Schinznach-Dorf

Im multimedialen Museum auch das Klappern der Mühle hautnah erlebt

Am Schweizer Mühlentag haben viele Interessierte die Mittlere Mühle besucht. Sie ist in fünfter Generation im Besitz der Familie Hartmann und mahlt immer noch bestens. So unter anderem das Einkorn für das Urweizenbier der Brauerei Müller.

Höchst konzentriert mahlen drei Kinder an einem Miniatur-Mahlgang ihr Getreide. Sie stehen vor der geschichtsträchtigen, 1317 erstmals urkundlich erwähnten Mittleren Mühle, die ihm Rahmen des Schweizer Mühlentages am Samstag ihre Tore öffnete. Männer und Frauen zeigen sich interessiert an der Mühlentechnik des letzten Jahrhunderts. Im Innern der Mühle stehen sie vor der imposanten Walzenmühle.

Der rote Walzenstuhl sticht einem sofort ins Auge. Urs Obrist führt den staunenden Gästen den Plansichter vor. Die Gäste schauen nach oben: Der rechteckige, flache Kasten oberhalb des roten Walzenstuhls beginnt zu rütteln und zu schütteln. Unter ohrenbetäubendem Lärm werden die Kornbestandteile in Mehl, Dunst, Griess und grobe Schalenteile aufgeteilt.

Technik und Charme faszinieren

Vor vier Jahren wurde die elektrische Walzenmühle durch Ueli Hartmann, Urs Obrist, Jürgen Hoffmann und den sogenannten «Mühle-Doktor» Kurt Fasnacht restauriert. «Rund 200 Arbeitsstunden pro Person haben wir dafür aufgewendet», sagt Urs Obrist.

Für das typische Klappern einer Mühle ist ein Vorgang einer einzelnen Mahlmaschine verantwortlich: Im sogenannten Mahlgang wird zwischen dem Bodenstein und dem Läuferstein das Getreide zermahlen. Eine Vierschlagrosette bewegt dabei den Rüttelschuh, um die Kornmenge, die zugeführt wird, zu regulieren. Dadurch wird das typische Klappern erzeugt. Marcel Klaus aus Urdorf ist von der Technik fasziniert: «Das ist die erste richtige Mühle, die ich hier sehe. Die Geschichte, bis diese Technik entdeckt worden war und wie das alles funktioniert, das ist sehr spannend», erklärt er.

«Ich kann mir vorstellen, wie die Leute hier gearbeitet haben», sagt Jolanda Meier aus Schlieren. Sie habe schon andere, riesengrosse Mühlen gesehen. Doch hier sei alles kompakt, das gefalle ihr. «Für mich strahlen Mühlen einen gewissen Charme aus. Sie wirken beruhigend. Es ist hier wie in einer anderen Welt.»

«E Müli, wo öppis lauft!»

Und die Mittlere Mühle, die sich in fünfter Generation im Besitz der Familie Hartmann befindet, hat nebst ihrer Geschichte einiges zu bieten. Ihr Slogan «E Müli, wo öppis lauft!» hält, was er verspricht. 2010 wurde die Mittlere Mühle renoviert und als multimediales Museum eingerichtet. Das» Emmer- und Einkorn-Bier» gibt es auch dank der Mühle. Die alte Weizensorte Einkorn wird hier durch die vom Wasserrad angetriebene Mahlmaschine geschrotet. Die Brauerei Müller in Baden braut daraus ein Urweizenbier. «Ein Landwirt vom Schloss Kasteln baut für uns diese Weizensorte an», erklärt Jürgen Hoffmann.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1