Herr Spycher, an der ersten Schweizer Meisterschaft der Bier-Sommeliers konnten Sie sich nicht für die Finalrunde qualifizieren. Sind Sie sehr enttäuscht?

Christoph Spycher: Ja definitiv. Ich hätte mehr trainieren müssen. Die Meisterschaft war anspruchsvoll, aber auch sehr spannend.

Die Ränge wurden ab dem 10. Rang nicht mehr ausgewertet. Das heisst, Sie wissen gar nicht, welchen Rang Sie unter den 23 Teilnehmern belegt haben.

Nein, ich habe auch nicht mehr nachgefragt. Ich weiss nur, dass ich eher im hinteren Feld war. Aber dazu stehe ich. Der Kopf wollte nicht immer wie der Bauch. Ich hätte meinem Bauchgefühl mehr vertrauen sollen. Dann wäre ich öfter richtig gelegen.

Sommeliers kämpfen um Titel: So berichtete Tele Züri von der Meisterschaft der Bier-Sommeliers in Zürich.

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An der Meisterschaft nahmen auch gestandene Bierbrauer teil. Haben Sie die Konkurrenten unterschätzt?

Nein, das denke ich nicht. Zu dem hat mit Roger Brügger ein Laie gewonnen. Auch der Zweitplatzierte, Marcel Alber, ist kein Bierbrauer, sondern arbeitet in der IT-Branche. Das zeigt, dass Laien durchaus gute Chancen haben.

Ihr grosser Traum von der WM der Bier-Sommeliers in Brasilien ist nun geplatzt. Werden Sie an der nächsten Schweizer Meisterschaft teilnehmen, um vielleicht doch noch an der übernächsten WM dabei zu sein?

Auf jeden Fall. Denn alles in allem war der Wettbewerb eine grossartige Erfahrung. Ich werde mich aber für das nächste Mal systematischer vorbereiten.

Systematisch Biertrinken also. Wie geht das genau?

Bier-Sorten lernen ist wie einzelne Wörter in einer anderen Sprache lernen. Biere lernt man aber mit allen Sinnen. Ich versuche, für jedes Bier eine Schublade im Kopf anzulegen. Dabei muss ich systematisch vorgehen indem ich die verschiedenen Biere einer Sorte, zum Beispiel Pale Ale oder Doppelbock, gleichzeitig degustiere und dann unter anderem die feinen Unterschiede heraus schmecke; die Texturen – wässrig, cremig oder spritzig – erspüre und das einzelne Bier dann benennen kann.

Klingt, als wäre man danach ziemlich betrunken.

(Lacht) Ja tatsächlich muss man seine Trinkkräfte einteilen. Anders als beim Wein muss man das Bier schlucken. Pro Bier sind es sicher zwei bis drei Schlucken. Mehr als 15 einzelne Biere pro Abend liegen da nicht drin, wenn man am nächsten Tag arbeiten muss. Zudem will man ja kein Alkoholiker werden. Also trainiere ich höchstens ein- bis zweimal pro Woche.

Wie muss man sich so eine Meisterschaft eigentlich vorstellen?

Es gibt einen ersten Test, bei dem man 10 Biersorten den möglichen 33 Sorten zuteilen muss. Im zweiten Teil muss man Fehler im Bier erkennen und benennen. Im dritten Teil dem «Bier-Dart» mussten die Sommeliers erschmecken, welches Bier sie gerade trinken. Auf einer Scheibe mit möglichen Sorten setzen sie einen Tipp. Je näher man dran ist, desto mehr Punkte bekommt man.

Als Untersiggenthaler kennen Sie sich sicher mit den regionalen Bieren aus. Wie steht es eigentlich um die Bierkultur in der Region Baden?

Unsere Brauereien Lägern und Müller machen viel für die regionale Bierkultur, indem sie ausprobieren und neue Biere auf den Markt bringen. Zudem habe ich das Gefühl, dass die Jungen in der Region ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass Bier geschmacklich unglaublich viel zu bieten hat – auch zu einem gehobenen Essen.