Spreitenbach
«Im Herzen bin ich ein Kind geblieben»

Bruno Schwender baut aus gebrauchten Dosen, Geranienkästen und anderem «Abfall» Modelleisenbahnen – nun präsentiert er sie in der Umweltarena.

Susanne Brem
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Und aus alten Dosen mit Tomatenpüree bastelte Bruno Schwender ganz neue Zugkompositionen
10 Bilder
Tankwagen aus Kinderüberraschungs-Ei
Im Herzen ist Bruno Schwender ein Kind geblieben.
Modelleisenbahnen Spreitenbach
Bruno Schwender in seinem Bastelkeller
Deckeli von Petflaschen mit neuem Verwendungszweck
Bis ins kleinste Detail gepflegt.
Bruno Schwender und sein Modelleisenbahnreich
Aus einer Alu-Getränkedose entstand ein fantasievoller Güterwagen
Aus den Tagen, an denen der Modellbauer anwesend ist, dürfen die Zuschaer diese Recyclingbahn selber steuern.

Und aus alten Dosen mit Tomatenpüree bastelte Bruno Schwender ganz neue Zugkompositionen

Susanne Brem

«Sogar Lady Gaga hat Getränke-Aludosen schon auf sehr originelle Weise recycelt», schmunzelt Bruno Schwender, «sie hat sie wie Lockenwickler in ihr Haar gedreht.» Der Tüftler aus Spreitenbach geht noch einen Schritt weiter: Er kreiert aus Dosen, Geranienkästen, Gemüsekistchen und anderem «Abfall» ganze Modelleisenbahnen.

Bereits zum vierten Mal präsentiert Schwender seine Recyclingbahn in der Umweltarena. Am Samstag war Vernissage. Seit er ein Schulbub war, fasziniert ihn die Eisenbahn. Besonders angetan haben es ihm die Regionalbahnen der Schweiz, weil sie Reisende in die schönsten Landschaften bringen und auch, weil sie immer bunt bemalt sind. Da aber Regionalbahnen viel zu klein seien, als dass grosse Modelleisenbahnhersteller solche Bahnen produzierten, kam er auf die Idee, eine solche Bahn selber nachzubauen. Naturgetreu, im Massstab 1:87. Das war vor 19 Jahren.

Schwender öffnet eine Vitrine und zeigt auf den Basler Regioexpress: «Das war meine erste Zugkomposition, die ich selber gebastelt habe.» Als Baustoff diente ihm damals einen ausgedienten Geranienkasten. Seither hatte ihn ein Virus befallen: ein Modelleisenbahn-Bastelvirus! In unzähligen Arbeitsstunden entstanden in seinem Bastelkeller so neue Züge aus alten Materialien. Darunter zum Beispiel die Seetalbahn, die Centovallibahn oder die Üetlibergbahn. Vorsichtig hebt er diese aus der Vitrine. «Die hier habe ich aus einem Tauwasserauffangbehälter eines ausrangierten Kühlschranks gemacht», sagt er. Mit einer Fräse sägt er zunächst die einzelnen Bauteile aus dem Kunststoff heraus. Anschliessend klebt er sie zusammen und montiert sie auf einem Fahrgestell, zum Beispiel einer ausgedienten Märklin-Eisenbahn. Und mit einer ruhigen Hand bemalt er die Einzelstücke, bis sie schliesslich aussehen, wie ihre grossen Vorbilder. Bis zu 160 Arbeitsstunden investiert er so in einen Triebwagen.

Kleines Budget weckt Ideen

Was aber wäre eine Modelleisenbahn ohne Modelllandschaft? Nach dem Motto alles aus «Abfall» gestaltet Schwender, der als Lastwagenchauffeur beim Cateringbereich im Zürcher Flughafen tätig ist, auch seine Landschaften aus Recyclingmaterial. So hat er Berge kreiert aus Styroporverpackungen, Bäume aus Abwaschschwämmen und Brückengeländer aus Glacestängeli. Ein schmales Budget wecke die kreativsten Kräfte, schmunzelt er. Rein zufällig sei er vor knapp 19 Jahren zu seiner ersten Ausstellung in einem Modellbahnen-Fachgeschäft gekommen. An unzähligen Messen in der ganzen Schweiz, angefangen bei der Spielmesse in St. Gallen oder der Eco-Expo in Basel bis nach Biel und Lausanne habe sein Stand wie ein Publikumsmagnet gewirkt.

Für die Besucher hat er aber auch Bahnen zum Mitmachen und selber spielen kreiert. Zum Beispiel die Recycling-Bahn, wo die Zuschauer Recyclinggut wie Altmetall und Aluminium, Papier oder Altglas per Güterwagen in die richtige Recyclingfirma transportieren sollen. Schwenders Werk ist noch bis zum 28. August in der Umweltarena zu bestaunen.