Im Zentrum steht das alte Handwerk der Köhlerei. Seit zwei Wochen qualmt der Meiler, was je nach Wetter-, Druck- und Windsituation im Dorf gut riechbar ist. Vor vier Jahren stand beim Rotchrüz erstmals ein Kohlenmeiler. Im 500 Meter entfernten Wohnquartier weiss man, was zu tun ist: Fenster schliessen, wenn die Rauchschwaden durch die breite Schneise ins Dorf hinunterziehen. Wer es morgens vergisst, trifft abends eine stinkende Wohnung an. Wäsche im Freien aufzuhängen, daran ist nicht zu denken.

Einige nehmen es gelassen, andere sprechen von einer Zumutung. Öffentlich darüber reden, das will fast niemand. Viele sind halt über die Dorfvereine eingespannt, schweigen oder machen die Faust im Sack. Eine Einsprache gegen den Meiler hat es im Vorfeld gegeben. Der Gemeinderat hat sie abgelehnt. Begründung: Gesundheitlich sei er unbedenklich.

Bei der Köhlerei stelle man sich auch gesundheitliche Fragen, sagt ein Anwohner, der sich über Reizhusten, Kopfschmerzen, Schwindel beklagt und dies mit dem Meiler verbindet. Eine Mutter glaubt, dass die Grippe-Symptome bei zwei Schulkindern von einem Meiler-Besuch herrühren würden. Die Ursache sei toxischer Natur (Rauchvergiftung), habe eine Bioresonanz-Abklärung ergeben.

Nach der Rechnung eines besorgten Quartierbewohners würden beim Köhlern von sechs Tonnen Buchenholz (70 Ster) allein 646 Kilogramm giftiges Kohlenmonoxid entstehen; bei drei Wochen Brenndauer rund 31 Kilogramm pro Tag – nebst Kohlendioxid und andern polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen. Diese Zahlen seien nicht korrekt, entgegnet man beim Köhlerverein.

Es wurde auch schon reklamiert

«Wir haben Reklamationen aus dem Dorf», bestätigt Gemeindeschreiber Stephan Abegg. Elementar sei, dass sich die Köhlerei für die Bevölkerung nicht schädlich auswirken dürfe. «Je nach Windsituation sind Teile des Wohngebiets betroffen», sagt Gemeindeammann Marlène Koller. Das lasse sich nicht wegdiskutieren. Auf der andern Seite weist sie auf den gesellschaftlichen Wert des Meilerfestes hin: «Da treffen sich Menschen aus dem Dorf, die sonst nie zusammenkommen würden.» Dass Gemeinderäte dem Köhlerverein angehören, ändere daran nichts, dass die Immissionen ein Thema bleiben würden, so Koller. Eine nächste Bewilligung am selben Standort werde nicht vor fünf oder mehr Jahren möglich sein, meint Koller.

«Wir bemühen uns, die Immissionen gering zu halten», sagt Förster Dani Hitz, Präsident des Köhlervereins. Bei der Eingabe für den Meiler stützte er sich auf die Beurteilung eines Chemikers der Uni Zürich. Darin führt dieser unter anderem auf, dass Meiler-Rauch «ungefährlich ist, wenn er nicht direkt eingeatmet wird».

Keinen Geruch festgestellt

«Gesundheitlich unbedenklich» lautet auch das Urteil einer Mitarbeiterin der Abteilung für Umwelt beim Kanton nach ihrem Augenschein. Die Kantonsbeauftragte erklärt, sie habe im Quartier nichts festgestellt. Für die Einsprecherin Doris Hirsch-Hoffmann (die als Einzige mit Namen hinsteht) ist diese Beurteilung unzulänglich. «Wäre die Frau eine halbe Stunde später gekommen, hätte sie zumindest die Geruchsimmissionen festgestellt.» Ihr Vorgesetzter, Heiko Loretan, für «Luft und Lärm» zuständig, bestätigt dies, räumt aber ein, dass die Inspektion «nur optisch und mit der Nase geschehen ist».

«Wir haben uns zudem beim Bundesamt für Umwelt rückversichert», rechtfertigt sich Loretan. Es entstehe zwar beim Verkohlungsprozess giftiges Kohlenmonoxid. «Das tritt aufgrund der grossen Distanz zwischen Meiler und den ersten Wohnhäusern in einer stark verdünnten Konzentration auf, die keinerlei Schaden anrichten kann.» Menschen seien im Wohngebiet darum keine gefährdet.

Wie ist es mit den Kleintieren neben dem Meiler ist, oder wenn eine Mutter ihr Kleinkind in der Tragtasche daneben abstellen und dem Kohlendioxid aussetzen würde, das fragt sich ein Kritiker, der nun beim Gemeinderat vorstellig werden will.

Verbrennen ist nicht Schwelbrand

Die Mitarbeiterin des Kantons verwies auf Cheminées und Holzöfen, vergisst aber: Verbrennung ist nicht gleich Schwelbrand. «Aus unserer Sicht sind die vorsorglichen Massnahmen gemäss Luftreinhalte-Verordnung für einen Kohlenmeiler getroffen worden», heisst es beim Kanton. Messungen sind jedoch nirgends gemacht worden, und die Köhlerei ist in der Verordnung nicht geregelt. In Köniz musste ein Meiler vor zwei Jahren verschoben werden, weil der Geruch Anwohner belästigt hatten.

Geruchsimmissionen reduziert

Abbrennen lassen und Schluss für immer an diesem Standort, fordern Betroffene. Andere regen sich mehr über den damit verbundenen Autoverkehr auf. Bei aller Euphorie der vielen Helferinnen und Helfer des Köhlervereins müsse man genau diskutieren, ob, und, wenn ja, in welchem zeitlichen Abstand ein nächster Meiler bewilligt werden könne, erklärt Gemeindeschreiber Abegg.

Köhlerin Doris Wicki versucht ständig, die Immissionen gering zu halten. Sie stopft die Löcher und legt eine Blache über den Meiler, sobald der Rauch auf die Dorfseite geht. Wechselt die Windrichtung wieder, beschleunigt sie den Verkohlungsprozess, indem sie für bessere Sauerstoffzufuhr neue Löcher macht.

«Ohne Immissionen geht es nie», sagt Dani Hitz. Er respektiere die Anliegen der Betroffenen und sei zu Lösungen bereit. Andererseits haben rund 20 Schulklassen ein altes Handwerk kennen gelernt. Total verzeichne man beim Meiler bereits 7000 Besucherinnen und Besucher. Wicki kann Betroffene beruhigen: «In vier Tagen ist der Meiler ausgebrannt.» Dann lässt man ihn erkalten. Ausgezogen und geöffnet wird er erst im Mai 2013 – erneut mit einem Meilerfest, aber ohne Geruchsimmissionen.