Seine Augen leuchten, als er auf seine Radfahrer-Karriere angesprochen wird. Mit 15 Jahren fuhr Charly Wyss sein erstes Rennen, bei dem er Zweiter wurde. Das verschaffte ihm einen Platz im Amateur-Team. «Ich habe als Amateur alle Aargauer Rennen gewonnen», sagt der Jubilar mit einem Strahlen im Gesicht.

«Ich hätte an die Olympiade nach Berlin reisen dürfen, was aber nicht geklappt hat», bedauert er. Damals sei der Amateur-Bereich ziemlich handgestrickt dahergekommen. Die Struktur habe gefehlt. So sei er, obwohl er sich für Berlin qualifiziert hatte, vom Zürcher-Team einfach nicht mitgenommen worden. «Die Revanche kam aber trotzdem. In Winterthur stand ich dann zuoberst auf dem Podest.»

Sogar schon mit Kübler gefahren

Bis 1944 war er im Profilager von Condor, fuhr mit Radgrössen wie Ferdy Kübler oder Robert Zimmermann. Und er habe an einer Tour de Suisse auch einmal eine Doping-Spritze bekommen, da er nicht fit war. «Aber nur einmal. Sonst habe ich alles aus eigener Kraft gemeistert», betont er. Damals sei es noch einfach gewesen, zu sehen, wer gedopt war.

2. Etappe der Tour de Suisse 1938: Charly Wyss in Frauenfeld (vorne).

2. Etappe der Tour de Suisse 1938: Charly Wyss in Frauenfeld (vorne).

«Wenn es heiss war, lief ihnen die gespritzte Flüssigkeit als Rinnsal am Arm herunter.» Wyss erinnert sich gerne an seine Radfahrerzeit zurück. Der Empfang im Ziel sei immer «bäumig» gewesen. In seiner Aktivzeit von 1937 bis 1944 hat Wyss «kistenweise» Kränze, Medaillen und Pokale geholt.

Mit 95 Jahren noch auf dem Rad

1944 entschied sich Wyss, weil ein Ende des Krieges nicht absehbar war, wieder als Dreher zu arbeiten. Das sei eine schöne Zeit gewesen, weil er gefördert wurde, sich zum Kalkulator weiterzubilden. In dieser Zeit trat das Velofahren in den Hintergrund. Mit 70 Jahren stieg er wieder aufs Fahrrad und nahm mit Gleichgesinnten Velo-Touren bis in den Schwarzwald unter die Pedale. Plauschfahrten machte er, bis er 95 wurde. Heute sitzt er täglich 10 Minuten auf den Hometrainer.

Geistig sowie körperlich noch fit

Privat gab es einige Turbulenzen in Wyss’ Leben. Doch mit seiner zweiten Frau Astrid fand er sein Glück. «Sie schaut gut zu mir, sonst wäre ich nicht so ‹zwäg›», ist er überzeugt. Die 64-Jährige ist besorgt, dass ihr Mann ausgewogen isst und sich beim Spazieren oder im Garten nicht mehr übernimmt. Vor zwei Jahren hatte der Jubilar einen Schwächeanfall.

Aber ansonsten ist er geistig und körperlich fit. Am heutigen 9. April sind Sohn Rolf mit Familie, Freunde, Bekannte und Nachbarn zum hohen Wiegenfeste geladen. Und die Harmonie Turgi wird für die musikalische Umrahmung sorgen.