Kantonsspital

Im Kantonsspital sorgen philippinische Pflegende für die Patienten

Das Kantonsspital Baden macht sich auch in Asien auf die Suche nach geeignetem Pflegepersonal. Archiv/Walter Schwager

Das Kantonsspital Baden macht sich auch in Asien auf die Suche nach geeignetem Pflegepersonal. Archiv/Walter Schwager

Der Bund lässt Pflegende vom anderen Ende der Welt in die Schweiz kommen – so will er den Mangel an Pflegepersonal entschärfen. Auch im Kantonsspital Baden arbeiten zwei philippinische Pflegende. Jetzt wird Kritik an dieser Praxis laut.

Um den Mangel an Pflegepersonal zu entschärfen, will der Bund in Zukunft mehr auf philippinische Pflegende setzen. Auch im Kantonsspital Baden (KSB) sind zurzeit zwei Pflegende von den Philippinen beschäftigt. Dies berichtete das Regionaljournal AG/SO von Radio SRF.

Die Schweiz hat Stagiaire-Abkommen mit 13 Staaten abgeschlossen: Argentinien, Australien, Bulgarien, Japan, Kanada, Monaco, Neuseeland, Philippinen, Rumänien, Russland, Südafrika, Ukraine und die USA. Junge Berufsleute aus diesen Ländern bekommen so die Möglichkeit, für 18 Monate in der Schweiz tätig zu sein; und umgekehrt auch Schweizer in den 13 Partnerstaaten.

Bilanz erst nach 18 Monaten

Marco Bellafiore, Mediensprecher des KSB, bestätigte die Teilnahme des KSB an diesem Pilotprojekt. «Das Pflegepersonal in der Schweiz wird immer rarer. Wir erwarten einen Pflegepersonalmangel in den nächsten Jahren.» Durch das Einsetzen ausländischer Pfleger versuche man, dem entgegenzuwirken. «Seit Juni beschäftigen wir die beiden Filipinos.» Wie das Projekt läuft, will Bellafiore noch nicht bekannt geben. «Das sagen wir erst, wenn die 18 Monate vorbei sind.»

17 Pflegende aus den Philippinen

Laut der Organisation Medicus Mundi Schweiz (siehe Box) nehmen nebst dem KSB auch das Universitätsspital Zürich, das Regionalspital Lachen sowie einige Heime an diesem Projekt teil. Rund 17 Pflegende von den Philippinen sind im Zusammenhang mit dem Projekt in den oben genannten Spitälern tätig.

Da auf den Philippinen an die 200000 Pflegende arbeitslos sind, scheint dieses Abkommen eine Win-win-Situation zu sein. Doch Martin Leschhorn von Medicus Mundi Schweiz kritisiert das Abkommen: «In den Städten auf den Philippinen sind zwar um die 200000 Pflegende arbeitslos, doch auf dem Land herrscht Pflegepersonalmangel.» Auch Annette Hug von Medicus Mundi, die im Januar auf den Philippinen recherchierte, sieht dem Abkommen kritisch entgegen. In ihrem Bericht schreibt sie, dass ein solches Abkommen aus entwicklungs- und migrationspolitischer Sicht fragwürdig sei. Vor allem kritisiert sie, dass die philippinischen Pfleger für den Einsatz im Ausland meist mehrere Jahre Arbeitserfahrung aufweisen müssten, was zu einem sogenannten «forced volunteering» führe. Auf den Philippinen würden Studienabgänger aufgefordert, mehrere Jahre gratis in Spitälern zu arbeiten, um genügend Erfahrung zu sammeln, damit sie im Ausland arbeiten könnten.

285 000 ausgebildete Pflegekräfte

Angela Zumbrunn vom Bundesamt für Migration (BfM) weist diese Vorwürfe zurück: «Gemäss Angaben der philippinischen Behörden gibt es dort 285000 ausgebildete Pflegekräfte, die keine Arbeit finden. Von einem ‹forced volunteering› hat das BfM keine Kenntnis.»

Ob das Kantonsspital Baden in Zukunft mehr auf philippinisches Pflegepersonal setzen werde, stehe noch offen, sagt Bellafiore. «Momentan sind wir noch in der Testphase. Ist diese beendet, schauen wir weiter.»

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