgerechte Haltung, wie es das Tierschutzgesetz verlange, sei nicht mehr möglich, wenn Hunde nur an der Leine spazieren geführt werden dürfen und nicht mehr mit Artgenossen spielen können. Gemäss Gesetz dürfte auch kein Hund mehr auf einer Wiese im Siedlungsgebiet einem Ball nachrennen. Das hätte negative Auswirkungen auf das Sozialverhalten der betroffenen Hunde. Laut IG bleibt den Hundehaltern nur die Möglichkeit, mit dem Auto ins Eigi oder ins Tägerhard an die Grenze des Siedlungsgebietes zu fahren, damit sie dort die Hunde von der Leine lassen dürfen. «Das würde nicht nur Mehrverkehr bedeuten, sondern die Naherholungsgebiete zu Hotspots machen, wo sich andere Erholung suchende Mitbürger nicht mehr gerne aufhalten würden», erklärt Curcuruto.

Die IG erachtet den neuen Paragrafen als unverhältnismässig. «Wir haben absolutes Verständnis für das Anliegen der Mitbürger, die sich durch Hunde belästigt oder sogar bedroht fühlen», teilt die IG mit. Doch sollten alle Hundehalter, die einen Sachkundenachweis-Kurs besucht haben, der zudem obligatorisch sei, in der Lage sein, ihre Hunde sicher in der Öffentlichkeit zu führen. «Das schon im eigenen Interesse, da es bei einer unerwünschten Begegnung mit einem Menschen oder einem andern Tier zu einer Anzeige und Schadenersatzpflicht kommen könnte», erklärt die IG Hundehalter. Curcuruto weist ausserdem darauf hin, dass es bereits auf kantonaler Gesetzesebene eine Kotaufnahmepflicht gibt.

Alternativen gefordert

Die IG Hundehalter fordert in ihrer Einsprache den Gemeinderat auf, eine Leinenpflicht mit Ausnahmen innerhalb des Siedlungsgebietes einzuführen oder alternativ Hundezonen einzurichten, die sinnvoll und gerecht auf das Siedlungsgebiet verteilt würden. Andernfalls soll die für die Leinenpflicht definierte Siedlungsgrenze geändert werden. Jedenfalls wünscht sich die IG ein klärendes Gespräch mit dem Gemeinderat, «damit gemeinsam ein abgeschwächter Weg gefunden werden kann anstelle der generellen Leinenpflicht im Siedlungsgebiet».

Die IG Hundehalter dürfte mit ihrem Anliegen bei zahlreichen andern Halterinnen und Haltern Gehör finden. Gemeindeschreiber Urs Blickenstorfer rechnet aufgrund von Reaktionen jedenfalls damit, dass sich noch weitere Hundehalter zum Thema Leinenpflicht schriftlich äussern würden.

Der Gemeinderat hat aufgrund immer wiederkehrender Reklamationen über freilaufende Hunde und liegengelassenen Kot die Leinenpflicht erlassen. Gerade in der Nähe von öffentlichen Spielwiesen oder an den neuralgischen Verbindungen wie Bächliweg und Gottesgraben würde dieses Problem offenkundig.

Es würde zu weit führen, wenn man in all diesen Zonen nun Tafeln «Hunde an der Leine führen» aufstellen wollte, erklärt Blickenstorfer die Massnahme, eine generelle Leinenpflicht im Siedlungsgebiet zu verordnen. Im Siedlungsgebiet befinden sich aber viele für Hunde geeignete Spazierwege, so entlang der Limmat, am Sulperg oder am Rebberg, wo künftig Leinenpflicht wäre.