Baden
Im «Film im Kopf» erlebt der Zuschauer zwölf Stadien eines Burnouts

Die meisten Filmemacher wollen mit ihren Werken unterhalten. Tanya Squirrell zählt nicht zu ihnen. Sie lässt im Streifen «Film im Kopf» das Publikum die Welt durch die Augen eines Burnout-Betroffenen betrachten.

Manuel Bühlmann
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Tanya Squirrell hat einen Film über Burnout gedreht, der andere Zwecke erfüllen soll, als nur zu unterhalten. «Bewusst unangenehm» sei dieser gestaltet, sagt die Badenerin. «Der Film soll aufrütteln und zum Nachdenken anregen.»

Zu diesem Zweck lässt sie die Zuschauer die schleichende Ausbreitung der Krankheit aus der Sicht eines Betroffenen mitverfolgen. Ein beruflich erfolgreicher Mann – gefilmt aus der Egoperspektive – durchlebt in «Film im Kopf» die zwölf Stadien eines Burnouts.

Pulsschlag statt Dialoge

Vom Zwang, sich beweisen zu müssen reicht der Film bis hin zur völligen Erschöpfung, die im Zusammenbruch auf dem Flur der Wohnung gipfelt. Auf Dialoge hat Tanya Squirrell bewusst verzichtet. Stattdessen begleitet ein Pulsschlag durch den gesamten Film, der sich kontinuierlich steigert – und die hohe Belastung im hektischen Alltag verdeutlichen soll. Je näher der Kollaps des Protagonisten kommt, desto grauer und unschärfer wird das Bild.

In ihrer Zeit als Praktikantin in einer psychotherapeutischen Klinik kamen Menschen zu ihr in die Kunsttherapie, die von ihren Erfahrungen mit einem Burnout erzählten. Das Interesse für die Krankheit ist über die Praktikumszeit hinaus geblieben. «Ich wollte wissen, was wirklich hinter einem Burnout steckt», sagt die 37-Jährige. Deshalb widmete Tanya Squirrell die Diplomarbeit, mit der sie ihre Ausbildung zur Mal- und Kunsttherapeutin abschloss, der Thematik – und beschloss, zusätzlich zum schriftlichen Teil einen Film zu drehen.

Drei Filmer, drei Jahre

Um sich optimal auf den Dreh vorzubereiten, führte sie Gespräche mit rund 20 Burnout-Patienten und las sich durch unzählige Fachbücher. Dabei hat sie viel gelernt über die «Notbremse der Seele», wie sie das Burnout nennt. Stress wird zum Dauerzustand, sodass der Körper vermehrt Hormone ausschütten muss – und irgendwann an seine Grenzen stösst. «Burnout ist eine ernst zu nehmende Krankheit, die sich über Jahre hinweg entwickeln kann», sagt Squirrell.

Nach der Recherche ging die Arbeit erst richtig los: Drei Jahre drehte, schnitt und vertonte das dreiköpfige Team, bis die endgültige Filmversion beendet war. Martin Schuster und Peter Weber vom Badener Kollektiv Videocrèmeschnitte unterstützten Tanya Squirrell, die selber über keine filmische Erfahrung verfügte.

Lange Drehtage als Belastung

Da alle drei Beteiligten den Film neben ihren Vollzeitjobs realisierten, fielen die Drehtage aufs Wochenende. Und sie hatten es in sich: «Es kam vor, dass wir bis zu 14 Stunden am Tag drehten», sagt Tanya Squirrell. «Das war neben Ausbildung und Arbeit eine riesige Belastung.» Dabei seien sie auch schon mal an ihre Grenzen gekommen. Um nicht selber ein Burnout zu riskieren, hätten sie viel miteinander gesprochen und auch eine mehrmonatige Drehpause eingelegt.

Der Film soll sensibilisieren

Resultat der jahrelangen Arbeit ist ein 25-minütiger Film, den es allerdings nicht auf Kinoleinwänden zu sehen gibt. Tanya Squirrell plant, «Film im Kopf» zur Prävention und Sensibilisierung in Firmen, Schulen oder im klinischen Bereich einzusetzen. Und auch wenn sie schon einige Anfragen erhalten hat: auf DVD wird der Film wohl nicht zu kaufen sein. «Es reicht nicht, den Film einfach nur zu zeigen, es braucht auch eine Erklärung dazu», sagt sie.