«Der Appetit kommt beim Essen», sagt Michaela Huser. «Ich hätte nicht geglaubt, dass mir Politik so viel Freude bereiten könnte.» Die Ökonomin aus Wettingen kandidiert diesen Herbst erstmals für die Nationalratswahlen. Auf der Liste der SVP steht sie auf Platz 14. Unter anderem darum habe sie wohl nur Aussenseiterchancen für die Wahl ins Parlament, glaubt sie.

Doch beim Telefongespräch mit der 32-Jährigen wird deutlich: Auch wenn ihr der Sprung nach Bern nicht gelingen sollte, täte dies ihrer Lust an der Politik keinen Abbruch. «Ich bin mit Politik aufgewachsen, wir haben zu Hause sehr viel diskutiert.»

Ihr Vater sass im Wettinger Gemeinderat. «Von ihm habe ich ein sehr realistisches Bild von der Politik mit auf den Weg bekommen. Ich weiss, dass gewisse Prozesse einige Zeit dauern können, man kann nicht von heute auf morgen alles auf den Kopf stellen.» Seit 2014 ist Huser Einwohnerrätin in Wettingen, inzwischen präsidiert sie die Fraktion; 2016 schaffte sie die Wahl in den Grossen Rat.

Ob auf kommunaler, kantonaler oder womöglich künftig nationaler Ebene – der Fokus ihrer Politik bleibe derselbe: «Ich setze mich für einen schlanken Staat ein, für eine nachhaltige Steuer- und Finanzpolitik, unternehmerfreundliche Rahmenbedingungen und für einen starken Wirtschaftsstandort.» Auch die Bildungspolitik gehöre zu ihren Kernthemen, im Grossen Rat gehört sie der Bildungskommission an. «Das duale Bildungssystem in der Schweiz ist einmalig, dieses müssen wir unbedingt weiter stärken.»

Unaufgeregt und überlegt äussert sich Huser im Gespräch. «Das ist ihre grosse Stärke», sagt Martin Fricker, Fraktionskollege Husers im Wettinger Einwohnerrat. «Mit ihrer pragmatischen, sachlichen Art kann sie viel bewirken.» Er traue ihr langfristig sehr viel zu: «Wenn sie möchte und Durchhaltewillen beweist, wird sie früher oder später in den Nationalrat gewählt, keine Frage», sagt er. Huser, die bei einer grossen Versicherung arbeitet, sei «sehr intelligent und gebildet», aber keine Theoretikerin.

«Diese Chance will ich nutzen»

Sollte sie in den Nationalrat gewählt werden, müsse sie ihr Leben neu organisieren, sagt Huser; aber sie würde sich sehr freuen, Verantwortung auch auf nationaler Ebene zu übernehmen. Was treibt sie an? «Das werde ich oft gefragt. Zum einen, dass ich täglich sehe, wie wichtig es ist, dass Personen aus dem Gewerbe und der Wirtschaft auch Verantwortung in der Politik übernehmen.»

Sie wisse, wo den kleinen und mittleren Unternehmen der Schuh drücke. «Zum anderen, dass ich privilegiert aufgewachsen bin, Dankbarkeit verspüre und der Gesellschaft etwas zurückgeben möchte. Mir wurde schnell bewusst, dass wir in der Schweiz über ein einzigartiges politisches System verfügen.» In keinem anderen Land der Welt könne der Bürger so viel mitbestimmen wie hier. «Diese Chance will ich nutzen.»