Baden

«Ich höre auf die Farben»

Chaotische Farbkleckse oder schwimmende Menschen: Die Distanz entscheidet.

Chaotische Farbkleckse oder schwimmende Menschen: Die Distanz entscheidet.

Erfolgsmalerin Chrissy Angliker wanderte mit 16 nach Amerika aus – Nun ist sie zu Gast in der Galerie 94

In einem Interview liess Chrissy Angliker verlauten, dass sie die Wände der Galerie 94 im Merker-Areal «sexy» findet. «Ich liebe geschichtsträchtige Gebäude wie dieses», sagt die mädchenhaft wirkende 32-Jährige. «Die Räume, in denen ich ausstelle sind mir sehr wichtig, um meine Bilder richtig zu ‹orchestrieren›.» Für die grossformatigen Acrylmalereien, die sie bis zum 27. September 2015 im oberen Stock der Spedition präsentiert, hat sie sich vorwiegend Menschenmassen und Wasser zum Motiv genommen. Raffiniert an ihren Werken ist, dass die von Nahem flüchtig hingeworfenen und chaotisch wirkenden Farbkleckse sich aus die Distanz zu einem klaren Motiv zusammenfügen. «Ich höre auf die Farben und reagiere auf sie», erklärt Angliker ihren Malprozess, «manchmal lass ich sie tropfen oder runterlaufen, dann wieder setzte ich den Pinsel ein oder trage so dick auf, dass ich einen Löffel brauche.» Die Balance zwischen Zahmheit und Unkontrollierbarkeit, zwischen der künstlerischen Absicht und der Eigendynamik der Farbe kommt in Gemälden voller Kraft und Dynamik zum Ausdruck.

Mit 16 Jahren nach Amerika

Bereits mit 16 wusste Angliker, dass sie Malerin werden wollte. Sie verliess das elterliche Domizil in Greifensee und zog nach Amerika, um eine Kunsthighschool zu absolvieren. «Mir war mein grosser Schritt damals gar nicht bewusst. Ich dachte immer: Bald geht’s eh wieder nach Hause», erinnert sich die Künstlerin. 16 Jahre später ist sie immer noch da, hat ein eigenes Studio in Brooklyn und erfreut sich einer zunehmenden Fangemeinde, die ihre Bilder geradezu sammelt. «Meine Wurzeln sind aber immer noch hier», betont Angliker mit amerikanisch gerolltem «r». Nach ihrer Weiterbildung zur Industriedesignerin trat die Malerei in den Hintergrund. Doch als sie bei ihrem Arbeitgeber für Paris Hilton etwas äusserst Banales designen sollte, fiel sie in ein Loch. Erst bei einem Timeout zu Hause in der Schweiz fand sie zu ihrer ursprünglichen Leidenschaft und damit zu sich selber zurück. 2013 wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit, der für sie allerdings mit vielen Existenzängsten verbunden war. Doch der internationale Erfolg gibt ihr Recht. «Die Malerei ist die einzige Sprache, in der ich mich fliessend ausdrücken kann», erläutert die zierliche Frau mit den platinblonden Haaren. Sascha Laue hat Chrissy Angliker in New York kennen gelernt und nach Baden gebracht. Wie es mit seiner Galerie 94 weitergeht, ist noch ungewiss. Wegen gestiegener Mietzinsen kann er sich den Betrieb ohne zusätzliches Sponsoring nicht leisten. «Bis Ende Jahr laufen noch Ausstellungen, nachher ist das Schicksal der Galerie offen», gibt der Architekt und Badener Kulturschaffende zu bekennen.

Die Ausstellung mit Bildern von Chrissy Angliker in der Badener Galerie 94 (Innenhof Merker Areal) dauert bis zum 27. September 2015. Öffnungszeiten: Do und Fr, 18 bis 20 Uhr, Sa und So, 13 bis 17 Uhr.

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