Mellingen
Im Kulturlokal hat es kleinen Raum für die grossen Stars

Urs Weber sorgt mit seinem Kulturlokal Tradinoi seit zwei Jahren für einen Farbtupfer in der Altstadt.

Stefan Hürst
Merken
Drucken
Teilen
Alexia Gardner eröffnete zusammen mit Marcel Waldburger am Klavier die dritte Saison im Kulturlokal Tradinoi.Stefan Hürst

Alexia Gardner eröffnete zusammen mit Marcel Waldburger am Klavier die dritte Saison im Kulturlokal Tradinoi.Stefan Hürst

Stefan Hürst

Noch dauert es eine gute halbe Stunde, bis die Dame des Abends den Raum betreten wird. Trotzdem sind schon die ersten Tische mit erwartungsfrohen Besuchern besetzt, die genüsslich an einem Glas Wein nippen.

Kein Aussenstehender würde erahnen, dass in diesem Lokal gleich eine Jazzsängerin mit internationalem Ruf vor nur 18 Personen auftreten wird. Wenig später betritt die Engländerin den Raum.

Alexia Gardner lebt in New York und gewann 2011 den Swiss Jazz Award. Sie sang schon für Nelson Mandela. Heute wird sie jedoch, von Marcel Waldburger am Klavier begleitet, im «Tradinoi» die dritte Saison eröffnen.

Sie ist begeistert von der kleinen Kulisse, und insbesondere vom Menü, das an ihre Biografie angelehnt ist. Die Verpflegung mit Speis und Trank gehört im «Tradinoi» dazu. Der Verantwortliche steht denn auch schon in der kleinen Küche im hinteren Teil des Raumes.

Bekannte Musiker

Urs Weber zog vor acht Jahren in die Mellinger Altstadt, den Traum von einem eigenen Musiklokal hatte er jedoch schon immer. «Als vor zwei Jahren der Raum im Erdgeschoss frei wurde, wusste ich: Das ist meine Gelegenheit», erzählt er.

Alles begann im Herbst 2013 mit einem Konzert des Gitarristen Roberto Bossard. Es folgten Highlights wie etwa Doug Duffey aus Louisiana, der sich in der amerikanischen Soul-Szene einen Namen machte.

Weber hat sich die dazu nötigen Kontakte selber aufgebaut, und auch die Verbindung mit der Gastronomie ist ihm nicht fremd. Bereits seine Grosseltern und Eltern führten Gasthäuser. Er setzt bei seinem Programm auf Qualität und ist überzeugt: «Wenn ich konstant gute Musiker engagieren kann, werden sich auch mehr Personen zu einer Mitgliedschaft bewegen lassen.»

Auf diese ist der Verein Tradinoi angewiesen. Trotz etwa 40 Mitgliedern ist der Kulturbetrieb noch nicht selbsttragend. Kein Grund zum Aufgeben für Urs Weber. Schliesslich will er die vom Aussterben bedrohte Mellinger Altstadt auf musikalischem Gebiet neu beleben.

Im letzten Juli fand das erste kleine «Tradinoi»-Open-Air mit drei Bands statt. Im September soll der nächste Höhepunkt folgen. Linard Bardill und Bruno Brandenberger werden zuerst ein Kinderkonzert in der reformierten Kirche geben und anschliessend im «Tradinoi» für einen musikalischen Abend sorgen.

Dass der Liedermacher Bardill aus dem Graubünden dabei auch selber am Herd stehen und ein «Bündner Menü» zubereiten wird, passt zur Philosophie des «Tradinoi». Der Name des Lokals kommt aus dem Italienischen und kann etwa mit «unter uns» übersetzt werden.

Unter sich waren auch die Gäste an diesem verregneten Sonntagabend, die ihre Woche mit der sanften Jazz-Stimme von Alexia Gardner ausklingen liessen.