Kabarett
Im Kurtheater gabs CSI Schwamendingen

Kabarettist Lorenz Keiser war mit seinem aktuellen Programm «Chäs und Brot & Rock ’n’ Roll» zu Gast im Kurtheater.

Rosmarie Mehlin
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Lorenz Keisers Mimik gehört definitiv zu seinen Markenzeichen. zvg

Lorenz Keisers Mimik gehört definitiv zu seinen Markenzeichen. zvg

Er ist komisch und gesellschaftskritisch; was er sagt, ist unterhaltsam und immer wieder auch böse: Er ist Kabarettist. Als solcher bietet Lorenz Keiser in seinem jüngsten Programm «Chäs und Brot & Rock ’n’ Roll» dem Publikum einen bunten Abend im wahrsten Sinne des Wortes — einen breit gefächerten Reigen von Sketchs, inklusive musikalischer Einlagen. Keiser ist umgeben von Gitarre, E-Gitarre, Hammond Orgel, Blockflöte; das Schlagzeug fehlt noch. Er hat’s bei Amazon im Internet bestellt, womit der Einstieg geschaffen ist für Spitzen und Rundumschläge gegen diverse Institutionen und Personen.

Auch die üblichen Verdächtigen dienen Keiser für mehr oder weniger gelungene Pointen: Blocher, Brunner, Mörgeli, Leutenegger, Darbellay, die SVP, die SP sowie die insgesamt korrumpierten helvetischen Politiker — kurzum, zwar nichts Neues, aber nach wie vor sichere Werte für Publikumslacher. Genauso wie allein schon die Erwähnungen von typisch schweizerischen Befindlichkeiten, Arten und Unarten recht gut unterhalten, sofern sie in einem originellen Kontext oder als überraschende Schlussfolgerung präsentiert werden. Keiser tut dies, wie es sich für den versierten Kabarettisten gehört, locker, so nebenbei und in hoher Kadenz. Dass er sich dabei oft Klischees und Gemeinplätzen bedient, stört das Publikum wenig. Selbst eine Geschmacklosigkeit wie «das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco ist die al-Qaida der Schweiz» wurde im Kurtheater mit Lachen quittiert.

CSI Schwamendingen

Zwar bleibt der Titel unerklärlich, fehlt es «Chäs und Brot & Rock ’n’ Roll» doch am roten Faden, aber nicht an Abwechslung: Keiser schlägt thematisch einen sehr weiten Bogen. Unter anderem kriegen auch Filmschaffende, Biobauern, Psychologen, Kindertagesstätten und wohltätige Institutionen ihr Fett weg. Wobei Letztere für das eine von zwei Highlights des Abends sorgen. Der Disput zwischen einer Unterschriften sammelnden Tierschützerin und einem Passanten — Swarovski versus asiatische Erdhörnchen et cetera — ist ebenso ironisch, wie köstlich. Auch der Einsatz von zwei Balkan-Secondos als Kriminalisten von CSI Schwamendingen ist ein kabarettistisches Kabinettstück. Während Keiser in vielen Sequenzen übertrieben clownesk, ja fast schon «kasperlihaft» agiert, entfaltet er in diesen beiden Szenen sein komödiantisches Talent auf mitreissende Weise.