Baden
Im Museum Langmatt werden die Besucher zu Voyeuren

Das Museum Langmatt eröffnet die neue Saison mit frühlingshaften Werken, Stillleben und Aktbildern. Frühlingserwachen heisst die neue Ausstellung. Museumsdirektor Markus Stegmann plant inskünftig drei Ausstellungen im Jahr zu machen.

Patrick Hersiczky
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Museum Langmatt
3 Bilder
Markus Stegmann ist seit Oktober 2015 Direktor des Museums Langmatt.
Markus Stegmann sagt, der Verkauf von Bildern sei sehr schmerzhaft, aber die einzige Lösung.

Museum Langmatt

Patrick Hersiczky/Archiv

Frühlingserwachen, so heisst die neue Ausstellung im Museum Langmatt. Der Name ist für den neuen Museumsdirektor Markus Stegmann auch Programm. «Wir werden inskünftig drei Kunstausstellungen pro Jahr machen. Zudem planen wir eine Neuausrichtung, um auch ein junges Publikum zu erreichen», verrät Stegmann vor der ersten Vernissage dieser Saison. «Die Ausstellungsfläche möchten wir deutlich vergrössern und im Park neue Aktivitäten wie etwa Yoga anbieten.»

Das Museum Langmatt steht nämlich in grosser Konkurrenz mit den Kunsthäusern Zürich und Aarau. «Wir verfügen aber über einige sehr wertvolle Werke von französischen Impressionisten», so Stegmann, der im vergangenen Oktober die Museumsleitung übernommen hat.

Aufbruchstimmung an der Vernissage

Bei der Vernissage unter der neuen Museumsleitung am vergangen Samstag spürte man eine Aufbruchsstimmung: Stegmann riet in seiner Laudatio den rund 80 Besuchern, die Bilder unvoreingenommen zu betrachten. Damit meinte er, dass man nicht zuerst auf das Namensschild des Künstlers neben dem Werk schielen, sondern das Bild auf sich wirken lassen soll. Dass dies kein leeres Bonmot ist, beweisen Stegmann und sein Team in der Anordnung der Bilder. So ist etwa ein Akt von Renoir neben einer zeitgenössischen Fotografie eines Mannes vor einem Spiegel zu sehen.

Dabei entsteht ein gewisser Voyeurismus, weil beide Bilder in einem Dialog stehen. Es ist aber unklar, ob der Mann auf der Fotografie die Frau auf dem Bild von Renoir anschaut – oder umgekehrt. Wer also die Bilder nicht nur als Werke von Renoir oder der Fotografiekünstlerin Simone Kappeler betrachtet, der lässt sich auf das neue Ausstellungskonzept ein. «Wir haben bewusst einige Bilder aus dem Galerieraum in die obere Etage verlegt», so Stegmann, «die Bilder entfalten dort eine ganz andere Wirkung.»

Neben impressionistischen Klassikern zeigt das Museum auch zeitgenössische Kunst. Die Bilder dieser vorwiegend schweizerischen Künstler sind ebenso in dieser Verspieltheit von Moderne und Klassik angeordnet.

Start geglückt

Dem Team von Markus Stegmann ist mit dieser Ausstellung ein guter Start in die neue Saison gelungen. An der Vernissage vom Samstag waren im Vergleich zur Vorpremiere mit Vereinsmitgliedern nicht nur klar mehr Besucher, sondern auch einige junge Leute und Familien auszumachen. Wer die Besucher an diesem Samstag in der Langmatt beobachtete, merkte, dass sich einige Leute die Worte von Stegmann zu Herzen genommen haben und die Bilder aus einer anderen Perspektive betrachten.

Die Ausstellung Frühlingserwachen dauert bis 22. Mai. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag (14 bis 17 Uhr), Wochenende (11 bis 17 Uhr).