Baden
Im Frühling ziehen die ersten Mieter ins ehemalige «Promi» ein

Wo früher Musikgrössen aus aller Welt spielten und vielleicht Pferde lebten, ziehen bald Familien ein. Der Besitzer möchte die Wurzeln des historischen Gemäuers an der Limmat erhalten und erzählt mit Herzblut von dessen Sanierung.

Sabina Galbiati
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Der historische Torbogen wo möglicherweise einst Pferde ein und aus gingen, ist noch gut erhalten.
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Promi in baden
Auf dem Flachdach des Anbaus wird es eine 30 Quadratmeter grosse Terrasse geben.
Noch sind die Zimmer kahl und die dicken Mauern eingepackt.
Provisorische Holztreppen markieren die künftigen Stufen aus Holz.
«Pfus guet» unter den historischen Holzbalken.

Der historische Torbogen wo möglicherweise einst Pferde ein und aus gingen, ist noch gut erhalten.

Sabina Galbiati

Bald zwei Jahre ist es her, dass mit der «Ussufete» im «Promi» an der Limmatpromenade die Ära des legendären Musiklokals endete. Vielen dürfte die Terrassenbeiz in bester Erinnerung sein. Doch vom Restaurant und Musiklokal ist heute nichts mehr zu sehen.

Dafür kamen bei den Umbau- und Sanierungsarbeiten Gemäuer zum Vorschein, die mehrere hundert Jahre alt sein dürften. Überhaupt scheint das alte Haus an der Kronengasse 20 so manches Geheimnis zu wahren. «Wir vermuten, dass früher eine Fuhrhalterei mit Pferden im Gebäude war», sagt Jürg Schoop. Er und seine Frau Gaby haben während den vergangenen zwei Jahren das Haus saniert. «Das Haus ist zwar auf alten Stadtmodellen bereits zu sehen, doch über seine Geschichte wurde wenig geschrieben», sagt Schoop. Deshalb sei es sehr schwierig, sie zu rekonstruieren. Wegen dem Mauerwerk, das man im Kellergeschoss ausgegraben hat, wollen Historiker jetzt in den Archiven graben und herausfinden, was es mit dem Haus auf sich hat.

Ochsenblutfarbiges Dach

«Es ist unser Anliegen, dass möglichst viel von der historischen Substanz erhalten bleibt», sagt Schoop, der als Baugutachter arbeitet.

Wer künftig in einer der fünf 4,5- und 5,5-Zimmer-Wohnungen lebt, wird unter historischen Holzbalken schlafen und aus Fenstern schauen, die mit Muschelkalk umrahmt sind. Mit dem ochsenblutfarbenen Dach und der Aussicht auf die Limmat dürfen die Bewohner bei Freunden und Verwandten ein klein bisschen angeben.

Den Preis für die Mietwohnungen habe man noch nicht festgelegt. «Alles war ein wenig komplizierter und dauerte wegen den vielen historischen Entdeckungen länger», sagt Schoop. Das kostet auch mehr, wie viel verrät er zwar, möchte es aber nicht in der Zeitung lesen. Dafür lässt er es sich nicht nehmen, eine Führung durch die neuen alten Gemäuer zu machen.

«Man muss ein Haus spüren, wenn man davon erzählt.» Das gehe nur vor Ort. Und wie er durch die noch kahlen Zimmer geht, klopft er auf die unglaublich dicken Mauern und sagt: «So etwas findet man heute gar nicht mehr. Neue Häuser haben kaum halb so dicke Mauern.» Er streicht mit der Hand über den rötlichen Putz. Für die Wände habe man Rotkalkputz verwendet. «Der gleicht die Feuchtigkeit besser aus als andere Putzsorten.»

Herz erlaubt nur Miete

«Wir könnten diese Wohnungen niemals verkaufen. Auch wenn wir damit finanziell besser fahren würden», sagt er. «Dafür haben wir zu viel Herzblut in diese alten Mauern gesteckt.»

Noch sehen die Wohnungen mit ihren separaten Eingängen nackt und kalt aus, Kabel schlängeln sich durch die Zimmer, provisorische Holztreppen verbinden jeweils die drei Stockwerke der Wohnungen. Der Laie mag es kaum glauben, doch die ersten Mieter sollen bereits im Frühling einziehen. Im Limmatgeschoss ist Platz für Kultur eingeplant. «Es ist noch nichts spruchreif, aber wir können uns Ateliers gut vorstellen»; verrät Schoop.

Nur eines ist heute schon klar: Ein Restaurant oder Musiklokal wird es wegen des Lärms nicht mehr geben. Denn das war auch damals beim «Promi» schon ein Problem.

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