«Ich habe nichts gegen die Besitzer der ‹FAB Auto› und sie tun mir auch leid. Trotzdem will ich kein Industriequartier finanzieren», sagt Albert Ducret und zeigt auf einen Platz in der Nähe des Wohlenschwiler Waldrandes. Baupfeiler ragen in die Höhe. Ein halbes Jahr ist es jetzt her, als es hier lichterloh brannte. Eine Abbruchhalle der «FAB Auto» wurde dabei zerstört (siehe Kasten). Der Besitzer des Autoverwertungsbetriebes, Bernhard Bärtschi, will diese jetzt wieder aufbauen. Es soll aber nicht wie bisher eine, sondern zwei Hallen geben. Die eine soll als Werkstatt, die andere als Lagerhalle benutzt werden.

Angst vor mehr Verkehr

Der Gemeinderat bewilligte das Projekt im Juli. «Es werden alle Bauvorschriften eingehalten», sagt Vizeammann Peter Meyer. Nur: Alt Gemeindeammann Albert Ducret ist damit nicht einverstanden. Laut dem «Reussboten» ist er der Meinung, dass der Gemeinderat eine «Gefälligkeitsbewilligung» erteilte, und hat Einsprache beim Aargauer Regierungsrat erhoben: Ducret ist überzeugt, dass die Firma um bis zu 40 Prozent erweitert und zu einem modernen Recyclingcenter ausgebaut werden soll. Viel zu gross, kritisiert er: «Dafür ist am Waldrand kein Platz. Die ‹FAB Auto› wäre in einem bestehenden Industriequartier besser aufgehoben.»

Ein Ausbau würde mehr Verkehr für das Dorf bedeuten: «Die Zufahrtsstrasse ist bereits heute viel zu eng für die Lastwagen. Sie müsste auf Kosten der Steuerzahler erweitert werden.» Gleiches gilt für die Kanalisation: «Diese stösst bereits heute an ihre Kapazitätsgrenzen.» Zudem sei das Grundstück auf einem belasteten Standort, der zuerst nach Altlasten untersucht werden müsste. «Beim Grossbrand hat man deutlich gesehen, dass die Firma am falschen Ort steht. Der Verkehr, die Wasser- und Elektroversorgung sind zusammengebrochen», so Ducret.

Industriestandort ist nicht geplant

«Ich verstehe die Argumente von Albert Ducret nicht», sagt Ulrich Siegrist, Anwalt des Bauherrn Bernhard Bärtschi. «Es ist doch normal, dass bei einem Grossbrand der Verkehr und die Elektrizität zusammenbrechen», sagt er und betont, dass die Besitzer der «FAB Auto» die Produktion weder vergrössern noch zusätzliche Mitarbeiter einstellen wollen. «Von einem neuen Industriestandort oder Recyclingcenter kann keine Rede sein.» Stattdessen sollen aus Sicherheitsgründen zwei Hallen entstehen: «Wenn ein Feuer ausbricht, macht es Sinn, wenn Werkstatt und Lagerhalle getrennt sind.»

Das Unternehmen hätte auch kein Interesse daran, die Zufahrtsstrasse auf Kosten der Steuerzahler auszubauen: Zusätzlichen Schwerverkehr werde es nicht geben. «Es wird bei ein bis zwei Lastwagen pro Woche und ein bis zwei Kleintransportern pro Tag bleiben. Sattelschlepper fahren ja schon seit längerem kaum noch zum Unternehmen», so Siegrist. Zudem würde es keine Probleme mit der Kanalisation geben: «Das haben Fachleute bereits abgeklärt.» Experten hätten auch nach dem Brand bestätigt, dass es auf dem Firmengelände keine Altlasten gebe. Siegrist versteht nicht, warum gerade jetzt der Wiederaufbau der Halle hinausgezögert wird: «Der Gemeinderat und die Einwohner haben sich mehrmals für diesen Firmenstandort ausgesprochen. Das letzte Mal kurz vor dem Brand, als die Nutzungsplanung des Dorfes überprüft wurde.»