Neuenhof

«Ich bin keiner, der über Leichen geht»: Gemeindeammann-Kandidat Martin Uebelhart im Porträt

Martin Uebelhart schätzt die Aussicht vom Friedhof aus auf Neuenhof.

Martin Uebelhart schätzt die Aussicht vom Friedhof aus auf Neuenhof.

Martin Uebelhart (CVP) kandidiert in Neuenhof als Gemeindeammann. Der 56-Jährige verrät, weshalb er sich das Amt zutraut, warum ihn die jüngsten Querelen in der Exekutive nicht abschrecken und was er von der geplanten Linienführung der Limmattalbahn hält.

Nach dem Rücktritt von Susanne Voser (CVP) als Gemeindeammann und Andreas Muff (parteilos) als Gemeinderat sind am 9. Februar in Neuenhof zwei Gemeinderatssitze zu besetzen und ein neuer Gemeindeammann wird gesucht. Sieben Kandidaten stellen sich zur Wahl als Gemeinderat. Martin Uebelhart (CVP) kandidiert als einziger davon auch als Gemeindeammann.

Zum Gespräch treffen wir den 56-Jährigen in seinem Zuhause, in dem er seit gut 23 Jahren mit seiner Familie lebt. Für das Fotoshooting wählt Uebelhart den Vorplatz des wunderschön gelegenen Friedhofs Papprich etwas oberhalb seines Zuhauses.

«Von hier aus hat man eine wunderbare Aussicht auf die Gemeinde», sagt er. Weniger Aussicht denn Weitsicht ist gefragt, sollte Uebelhart zum Gemeindeammann von Neuenhof gewählt werden. Die Chancen hierfür stehen gut. Erstens ist er der einzige Kandidat. Zweitens ist die CVP in Neuenhof traditionell eine Hausmacht. Und drittens engagiert sich Uebelhart schon seit vielen Jahren politisch in Neuenhof. So war er von 1998 bis 2017 Mitglied der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission, zwölf Jahre davon als deren Präsident. Seit 2017 präsidiert er die CVP-Ortspartei.

Bei einer Wahl will er bis zur Pensionierung bleiben

Wenn man sich mit Martin Uebelhart unterhält, wird schnell klar, dass er kein Ur-Neuenhofer ist. Er wuchs im Kanton Solothurn auf – genauer in Oberbuchsiten. Die Bezirksschule besuchte er im Nachbarort Neuendorf. «Nicht Neuenhof, Neuendorf», präzisiert Uebelhart mit einem Lachen.

Nach der obligatorischen Schule liess er sich an der Fachhochschule zum Maschineningenieur ausbilden. 1988 zog er nach Neuenhof, nachdem er eine Anstellung bei der ABB angenommen hatte. ABB? «Die Bewerbung schrieb ich tatsächlich noch an die BBC. Doch den Arbeitsvertrag bin ich dann schon mit der ABB eingegangen.» Später war Uebelhart nach der Übernahme des Gasturbinenbereichs noch kurz bei der Alstom angestellt.

Es folgte eine Zwischenstation bei der Glatt AG in Pratteln, die grosse Maschinen für die Pharmaindustrie herstellt. 2003 dann der letzte berufliche Wechsel: Uebelhart wechselte zur Huba Control AG in Würenlos, die sich auf die Herstellung von Drucksensoren spezialisiert hat. Uebelhart ist dort im Verkauf tätig – vorwiegend in Osteuropa und der Türkei.

Woher also der Wunsch, Gemeindeammann von Neuenhof zu werden – ein Vollamt wohlbemerkt – wenn es doch beruflich so rund läuft? «Mit rund 40 Jahren wäre es keine Option gewesen, den Beruf zu verlassen und voll in die Politik einzusteigen», so Uebelhart. Doch jetzt mit 56 präsentiere sich die Situation anders. «Sollte ich gewählt werden, würde ich gerne bis zur Pensionierung im Amt bleiben.» Weshalb er denn denke, der Richtige für dieses Amt zu sein?

«Ich bringe viel berufliche, aber auch politische Erfahrung mit und ich traue mir zu, diese Führungsaufgabe zu stemmen.» Dass er der CVP angehöre, sei kein Zufall. «Ich bin kein Polteri, sondern würde mich als typischen Sachpolitiker der Mitte bezeichnen.» Um seine Ziele zu erreichen, gehe er nicht über Leichen, sondern politisiere mit realistischen Zielsetzungen, grenzt sich Uebelhart von rechts ab. «Gleichzeitig muss ich auch bereit sein, etwas zu geben, wenn ich etwas erwarte», kommt gleich die Abgrenzung nach links. Er sei überzeugt, dass er es mit allen Leuten «gut kann» und über die Parteigrenzen hinaus akzeptiert sei.

«Der Doppelrücktritt kam für mich überraschend»

Auf die Frage, ob er von den Spannungen innerhalb des Gemeinderats, die letztlich zum Doppelrücktritt führten, gewusst habe und weshalb es ihn trotz dieser Misstöne reize, Gemeindeammann zu werden, antwortet Uebelhart: «Ja, ich wusste, dass es gewisse Spannungen gibt. So gesehen war der Rücktritt von Frau Gemeindeammann Susanne Voser nicht komplett überraschend.

Dass es zu einem Doppelrücktritt kam hingegen schon.» Doch die genauen Hintergründe kenne auch er nicht. «Und ganz ehrlich interessieren sie mich auch nicht. Das war ein interner Konflikt der Exekutive, der mich nichts angeht.»

Für ihn sei klar, dass die fünf Gemeinderäte aus fünf verschiedenen Persönlichkeiten bestehen. «Da kann man auch mal unterschiedlicher Meinung sein. Doch wenn alle das Gleiche – nämlich das Wohl und die Zukunft der Gemeinde – im Auge haben, dann findet man sich auch wieder.» Und wie sieht Uebelhart denn diese Zukunft; wie definiert er das Wohl der Gemeinde?

«Grundsätzlich: Altbewährtes muss nicht per se schlecht sein. Mit anderen Worten, ich würde als Gemeindeammann nicht alles auf den Kopf stellen.» Ein Credo sei für ihn ganz zentral: «Wenn wir nicht gestalten, dann werden wir gestaltet.» Deshalb begrüsse er grundsätzlich die Limmattalbahn durch die Gemeinde.

«Das ist eine Chance. Oder anders gesagt: Wenn wir hier nicht mitmachen, drohen wir zwischen den Zentren Baden und dem Zürcher Limmattal abgehängt zu werden. Gut wäre aber, wenn auch der Bahnhof Neuenhof erschlossen würde.» Er sieht ebenfalls die Gefahr, dass die Bahn das Dorf noch mehr teilen könnte.

«Doch mit vernünftigen Massnahmen müsste es machbar sein, den ganzen Bewegungsraum entlang der Zürcherstrasse aufzuwerten», ist Uebelhart überzeugt. Kritisch erachte er dafür die geplante Limmatbrücke zwischen Wettingen und Baden. «Das würde Neuenhof nur noch mehr Autoverkehr bringen.»

Was sagt Uebelhart zu einer möglichen Fusion mit Nachbargemeinden, allen voran der Stadt Baden? «Für die Zukunft sehe ich das absolut realistisch. Ich befürchte auch nicht, dass eine Fusion mit einem Identitätsverlust einhergehen würde.» Neuenhof wäre dann einfach ein Teil einer grossen Gemeinde mit zentraler Verwaltung. Das dörfliche Neuenhof gebe es ohnehin – abgesehen vom alten Dorfkern – nicht mehr. «Wir sind schon heute mehr ein Stadtteil als ein Dorf im klassischen Sinn.»

Weitere grosse Herausforderungen sieht Uebelhart im altersgerechten Angebot für die älteren Bevölkerungsschichten wie etwa das Zurverfügungstellen von Alterswohnungen oder die medizinische Versorgung. Er nennt auch – wenig überraschend – die Gemeindefinanzen. «Das Steuersubstrat ist heute weit unter dem kantonalen Schnitt, daran müssen wir arbeiten.»

Zentral für die Verbesserung der Gemeindefinanzen sei die Umsetzung der neuen Bau- und Nutzungsordnung. «Hier müssen wir unkompliziert und schnell all diejenigen unterstützen, die neu bauen oder ihre Liegenschaften sanieren wollen.» Weiter gelte es, auch die regionalen Zusammenarbeiten weiterzuführen und, wo sinnvoll, auszubauen.

Fit wie ein Turnschuh und talentierter Schauspieler

Wie haben seine Frau und seine zwei erwachsenen Töchter auf seine Kandidatur reagiert? «Ganz ehrlich: Am Anfang waren sie alles andere als begeistert. Denn als Gemeindeammann steht man natürlich unter besonderer Beobachtung.» Doch nun würden sie seine Kandidatur mittragen, worüber er sehr froh sein: «Es gibt Gelegenheiten, die bieten sich halt nur einmal.»

Eines ist für Martin Uebelhart klar: Auch wenn er als Ammann gewählt werden sollte, würde er seine Hobbys weiterhin pflegen. Seit er vor über 30 Jahren nach Neuenhof gezogen ist, war er bei der hiesigen Schnägge-Bühne immer wieder als Schauspieler und Regisseur engagiert. Zudem fährt er sehr gerne Ski und legt jährlich rund 6000 Kilometer auf dem Rennrad zurück. Die Fitness für das Ammann-Amt bringt er also zweifelsohne mit.

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