Skulpturenpark

Im Bruno Weber Park hängt erneut der Haussegen schief: Witwe und Verein erheben Einsprache

Maria Anna Weber und der Verein «Freunde Bruno Weber Park» wollen ein Provisorium auf dem Dach des Wassergartensaals verhindern.

Im Bruno-Weber-Park hängt einmal mehr der Haussegen schief. Geäussert hat sich dies zuletzt in einem Streit um die Nutzung des Wassergartensaals, der zusammen mit der umliegenden Parzelle der Stiftung gehört. Nun geht es darum, was auf dessen Dach entstehen soll: Bei der Gemeinde Spreitenbach sind zwei Einsprachen eingegangen, die den von der Stiftung geplanten Bau eines provisorischen Lagers mit Modellraum und Atelier verhindern sollen. Die Absender: Maria Anna Weber, Witwe des 2011 verstorbenen Dietiker Künstlers, und der Verein «Freunde Bruno Weber Park».

Sie beantragen der Gemeinde, auf deren Boden der Skulpturenpark steht, erst gar nicht auf das Gesuch einzutreten. Dass dieses überhaupt eingereicht wurde, komme nämlich einem «Rechtsbruch» gleich, wie der Verein schreibt. So sei Maria Anna Weber über das Projekt «weder angemessen informiert noch um ihr Einverständnis ersucht» worden. Dies stehe ihr gemäss der im Mai 2015 unterzeichneten Nutzungsvereinbarung zwischen ihr und der Stiftung aber zu. Dort steht: «Die Umsetzung weiterer Projekte von Bruno Weber und die allfälligen Erweiterungen des Bruno Weber Parks sind vorgängig mit Maria Anna Weber abzusprechen.»

Ihr Mitspracherecht sei beim vorliegenden Projekt verletzt worden, schreibt Weber in ihrer eigenen Einsprache. Sie sei von Stiftungsrat Eric Maier erst kurz vor der geplanten Baugesucheingabe auf die Pläne hingewiesen worden, mit der Forderung, diese gleich zu unterschreiben. Weber weigerte sich – auch, weil sie auf den ihr vorgelegten Plänen Textpassagen entdeckte, die sie als «inakzeptabel und beleidigend» bezeichnet.

In den Begleittexten, die wie auch die Einsprachen der Limmattaler Zeitung vorliegen, äussert sich die Stiftung zur grösser werdenden Kluft zwischen ihr und der Künstlerwitwe.
Von der Gemeinde fordert Maria Anna Weber nun nicht nur, auf das aktuelle Gesuch nicht einzutreten. So soll die Bauherrschaft auch darauf aufmerksam gemacht werden, «dass inskünftig auf Baugesuche der Bruno Weber Stiftung ohne den Nachweis meiner Zustimmung wegen Unvollständigkeiten der Unterlagen nicht eingetreten werde».


«Nicht tolerierbarer Eingriff»

Sollte die Gemeinde «wider Erwarten» auf das Geschäft eintreten, fordern Weber und der Verein in ihren Einsprachen, das Gesuch abzulehnen. «Ein über fünf Meter hohes und über 20 Meter langes Lagergebäude direkt auf das Dach des Wassergartensaals stellen zu wollen», kommt für sie aus mehreren Gründen nicht infrage – auch nicht, wenn es sich um eine vorübergehende Situation handelt. «Die überdimensionierte Holzbaracke» stelle einen «nicht tolerierbaren Eingriff in das Gesamtwerk Bruno Webers dar» und verunstalte die ganze Wassergartenparzelle, steht in den Einsprachen. Die Pläne des Stiftungsrats würden sowohl dem Stiftungszweck wie auch Bruno Webers Originalplänen eines Raupenbaus auf dem Dach des Wassergartensaals widersprechen.

In Sachen Wassergartensaal hatte das Vereinsmitglied Martin Christen bereits im Frühling Kritik an der Stiftung geübt. Dass diese dort Platz für ein grosses, instandzustellendes Modell des Skulpturenparks gemacht und einen Teil der Räume auch als Büro und Atelier für Restaurations- und Inventarisierungsarbeiten genutzt hatte, bezeichnete der Spreitenbacher alt Grossrat als respektlos. Obwohl der Saal selbst nicht Gegenstand des Baugesuchs ist, und obwohl ein grosser Teil des Saals bereits wieder geräumt wurde, fordern die Einsprecher nun ausserdem, dass der Wassergartensaal «in seinem ursprünglichen Zustand wiederherzustellen» sei. «Wir wollen damit unserer Forderung Nachdruck verleihen, dass die Umnutzung komplett rückgängig gemacht werden soll», sagt Christen.


Lager: «Dringend notwendig»

Der Stiftungsrat erklärt gegenüber der Limmattaler Zeitung, dass er es zwar eigentlich grundsätzlich ablehne, «dass Meinungsverschiedenheiten dieser Art öffentlich ausgetragen werden sollen, vor allem wenn noch gar keine objektiven Bewertungen vorliegen». Zumal klar sei, dass «weitere öffentliche Streitsituationen dem bereits angeschlagenen Ruf des Bruno Weber Parks kaum Gutes tun».

Dennoch nimmt er zum geplanten Bauprojekt Stellung: Das Lager auf dem Flachdach sei «aus betrieblicher Sicht dringend notwendig» und «aus konservatorischer Sicht unabdingbar». Deshalb, so der Stiftungsrat, sollte die Schutz- und Nutzfunktion über dem ohnehin subjektiven Begriff der Ästhetik stehen. «Vor allem dann kann ein Auge zugedrückt werden, wenn es lediglich um ein temporäres Schutzprovisorium und nicht um einen Bauentwurf Bruno Webers geht, wie zum Beispiel das in reichlich späterer Zukunft geplante Raupenmuseum des Künstlers» – dieses ist im 11-Jahresplan der Stiftung vorgesehen. Dennoch gebe es «interessante Visualisierungsmöglichkeiten, die das Lager- und Nutzungsdach trotz seiner Einfachheit attraktiver aussehen lassen».

Das Lager sei zudem mit Rücksicht auf die gesetzliche Abstandseinhaltung gegenüber Maria Anna Webers Nachbarparzelle ausgerichtet. Es «dürfte aufgrund der alleinigen Eigentümerschaft durch die Bruno Weber Stiftung auch ohne Unterschrift der Nachbarin genehmigt werden».

Zur Umnutzung des Wassergartensaals schreibt der Stiftungsrat, dass sich Maria Anna Weber von der Stiftung zu Weihnachten 2014 selbst gewünscht habe, «dass im Wassergartensaal der Raum für Firmenseminare und -apéros eingeteilt ist und dass in ein bis zwei Jahren das Modell von Bruno Weber im Wassergartensaal steht». Dies sei nun erfüllt, zumindest provisorisch – man habe aber nicht damit rechnen könne, «dass Frau Weber ihre Wünsche wieder umformuliert».

Es ist nicht das erste Mal seit Bruno Webers Tod vor gut fünf Jahren, dass Spannungen zwischen der Stiftung und seiner Witwe zutage treten: Im Februar 2014 trat der damalige Stiftungsrat geschlossen zurück, worauf der auch finanziell arg in Schieflage geratene Park unter Zwangsaufsicht gestellt wurde. Ende 2014 wurde dann ein neuer Stiftungsrat um Präsidentin Isabelle Cart präsentiert, der mittlerweile selbst bereits auf mehrere Personalwechsel zurückblickt.

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Autor

Sophie Rüesch

Sophie Rüesch

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