Fantoche
«Ich möchte das Steuer nicht herumreissen»

Am Dienstag startet das Animationsfilmfestival Fantoche – ein Gespräch mit der neuen künstlerischen Leiterin Annette Schindler über die Highlights im Programm und die zukünftige Ausrichtung des Anlasses.

Evelyne Baumberger
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Blickt nach vorne und zurück – die neue «Fantoche»-Leiterin Annette Schindler. Annika Buetschi

Blickt nach vorne und zurück – die neue «Fantoche»-Leiterin Annette Schindler. Annika Buetschi

Annette Schindler, Sie stehen kurz vor der Eröffnung Ihres ersten «Fantoche» – wie geht es Ihnen?

Annette Schindler: Tipptopp, ich bin ziemlich im Schuss und im Strudel, überall sind die letzten Vorbereitungen in Gang. Erste Gäste treffen ein und wir geben dem Festival den letzten Schliff.

Sie bringen schon Erfahrung mit dem Shift-Festival für elektronische Künste in Basel mit ...

Für mich ist es eine ganz andere Erfahrung: Das Shift-Festival haben wir neu gegründet, hier hingegen bestanden Infrastruktur und Beziehungen schon.

Auch das Medium ist ein anderes, die Hürde zum Publikum ist bei multimedialen Künsten höher als beim Animationsfilm. Wie fühlte sich dieser Wechsel an?

Die Breite der Produktion ist beim Animationsfilm grösser. Es gibt auch dort Leute, die künstlerisch an Grenzen gehen und Neuland erschliessen. Diese Filmemacher gehen genauso kritisch und experimentell an ihr Medium heran wie Medienkünstler. Es hat aber auch Leute, die den Anspruch haben, etwas in Top-Qualität zu machen, das viele Leute anspricht. Das ist in der Medienkunst weniger der Fall.

Ist Medienkunst kompromissloser?

Nein. Für mich handelt es sich nicht um Kompromisse, wenn wir Filme zeigen, die ein breites Publikum ansprechen. Das ist sogar sehr erwünscht – es geht ja darum, Menschen Zugang zu einem Medium und Inhalten zu bieten, an die sie sonst nicht so leicht herankommen. Je nach dem lässt sich der eine oder andere auch verführen, etwas Experimentelles anzuschauen. «Shift» ist auch nicht radikaler, sondern spielt sich einfach eher in einer Nische ab.

Was war für Sie ausschlaggebend, sich bei «Fantoche» zu bewerben?

Das Festival fasziniert mich. Es ist super aufgestellt, hat eine tolle Dynamik, es ist eine Perle in der Schweizer Festivallandschaft. Ausschlaggebend war für mich aber auch die Tatsache, dass ich vieles mitbringe, was für «Fantoche» nützlich ist. Ich komme nicht aus dem Niemandsland.

Was für Highlights legen Sie unseren Lesern ans Herz?

Wir haben das Programm konsequent nach Themen strukturiert. «The Future ain’t what it used to be» hat mit dem Festivaljubiläum zu tun, «Fantoche» findet ja dieses Jahr zum 10. Mal statt. Die Kurzfilmprogramme wurden von Top-Kennern der Szene kuratiert und ich freue mich besonders auf die Zukunftsforscher, die zu uns kommen und erzählen. Man sollte aber auch unbedingt die Nase beim Programmblock «Independent Games» reinstecken.

Fokus ist dieses Jahr das Filmschaffen aus Tschechien.

Darauf freue ich mich riesig, denn wir zeigen zum Beispiel Originalfilme aus den 40er- und 50er-Jahren, die international Massstäbe gesetzt haben. Mit der politischen Wende in Tschechien wurde den Filmern der Stecker gezogen, inzwischen schreitet aber eine neue Generation in die Zukunft. Wir haben all das zu einem grossen, schönen Paket geschnürt.

Das Kinderprogramm hat dieses Jahr mehr Gewicht. Warum?

Ja, unter anderem gibt es auch tschechische Kurzfilme für Kinder. Wir haben auch Workshops und eine Reise um die Welt, die mutige 4- bis 7-Jährige antreten können. Kinder sind ein wichtiger Faktor und machen das Festival lebendig.

«Fantoche» schaut mit der 10. Ausgabe auch in die Zukunft. In welche Richtung geht das Festival?

«Fantoche» ist bereits sehr gut aufgestellt, ich möchte das Steuer nicht herumreissen. Man kann mit dem Formen des Programms immer wieder andere Leute involvieren, das Festival lässt sich auch infrastrukturell noch verbessern. Aber bei dem Teil, den wir dem Publikum anbieten, will ich auf Kontinuität setzen und weiterhin immer wieder Themen aufgreifen, die in der Luft liegen.

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