Die Bodeninstallation von Dominique Eliane Girod, die bis zum 30. September in der Galerie am Fluss in Ennetbaden ausgestellt ist, regt die Fantasie an. Der Blick des Betrachters schweift über eine Art Kasbah, eine arabische Altstadt, mit dicht aneinander gedrängten kleinen Häusern. Oder handelt es sich um ein Abbild der malischen Oasenstadt Timbuktu? «Es sind Kartonverpackungen aus dem Abfall, die ich wie Puzzlestücke zusammengefügt habe», klärt die Künstlerin auf und fügt hinzu, «immer, wenn Altpapiersammlung ist, gehe ich an meinem Wohnort Wettingen mit Schere und Schnur auf die Jagd nach neuen Fundstücken.»

Für die Materialtüftlerin ist jeder Tag wie eine Offenbarung. Sie sieht und sammelt Dinge, an denen 99 Prozent aller Menschen achtlos vorbeigehen würden. Und sie verleiht mit ihrem Ideenreichtum Fundstücken neuen Glanz. «Ich war schon als Kind sehr kreativ. Entdeckte ich am Boden einen weggeworfenen Dichtungsring, entstand daraus die Idee für Schmuck», meint die Wahl-Aargauerin lachend. Für die Mitentwicklung des schweizweit bekannten Kartoffelwärmers «Filz’warm» gab es sogar eine Anerkennung von Designpreis Schweiz. Er entstand ursprünglich aus der Wegwerfware einer Filzfabrik.

Auch digitale Kunstwerke

An der Badenfahrt 2017 erwarb Girod ein Bänkli aus Büchern. Beim Auseinandersägen kam ein alter Architekturalmanach zutage. Die darin enthaltenen symmetrischen Tableaux verwandelte die 53-Jährige digital in neue Kunstwerke, die ebenfalls in der Galerie am Fluss zu sehen sind.

«Ich denke mit den Augen» steht auf Dominique Eliane Girods Website. Kreativität ist ihr Lebensantrieb. Sie absolvierte eine Grafikerlehre und ging nach der Geburt ihrer heute 23-jährigen Tochter in die Selbstständigkeit. Mit ihrem Mann Julien Gründisch führt sie im Merker-Areal Baden seit über 20 Jahren ein kleines Unternehmen für visuelle Kommunikation. Die zwei inszenieren für die Sonderausstellung «Aufbruch 68/71! Love, Peace und Frauenstimmrecht», die am 27. September im Historischen Museum Baden eröffnet wird, sämtliche Räume.

Ende Jahr ist Girod dann mit ihrer Einzelausstellung «The only way is up the only way» im Kunstraum Aarau zu sehen. Es läuft gut für die umtriebige Künstlerin und Grafikerin, die sich selber als sehr strukturiert bezeichnet. «Ich brauche ein aufgeräumtes Pult ohne jegliches Gerümpel, damit mein Geist herumwandern kann», sagt sie. Mit dem zu einem losen Dutt zusammengebundenen Haaren und ihrer grossen runden Brille wirkt sie auf den ersten Blick unscheinbar. Aber der Schein trügt.

Das traditionelle Badener «Liechterwecke» lockt jedes Jahr Tausende von Menschen auf den Schlossbergplatz. Als fester Bestandteil des Rituals wird das Märchen vom Badener Weihnachtslicht erzählt. Aber wer hätte gedacht, dass die Geschichte aus der Feder von Girod stammt? Sie hat im Auftrag des Standortmarketings der Stadt Baden nicht nur das «Liechterwecke» ins Leben gerufen, sondern für die Citycom auch den «Winterzauber» auf dem Bahnhofplatz konzipiert und vier Jahre lang durchgeführt. «Wenn mir mal alles über den Kopf wächst, reise ich zu meinen Eltern, die vor 20 Jahren nach Irland ausgewandert sind», bekundet Girod. Ihr Vater war Steward bei der Swissair, die Mutter amtete unter anderem als Gemeinderätin in Volketswil, wo die Familie lange Zeit lebte.

Seit exakt 30 Jahren ist die Region Baden der Lebensmittelpunkt von Dominique Girod. Sie kam wegen der Liebe hierher und möchte nie mehr weg. Sich für sein Umfeld zu engagieren, gehört für sie zur Selbstverständlichkeit. 1990 war sie Mitbegründerin des Vereins «BadeNordStadt». «Wir wollten die Umnutzungspläne der ABB-Industriebrache Baden Nord in die Bevölkerung tragen und eine öffentliche Debatte anstossen. «Im Zentrum der teilweise hitzigen Diskussionen sei auch die adäquate Mehrwertabschöpfung für die Stadt Baden gestanden. «Dass die Alte Schmiede von den ABB-Liegenschaften an die Stadt abgetreten wurde, ist das Resultat unserer damaligen Anstrengungen», erzählt Girod.

Im Vorstand von Business & Professional Women Baden lancierte sie zudem den Equal Pay Day in Baden mit. 2005 bis 2016 stand sie dem Quartierverein Lagenstein-Altenburg Wettingen als Präsidentin vor. Seit 2017 zählt sie zum Vorstand des Figura Theaterfestivals.

Die Liste der «1000 Hochzeiten», auf denen Dominique Girod getanzt hat, würde in ihrer Vollständigkeit fast ein Buch füllen. Doch jetzt plant sie einen Kurswechsel: «Ich habe fast alle meine Engagements sukzessive abgebaut, damit mehr Spielraum für neue kreative Projekte bleibt. Konkret möchte ich mein Pensum im Geschäft weiter reduzieren und mich intensiver mit der eigenen künstlerischen Arbeit befassen.»