Baden
Im Kurtheater wird «María de Buenos Aires» aufgeführt

Selten zu hören: Das Theater Biel Solothurn spielt Astor Piazzollas «María de Buenos Aires» im Kurtheater.

Elisabeth Feller
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Die Sängerin Christiane Boesinger verfügt über viele Schattierungen für Astor Piazollas «Maria de Buenos Aires».

Die Sängerin Christiane Boesinger verfügt über viele Schattierungen für Astor Piazollas «Maria de Buenos Aires».

Sabine Burger

Der Tango ist für den Argentinier Jorge Luis Borges «der Glaube, dass der Kampf ein Fest sein kann». Damit kommen wir «María de Buenos Aires» schon ganz nahe. Die Titelfigur kämpft gegen schlimme Lebensumstände mit fesselnder Energie an.
Das von Astor Piazzolla als Tango-Operita komponierte Werk erzählt die Geschichte dieser Frau: Sie kommt glücksuchend aus einem Vorort nach Buenos Aires; stirbt dort inmitten von Zuhältern sowie Obdachlosen und wird so zur mythischen Gestalt. Nach Marías Tod streift ihr Schatten durch Buenos Aires, ohne Erinnerung daran, wem er einst gehört hat. All dies fasst der Librettist Horacio Ferrer in surreal-wuchernde Sprachbilder.

Pianist ist ein Impulsgeber

Wie inszeniert man ein Werk, das nicht durch eine Handlung vorangetrieben, sondern durch eine Nummernfolge zusammengehalten wird? Regisseur und Raumgestalter Olivier Tambosi beschwört – Atmosphäre. Hauptprotagonist ist das zwölfköpfige, auf der Bühne situierte Orchester mit Katja Haussener (Gitarre) und Luciano Jungman (Bandoneon). Links sitzt der Pianist Esteban Dominguez Gonzalvo: ein Impulsgeber mit feinem Gespür für Piazzollas stilistisch breite, Sogwirkung entfaltende Musik.
Eine Lichterkette umrankt die Orchesterbühne: ein Hinweis auf das Ende? Da schminken sich fünf Tänzerinnen, El Hombre (Konstantin Nazlamov) und Maria (Christiane Boesiger) die Gesichter und verwandeln sich in triste Clowns für eine triste Zirkusvorstellung. Mehr Personal gibt es bei Olivier Tambosi nicht; er hat manche Figur gestrichen und Szenen verknappt. «Bilder» bekommen wir nur dann zu sehen, wenn die Tänzerinnen das illustrieren, was María singt.

Inszenierung überzeugt

Bloss: Braucht es diese Verdoppelung? Nicht zwingend, denn der Fokus ist eh auf Christiane Boesiger – die Marías Seelenschwingungen packend schattiert – und das Klasseorchester gerichtet. Darüber, dass die Sängerin nicht nur die María, sondern auch den Schatten (eine Sprechrolle) spielt, lässt sich streiten. Doch am Gesamteindruck einer in erster Linie musikalisch überzeugenden Inszenierung ändert das nichts.

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