Wer seine alten Ikea-Möbel loswerden möchte, versucht nicht selten, diese über Onlineplattformen wie Ricardo zu verkaufen, sofern sie noch gut instand sind. Ab Januar kann man nun seine Kommode oder den Esstisch direkt an Ikea verkaufen. Dann startet der Möbelriese in Spreitenbach das Pilotprojekt «Second Life». Kunden können gebrauchte Ikea-Möbel zurückbringen und erhalten dafür bis zu 60 Prozent des Verkaufspreises zurück, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Der Pilotversuch ist vorerst auf drei Monate und auf die Filiale in Spreitenbach beschränkt.

Ab Anfang Jahr können Kunden auf einer eigens aufgeschalteten Website eine Liste abrufen, auf der sämtliche Produkte, welche Ikea zurücknimmt, gelistet sind. «Im Pilotprojekt beschränken wir uns auf bestimmte Möbelfamilien, behalten uns aber vor, das Angebot auf weitere Produkte auszuweiten, wenn sich das Angebot während der Testphase bewährt», sagt Ikea-Sprecher Manuel Rotzinger gegenüber dem «Badener Tagblatt».

Mithilfe mehrerer Parameter wird der maximale Rückkaufpreis errechnet. Kommoden, Schränke, Esstische und weitere Möbel kann der Kunde quasi zurückverkaufen, wenn sie «vollständig aufgebaut, sicher zu benutzen und in gutem Zustand sind», wie Rotzinger gegenüber der «NZZ am Sonntag» sagt. Auf Anfrage ergänzt Rotzinger: «Um den Maximalbetrag, also 60 Prozent des ursprünglichen Verkaufspreises, zu erhalten, darf das Möbel nicht älter als drei Jahre sein und muss in einem sehr guten Zustand sein.» Allerdings erhalten die Kunden kein Bargeld, sondern den Betrag in Form von Ikea-Gutscheinen.

Der Möbelhändler verkauft die zurückgekauften Möbel wiederum in seiner firmeneigenen Fundgrube, wo heute bereits Occasionsmöbel zu günstigeren Konditionen verkauft werden. «In Spreitenbach hat die Fundgrube eine verhältnismässig grosse Fläche, die rege genutzt wird», sagt Rotzinger. Deshalb habe man sich für diesen Standort entschieden. Zudem hat Ikea vor zwei Jahren in der Schweiz eine Umfrage bei 2000 Personen durchgeführt. Zwei Drittel der Befragten würden Möbel zurückbringen, wenn sie dafür einen Gutschein erhalten. «Deshalb denken wir, dass es in Spreitenbach sowohl ein Angebot als auch eine Nachfrage für diesen Service gibt», sagt Rotzinger. Der Wiederverkaufspreis bei Möbeln aus der Fundgrube soll kostendeckend sein. Ladenhüter werden rezykliert oder entsorgt.

Kritik an «Second Life»

Mit «Second Life» teste Ikea eine Möglichkeit, den Produktlebenszyklus zu verlängern. Doch das schwedische Möbelhaus stösst mit seinem Projekt auch auf Kritik. Denn die Gutschriften via Gutschein würde zu weiteren Käufen animieren, was weder nachhaltig noch ökologisch sei. Gegenüber der «NZZ am Sonntag» entgegnet Rotzinger: «Unser Ziel ist es, Konsum zu ermöglichen, der auf Ressourcen aus nachhaltigen Quellen und erneuerbaren Energien setzt.» Auch achte man darauf, dass sich die Materialien einfach rezyklieren liessen. Mann wolle die Lebensdauer der Möbel sinnvoll verlängern. «Der Gutschein ist letztlich nur ein Anreiz, der das Angebot attraktiver macht.»

Übrigens: Bereits heute nimmt Ikea an all ihren Standorten Möbel zur Entsorgung zurück. Dafür zahlt der Kunde allerdings zehn Franken pro Möbel.