Acht Jungs aus dem «Unterland» sitzen in der Rhätischen Bahn, würden die «Oberländer» sagen, mit reichlich viel Gepäck: Akkordeon, Kontrabass, Verstärker, Gitarre, Cajon und einigen weiteren Plundereien. Es ist die Band Pamplona Grup aus dem Grossraum Baden. «Proxima fermada Sumvitg-Cumpadials, fermada sin damonda» – nächster Halt Sumvitg-Cumpadials, Halt auf Verlangen. Reiseziel: Alp Glivers im Bündner Oberland auf 1919 Meter über Meer.

Voll bepackt mit Instrumenten und Instrumentalisten rattert das Büssli die Südflanke hoch. Kurve um Kurve schlängelt sich der Feldweg nach oben. Samstagnachmittag, Wolkenreste kleben in den Berghängen. Die Heidelbeeren sind reif, der Thymian duftet. Die Kühe der Alp weiden weiter oben, wo das Gras noch grün und frisch ist.

Vier Ziegen begrüssen die Jungs mit einem freudigen Meckern. Es sind Alva, Camutscha, Zaia und Zocla. Luca, der kleine Ziegenhirte, lehnt lässig am Zaun. Nebenbei gackern die drei Alphühner. Auf der Terrasse schmort bereits die Polenta im Feuertopf.

Auftritt durch die Stalltür

Durch die Stalltür betritt die Band den alpinen Konzertraum im umgebauten Alpstall. Einst wurden hier nur Kühe eingestallt – heute können Gäste im Dachgeschoss übernachten. Vor den hölzernen Futterkrippen mit den schweren Viehketten sind Strohballen zu Sofas hergerichtet – Baumstrünke bilden die Tische, Spanplatten den Tanzboden. Ein kleiner Lichtstrahl fällt durchs Dachfenster. «Voll fett», ruft einer der Musiker aus.

Vollfett ist auch der Alprahm der Kuhalp nebenan: Pamplona Grup ist Gast am «Fiasta da Groma» – auf Deutsch Alprahmfestival – auf der Alp Glivers. Organisiert wurde dieses von zwei landwirtschaftlichen Bio-Betrieben (Amarenda/Lamaventura und Geissherz) und dem Verein Agricultura. Nach rahmigen Speisen – Polenta mit Rahm, Älplermagronen und Maluns – erklingen die ersten Geigentöne aus dem Stall. Es sind Menschen von da und dort, die sich auf den Strohballen zusammenfinden: die einen aus der grossen Stadt, andere aus einem kleinen Bergdorf – ein Zusammentreffen zweier Welten. Insgesamt haben sich über 80 Gäste zum Konzert der Badener Band versammelt. Es dauert nicht lange, da wirbeln die ersten Zuhörer über den Tanzboden. Sie tanzen so wild, dass der Alprahm längst zu Butter geworden wäre.

An der Stallbar haben sich der Senn, der Zusenn und der Hirte von nebenan versammelt. Der Senn bestellt eine Runde Obstler. Die Kerzen flackern, die Füsse wippen. Man fragt sich, ob die Kühe auch tanzen würden, wenn sie da wären. Jedenfalls gäbe es ohne sie nur halb so viel zu feiern – denn ohne Alpbutter, ohne Milch, Joghurt und Alpkäse sähe das Leben ganz anders aus. Oder wie Pamplona diese Lebensqualität auf ihrer Homepage rühmt: «Eine Art Heimkehr – mit viel Käse und Wurst.»