«Sehr viele Künstler sind nachtaktiv und schlafen tagsüber», sagt Christian Greutmann, Kurator des Gluri-Suter-Huus, der das Thema «Nacht» für die noch bis zum 1. April stattfindende Ausstellung gewählt hat.

Die dunklen Stunden verleiten zum Träumen, aber auch zur Melancholie. Einsamkeit wiegt doppelt so schwer, Fantasien werden wahr, und was tagsüber nüchtern ist, wirkt im künstlichen Licht plötzlich pittoresk oder grotesk.

Die Ölbilder von Anna Gridazzi aus Zürich zeigen Impressionen aus ihrem Zweitwohnsitz Genua zur «l’heure bleue», der magischen blauen Stunde nach Sonnenuntergang.

Es ist die Zeit, wenn die Hektik sich vom Tag verabschiedet, Gassen menschenleer werden und sowohl Dächer der Altstadt als auch entfernte Fabrikgebäude im diffusen Licht plötzlich romantisch wirken.

Künstler rettet Werke aus Flammen

Peter Bräuniger, der Lebensgefährte von Gridazzi, hat sich auf Aquatinta spezialisiert, eine der schwierigsten Tiefdrucktechniken, die enorm viel Präzision erfordert.

Für den ehemaligen Matrosen, der zwischen Zürich, Hamburg und Genua pendelt, ist das Schiff ein Sinnbild für die Gesellschaft.

So zeigt er es als gestrandete Arche Noah oder als Passagierschiff, in dem ganz klein im noblen Salon eine Pianistin bei ihrem Spiel zu entdecken ist. Manche Szenerien wirken fast schwülstig. Auch nach langem Hinsehen entdeckt man immer wieder neue Details.

Giampaolo Russo, der in Zürich lebende Sizilianer, fertigt seine Drucke im Mezzotinto-Verfahren (Schabkunst). Er zeigt die Dunkelheit, in der Menschen nur noch als Silhouetten wahrzunehmen sind.

Die Gesichter schälen sich aus den schwarzen Tuschflächen heraus, wirken ernst, bisweilen fast schwermütig. Sein Atelier in der Roten Fabrik ist 2012 niedergebrannt und alle sich dort befindenden Werke wurden zerstört. Was er auf Kupferplatten noch retten konnte, präsentiert er nun in Wettingen.

Die in Basel wohnende Monika Ruckstuhl arbeitet mit Gouache und Öl. Auf ihren Gemälden sind zerknautschte Kissen, ein wehender Vorhang oder ein zerknittertes Laken zu sehen.

Alles wirkt so, als ob jemand die Szenerie gerade eben verlassen hätte. Esther Kempf – die Fünfte im Ausstellungsbund – hat eine Mischung zwischen Velo und Auto kreiert. Die Installation wird nur als Foto gezeigt, weil sie sonst zu viel Raum in Anspruch genommen hätte.

Mit ihrem Gefährt machte sie eine nächtliche Berg-und-Tal-Fahrt im Raum Kloten, die sie im Gluri-Suter-Huus auf Video zeigt.

Dazu inspirieren liess sie sich vom Blockbuster «Mulholland Drive» von David Lynch, mit dessen Filmmusik sie auch ihr dreieinhalbminütiges Video untermalt.

Damit lässt sie die Zürcher Gemeinde fast ein bisschen wie Hollywood wirken. Im Dunkeln der Nacht ist eben fast alles möglich.

Ausstellung «Bilder der Nacht», bis zum 1. April in der Galerie Gluri-Suter-Huus.